"Doomsday Clock": Wie nahe ist der Weltuntergang?

Wie nahe ist der Weltuntergang? Dieser Frage geht die sogenannte "Doomsday Clock" nach. Die Antwort: Es ist so spät wie noch nie zuvor - aktuell steht sie auf exakt 11:58 Uhr und 20 Sekunden.

Die "Doomsday Clock" wird 1947 von Wissenschaftlern ins Leben gerufen. Sie soll anzeigen, wie nah sich die Menschheit durch Krieg und Klimawandel am eigenen Untergang befindet. Während sie zum Start auf 11:53 Uhr steht, stellen sie die Wissenschaftler nach dem ersten Kernwaffentest der Sowjetunion (Bild) im Jahr 1949 auf 11:57 Uhr. (Archivbild)
In den Jahren 1960 und 1963 beginnt sich die weltweite Lage wieder etwas zu entspannen. Insgesamt geht es für die Doomsday Clock 10 Minuten nach hinten auf 11:48 Uhr. Der Hauptgrund ist die Unterzeichnung des Vertrages über einen teilweisen Stopp von Atomtests zwischen den Supermächten.
1968 geht es wieder fünf Minuten näher an die totale Vernichtung: Mit dem ersten Test einer chinesischen Atombombe und zahlreichen weltweiten Konflikten stellen die Forscher die Uhr auf 11:53 Uhr.
Doch die nächsten Jahre bringen wieder etwas Entspannung: Die USA ratifizieren den Atomwaffensperrvertrag und die Führer der beiden Supermächte (Jimmy Carter (l.), Leonid Breschnew (r.)) unterzeichnen das SALT-I-Abkommen zur nuklearen Rüstungsbegrenzung. SALT II befindet sich in der Vorbereitung. Damit wandert der Zeiger der Weltuntergangsuhr zurück auf 11:48 Uhr.
Doch die nächsten Jahre bis 1984 werden weltpolitisch sehr turbulent: Die SALT-Gespräche geraten ins Stocken, das Wettrüsten beschleunigt sich. Und vor allem der Konflikt der UdSSR in Afghanistan (Bild) lassen die Zukunft der Menschheit düster erscheinen. Die Uhr wird schrittweise über die Jahre auf 11:57 Uhr vorgestellt.
Es folgt das, was niemand für möglich gehalten hatte: Der Ostblock bricht zusammen und der Kalte Krieg endet friedlich. Nach der Wende und den ersten politischen Veränderungen in den ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten erreicht die Weltuntergangsuhr einen historischen Tiefstwert im Jahr 1991 - sie steht auf 11:43 Uhr.
Doch bereits wenige Jahre später geht es wieder in die andere Richtung: Zwischen 1995 und 1998 stagniert die Abrüstung, Kernwaffen der UdSSR verschwinden plötzlich spurlos. Zudem führen Indien und Pakistan Atomtests durch. Die Doomsday Clock wird auf 11:51 Uhr gestellt.
Und die Lage verschlechtert sich in den folgenden Jahren weiter. So ziehen sich die USA aus einigen Abrüstungsverträgen zurück und Terroristen versuchen sich A- und B-Waffen anzueignen. 2007 steht die Uhr schließlich auf 11:55 Uhr - Nordkorea (Bild) hatte einen Kernwaffentest vorgenommen und erstmals wurde auch der Klimawandel von den Forschern berücksichtigt.
2010 geht es durch Fortschritte bei Abrüstungsverträgen zwischen den USA und Russland sowie Barack Obamas Vision einer Atomwaffen-freien Welt wieder eine Minute zurück auf 11:54 Uhr.
Bis 2015 lässt aber vor allem der fehlende globale Kampf gegen den Klimawandel die Doomsday Clock wieder auf 11:57 Uhr vorrücken.
Mit der Vereidigung von Donald Trump als neuen US-Präsidenten rückt die Weltuntergangsuhr auf den dritthöchsten Wert ihrer Geschichte vor - 11:57 und 30 Sekunden. Die Forscher sehen die steigende Wahrscheinlichkeit einer globalen Katastrophe.
2018 und 2019 hat die Doomsday Clock denselben Stand wie 1953 - 11:58, zwei Minuten vor Mitternacht. Die Experten sehen eine deutliche Verschlechterung der Sicherheitslage nach der Amtseinführung von Donald Trump. Und auch das Atomprogramm von Nordkorea (Bild) hält die Welt in Atem.
2020 erreicht die Weltuntergangsuhr ihre fortgeschrittenste Uhrzeit: Sie steht nun 100 Sekunden vor zwölf, genau bei 11:58 Uhr und 20 Sekunden. Die Experten warnen vor sinkender Rüstungskontrolle, dem Klimawandel und digitalen Falschinformationen. "Wir haben es jetzt mit einem echten Notfall zu tun - einem absolut inakzeptablen Zustand der Welt."