Dieses Jahr ist es acht Jahre her, dass der Rechtspopulist Jörg Haider tödlich verunglückte. Die Spekulationen um die Todesursache sind seitdem weniger geworden, ganz aufgehört haben sie nie. Ein Überblick zu den abstrusesten Theorien – und ein Erklärungsversuch, warum wir so anfällig für Verschwörungstheorien sind.

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Über hundert Menschen waren damals zum Gedenktag gekommen, an die Unfallstelle nahe der Kärntner Landeshauptstadt. Es war Oktober 2013, der fünfte Todestag Jörg Haiders. In der Nacht zuvor hatte jemand palettenweise Friedhofskerzen an der Unfallstelle abgeladen, die Menschen kamen in Trachten und festlichen Gewändern.

Sie schimpften zusammen mit den anwesenden FPÖ- und BZÖ-Politikern auf die Medien, die "das Andenken eines Toten in den Schmutz ziehen" würden, und fast niemand dort glaubte an den offiziellen Unfallhergang.

"Er trank nie mehr als ein kleines Bier", sagte ein Mann, der von sich behauptet, er sei der Skilehrer von Haiders Töchtern gewesen. Er sagt es mit fester Stimme, da ist kein Zweifel. Er ist, wie auch die anderen, davon überzeugt, dass das Ende des übermächtigen Landesvaters nicht so banal gewesen sein könne. Dass der Rechtspopulist tatsächlich alkoholisiert und viel zu schnell in dieser sanften Linkskurve in den Tod raste. Dass niemand anderes daran Schuld habe als Jörg Haider selbst.

Mossad oder doch die Freimaurer?

Die Spekulationen um die Unfallursache begannen sofort, als die Nachricht von Haiders Tod bekannt wurde.

Ein paar Tage später äußerte der ehemalige FPÖ-Politiker Karlheinz Klement seine Vermutung, der Mossad habe ein Attentat verübt. Der israelische Geheimdienst sei interessiert an den arabischen Kontakten Haiders – eine krude These, die alte Feindbilder und eine jüdische Weltverschwörung heraufbeschwor. Klement wurde später (in einem anderen Fall) wegen Verhetzung verurteilt.

Die Ermittlungen zum Tod Jörg Haiders wurden im April 2009 eingestellt: mit 1,8 Promille Alkohol und 140 km/h war Haider von der Bundesstraße abgekommen und hatte mehrere tödliche Verletzungen erlitten. Die technische Untersuchung des Unfallfahrzeugs ergab keine Fremdeinwirkung, und die Obduktionsergebnisse wurden durch ein weiteres Gutachten bestätigt. Trotzdem halten sich die Spekulationen hartnäckig – bis heute.

Verschwörungs-Business

Besonders eifrig hat sich dabei der Autor Gerhard Wisnewski hervorgetan. Sein Buch "Jörg Haider – Unfall, Mord oder Attentat?" war in Kärnten teilweise vergriffen. Kaum ein Ereignis der Weltgeschichte, zu dem Wisnewski nicht Stellung bezieht und eine eigene Theorie entwickelt: ob zur Mondlandung, dem Untergang der Titanic, dem Attentat auf Charlie Hebdo oder 9/11.

Viele von Wisnewskis Büchern erscheinen im Kopp-Verlag, der sich einen Namen gemacht hat mit dubiosen Theorien. Die Formulierung "was geschah wirklich" taucht immer wieder auf, das Geschäftsmodell scheint vor allem darin zu bestehen, Zweifel zu säen.

Der Reiz von Verschwörungstheorien

Es sind vor allem große, einschneidende Ereignisse, die sich für Verschwörungstheorien eignen, viele Menschen brauchen dafür auch eine große Erklärung. Besonders bei gesellschaftlichen Krisen haben diese Theorien Hochkonjunktur – wenn Menschen unsicher sind oder Angst haben, wird ein Ventil dafür gebraucht. Gleichzeitig suchen Menschen immer nach Erklärungen für Geschehnisse in ihrer Umwelt und konstruieren so Sinnzusammenhänge, eine fiktive Ursache hinter einem Geschehen gibt Sicherheit, erklärt scheinbar logisch eine widersprüchliche Realität.

Da den etablierten Medien unterstellt wird, sie würden "die Wahrheit" verschweigen, gelten aus Sicht vieler nur noch "alternative Medien" und Webseiten als glaubwürdig. Wer im Internet zum Tod Haiders recherchiert, stößt schnell auf einschlägige, rechtsextreme Webseiten. Sie sind es vor allem, die immer noch immer absurde, nicht selten antisemitische Theorien verbreiten.

Und auch hier gilt: Wer die Person Haiders schätzte, kann sich nur schwer damit abfinden, dass hinter dem Tod eines "großen Politikers" nicht auch eine "große Verschwörung" steckt.