In Bad Birnbach verkehrt nun der erste selbstfahrende Linienbus in Deutschland - eine Weltneuheit. Wir haben eine Testfahrt mit dem elektrischen Minibus absolviert.

Maria Menz
Eine Reportage
von Maria Menz, Redakteurin Gesundheit, Geld & Karriere (nicht mehr im Unternehmen)

"Ach mei, das ist ja goldig. Was ist das, eine Straßenkehrmaschine?" Die ältere Dame schaut dem Gefährt hinterher, das langsam aus unserem Blickfeld zuckelt. Die Passanten im bayerischen Bad Birnbach sind nicht leicht zu beeindrucken - nicht durch den ersten selbstfahrenden Linienbus in Deutschland und auch nicht durch das feierliche Eröffnungs-Tamtam mit Blaskapelle.

Der fahrerlose und elektrisch betriebene Kleinbus bedient die Strecke vom Ortszentrum des beschaulichen Kurorts bis zur Therme. Bis zu sechs Menschen können gleichzeitig mitfahren.

selbstfahrender Bus

Das Besondere an dem Gefährt: Es braucht keinen Fahrer, kein Gaspedal und gleitet automatisch über die Straßen. Der Bus fährt auf einer programmierten Strecke - quasi auf virtuellen Schienen - Hindernisse erkennt er durch eine Kamera. Sobald er einen Fremdkörper auf der Strecke findet, wird er langsamer oder hält ganz an.

Parkende Autos werden zum Problem

Dann kann der sogenannte Fahrbegleiter eingreifen. Er umsteuert die Hindernisse aber nicht klassisch mit einem Lenkrad, sondern mit einem kleinen Joystick - fast wie bei einem Computerspiel.

Von der Route abweichen kann der Minibus nicht, parkende Autos oder andere Gegenstände setzen ihn außer Gefecht, erklärt Harmut Kratz, der an diesem Tag unser Fahrbegleiter ist: "Das ist eigentlich der Hauptgrund, warum wir mitfahren. Gerade im ländlichen Bereich parken mal Autos auf der Linie und es sind viele Rentner unterwegs".

Auch wenn alle Anwesenden an diesem Tag immer wieder vom ersten autonomem Fahrzeug in Deutschland reden - ganz richtig ist das nicht. Denn ein autonomes Gefährt würde hier in Deutschland gar keine Straßenzulassung bekommen - das verbietet die aktuelle Gesetzeslage.

Der Bus fällt vielmehr unter die Kategorie "hochautomatisiertes Fahren". Der Fahrer, oder in unserem Fall der Fahrbegleiter, muss das System nicht überwachen - es warnt den Fahrer bei einem Problem. So kann dieser rechtzeitig eingreifen.

Michael Barillère-Scholz, Direktor bei "ioki", dem Mobilitäts-Unternehmen der Deutschen Bahn, schätzt, dass es etwa noch fünf Jahre dauert, bis Autos fahrerlos in Deutschland fahren dürfen. Bis dahin muss sich auch ein Fahrbegleiter in den Minibus quetschen, erläutert er mir während der feierlichen Eröffnung.

Zu Fuß ist man schneller

Danach drängeln sich Journalisten und Einwohner von Bad Birnbach um den Minibus. Auch wenn eine große Portion Skepsis bleibt - mitfahren will doch jeder einmal.

Ich habe Glück und kann gleich bei der zweiten Fuhre mit. Doch so richtig spannend ist es irgendwie nicht. Das Gefährt schleicht mit 10 Kilometern pro Stunde über die Straßen von Bad Birnbach und hält gefühlt bei jedem Lufthauch an.

"Eilig darf man es nicht haben, eigentlich wäre es geschickter, wenn ich daneben herlaufe", sagt auch eine mitfahrende Journalistin.

Ein kurzer Blick auf Google Maps verrät, dass ich zu Fuß tatsächlich schneller bin. Die Strecke zwischen Therme und Neuem Marktplatz lässt sich innerhalb von sieben Minuten bewältigen - mit dem Bus sind es acht. Und das auch nur, wenn keine Hindernisse auf der Strecke liegen.

Chance für den öffentlichen Nahverkehr

Auch wenn der Bus nicht schnell ist, hat er doch großen praktischen Nutzen. Denn auf lange Sicht können solche Gefährte die drohenden Probleme im öffentlichen Nahverkehr lösen. "Noch sind viele Menschen auf das Auto angewiesen", sagt Landrat Michael Fahmüller. "Dieser Bus ist jedoch ein deutliches Zeichen für Flexibilität im Nahverkehr im ländlichen Raum."

Das sehen auch die Einwohner von Bad Birnbach so: "Für mich ist das nichts, aber für Senioren, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, ist das eine gute Lösung", meint eine Anwohnerin.

Doch meine Zweifel bleiben: Ist das wirklich die Zukunft, wie alle Verantwortlichen behaupten? Als ich in den Shuttle-Bus steige, der mich zurück zum Bahnhof bringt, frage ich deswegen den Busfahrer, ob er denkt, dass die autonomen Fahrzeuge ihm den Job streitig machen werden. Er lächelt verschmitzt und antwortet: "Ne, das glaube ich ja nicht."