Die Folgen der Waldbrände in den USA machen sich jetzt auch in Deutschland bemerkbar. Über Leipzig schwebte eine Wolke aus Ruß- und Aschepartikeln, wie Forscher entdeckt haben.

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Die Folgen der gewaltigen Waldbrände an der Westküste der USA werden nun auch in Deutschland registriert. Messgeräte des Leibniz-Instituts für Troposphärenmessung (Tropos) erfassten Rauch aus Kalifornien in großer Höhe über Deutschland.

Wie die Wissenschaftler berichten, konnte Staub von der Westküste erstmals am vergangenen Freitag über Leipzig gemessen werden. Zunächst befand sich die Schicht in zehn bis zwölf Kilometer Höhe, sank aber auf bis zu fünf Kilometer ab.

Abschwächung des Sonnenlichts

Ruß- und Aschepartikel bilden über den Brandherden Feuerwolken. Durch die Hitze können die Gewitterwolken in große Höhen aufsteigen. Experten sprechen von Pyrocumulus- und Pyrocumulonimbus-Wolken - letztere steigen bis in die untere Stratosphäre. Die Nasa hatte kürzlich berichtet, dass sich solche Wolken in einigen Fällen über der US-Westküste gebildet hatten.

"In der oberen Troposphäre und Stratosphäre können diese Partikel dann ähnlich der Asche von Vulkanausbrüchen lange unterwegs sein und mit den Höhenwinden große Entfernungen über die Kontinente hinweg überwinden", sagt Tropos-Forscher Holger Baars.

Das hat sogar zu einer Abschwächung des Sonnenlichts geführt. Am Wochenende sei in Deutschland ein milchiger Himmel erkennbar gewesen, der den Sonnenschein trübte.

Laut Messungen hätten die Rauchschichten einen stärkeren Einfluss gehabt als sonst. "Dies ist also ein außerordentlich starkes Ereignis", sagte Albert Ansmann, Leiter der Lidar-Gruppe des Instituts.

Laserstrahlen in die Wolken

Schon häufiger konnten Wissenschaftler zeigen, dass sich Rußpartikel über weite Strecken um den Globus bewegen. Anfang des Jahres hatten die Tropos-Experten Spuren der Brände in Australien über Chile gemessen. Der Rauch war mehr als 10.000 Kilometer über den Pazifik gezogen.

Für die Messungen griffen die Forscher auf die Lidar-Technik zurück. Lidar steht für Light Detection and Ranging. Die Fernerkundungsmethode wird in den Geowissenschaften angewendet, um Strukturen am Boden oder in der Luft zu erkennen.

In der Atmosphärenforschung werden Laserstrahlen vom Boden aus losgeschickt und das zurückgestreute Licht eingefangen. Dabei werden die Partikelstrukturen erfasst und die Entfernung errechnet.

Lage in Portland besonders dramatisch

Rund hundert große Brandherde lodern derzeit in den Westküsten-Bundesstaaten Kalifornien, Washington und Oregon. Das Feuer zog über eine geschätzte Fläche von 19.000 Quadratkilometern - das entspricht etwa der Größe von Rheinland-Pfalz.

In zahlreichen Regionen leiden die Menschen aufgrund der schlechten Luftqualität auch abseits der Brandherde unter den Folgen der Katastrophe. Die Gesundheit von Millionen US-Bürgern ist bedroht, auch in Großstädten wie San Francisco, Los Angeles, Seattle oder Portland.

In Oregon wird die Luftqualität an Dutzenden Messstationen von den Behörden als "gesundheitsgefährdend" oder "sehr ungesund" eingestuft und erreicht die höchsten Warnstufen. Besonders dramatisch ist die Lage derzeit in Portland. Nirgendwo ist die Luft derzeit so schlecht. Mancherorts reicht die Skala nicht mehr aus, um den Luftqualitätsindex abzubilden.

Vor allem Feinstaub belastet die Luft. Die Konzentrationen von besonders gesundheitsschädlichen Partikeln unter 2,5 Mikrometern (PM 2,5) liegen laut IQAir am Montag bei etwas unter 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Zwischenzeitlich lag er aber doppelt so hoch.

Für solche winzigen Partikel gilt in der EU ein Grenzwert von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel. In Portland wird den Menschen empfohlen, eine Maske zu tragen, die Fenster zu schließen und Aktivitäten an der Luft zu vermeiden.  © DER SPIEGEL

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