Termiten, Biber und mehr: Wenn Tiere zu Architekten werden

Sie kreieren meisterhafte Bauten und tödliche Fallen: Diese tierischen Baumeister vollbringen kleine Wunderwerke.

Einige Termiten-Arten bauen mit Speichel und Erde Türme, die in Relation zehnmal höher reichen, als das höchste Hochhaus der Welt. Ein solcher Bau reicht auch unter die Erde und kann zwei bis drei Millionen Termiten beherbergen. Die Türme dienen dabei als eine Art Klimaanlage für den gesamten Bau.
Ein Ameisenhügel der Roten Waldameisen besteht aus Baumnadeln, kleinen Ästen und Moos, die über einem morschen Baumstumpf zusammengetragen wurden. In dem bis zu drei Meter hohen und breiten Haufen gibt es Gänge und Kammern, die sich stockwerkartig anordnen.
Zu einer einzelnen Weberameisen-Kolonie können mehrere Hundert solcher Nester gehören, die sich über viele Bäume erstrecken. Weberameisen sind nicht nur versierte Baumeister, sie halten sich sogar Blattläuse, die sie "melken" können.
Blattschneiderameisen bauen ihre Nester nicht aus Blättern und sie essen sie auch nicht. Die zerkauten Blätter dienen ihnen stattdessen zur Pilzzucht. In Fließbandarbeit betreiben die spezialisierten Arbeiter-Ameisen regelrechte Pilzfarmen. Mit diesem Pilz, der ihre einzige Nahrungsquelle ist, versorgen sie die gesamte Kolonie.
Der Ameisenlöwe ist weder Ameise noch Löwe, sondern eine Larve der Ameisenjungfer, ein Insekt aus der Ordnung der Netzflügler. Ameisen gehören zur Nahrung der Tiere. Um an Futter zu kommen, haben sie eine besondere Fangmethode entwickelt, die auch bauliches Können erfordert.
Ameisenlöwen graben Trichter in einen sandigen Untergrund, sie selbst lauern am Boden des Trichters. Diese Trichterbauten sind so konzipiert, dass die Beute der Ameisenlöwen unweigerlich zur Mitte hin abrutscht, sobald sie den Trichterrand überschreitet.
Auch Spinnen gehören zu den architektonisch begabten Tieren, die Fallen stellen. Viele verschiedene Arten weben Netze, in denen sich ihre Beutetiere verfangen. Hier ist ein Netz der Heide-Radspinne zu sehen. Spinnen haben allerdings auch andere Fangmethoden ...
Die Falltürspinne webt kein Netz, sondern lebt in einer Röhre im Boden, die sie mit einer "Falltür" aus Seide und Material aus der Umgebung versieht. Nähert sich Beute ihrem gut getarnten Versteck, springt die Spinne heraus und schnappt zu.
Wespen zimmern sich ihre Nester aus zerkauten Holzfasern und Speichel zusammen. Diese Nester können unterirdisch liegen, zum Beispiel in Maulwurfshöhlen, aber auch in anderen dunklen Hohlräumen wie in Rolladenkästen oder auf Dachböden.
Honigbienen bauen ihre Nester häufig an Bäumen. Die charakteristischen Waben eines Nestes bestehen aus Wachs. In den Waben ziehen Honigbienen den Nachwuchs groß und lagern Honig sowie Pollen ein. Wie bei anderen Staatenbildenden Insekten, zum Beispiel Termiten oder Ameisen, gibt es nur eine Königin pro Kolonie, die für den kompletten Nachwuchs sorgt.
Staatenbildung wie bei den Insekten ist bei Säugetieren äußerst selten. Ein Exemplar, das auch spezialisierte Arbeiter, Soldaten und eine einzelne Königin, die für den Nachwuchs verantwortlich ist, hervorbringt, ist der Nacktmull. Nacktmull-Kolonien leben in unterirdischen Gängen und Kammern unter den Halbwüsten Ostafrikas.
Gänge und Kammern sind auch die architektonischen Spezialitäten von Maulwürfen. Die Nestkammer eines Maulwurfs liegt tiefer als die Gänge, die von kurz unter der Erdoberfläche bis zu einem Meter Tiefe reichen. Anders als die Gänge ist die Nestkammer mit Laub und Gräsern gepolstert. Überirdisch sorgt der Aushub für die charakteristischen Maulwurfshügel.
Einige Tiere leben in ähnlichen Gang- und Kammersystemen unter der Erde, zum Beispiel Murmeltiere und Ziesel (hier im Bild), die zur Gruppe der Erdhörnchen zählen. Auch Dachse und Füchse leben in Erdbauten.
Eine der imposantesten architektonischen Leistungen im Tierreich geht auf das Konto des Bibers. Seine Dammbauten stauen das Wasser von Bächen und Flüssen, vor allem um einen konstanten Wasserstand für die anderen Wohnbauten und die Biberburg zu gewährleisten. Eine Biberburg ist ein spezieller Wohnbau, der komplett von Wasser umgeben ist.
Von einem der größten Nagetiere der Welt, dem Biber, geht es zu einem der kleinsten, der Zwergmaus. Auch sie zeigt bauliches Können. Zwischen den Halmen hoher Gräser, aber auch im Schilf oder auf dem Getreidefeld flechten sie ihre Kugelnester zusammen, in denen sie ihre Jungen großziehen.
Dass menschliche und tierische Baukunst auch nebeneinander und miteinander bestehen können, zeigt dieses Bild: Auf einem alten Kirchturm nisten Weißstörche. Viele Vogelarten, ob groß oder klein, bauen ähnliche Nistplätze, häufiger allerdings im Baumgeäst oder auf dem Boden.
Die Rauchschwalbe wird nicht umsonst auch Hausschwalbe genannt. Sie nistet bevorzugt an menschlichen Bauten. Ihre Nester zimmern die Schwalben aus Schlammklümpchen und Stroh.
Webervögel wie der Kapweber sind versierte Nestflechter, die ihre Nester aus Pflanzenfasern, Federn und Wolle bauen. Sie leben in Kolonien zusammen und neben Einzelnestern entstehen auch Gemeinschaftsnester.
In der Kalahari-Wüste in Afrika zeigen sich die riesigen Ausmaße, die die Nester von Webervögel-Kolonien annehmen können.
Die nur in Australien und auf Neuguinea vorkommenden Laubenvögel flechten ihre Lauben am Boden. Die Lauben unterscheiden sich von Art zu Art - oft gehört zur Laube auch einiges an Dekor, auf diesem Bild zum Beispiel Schneckenhäuschen und Knochenstücke. Die Männchen mit der schönsten Laube ziehen die meisten Weibchen an.