Nach der Wende bot sich den Besuchern der historischen Altstadt von Görlitz ein trauriges Bild. Dann machte es sich ein namenloser Wohltäter zur Aufgabe, die jahrhundertealten Denkmäler zu retten.

Görlitz liegt an der polnischen Grenze und ist mit rund 4.000 denkmalgeschützten Häusern ein pittoreskes Ausflugsziel für Hauptstadtbewohner. Als Kulisse für den Hollywood-Film "Grand Budapest Hotel" erhält die kleine Stadt in der Oberlausitz derzeit internationale Aufmerksamkeit. Am vergangenen Sonntag brannte in Görlitz ein historisches Gebäude aus. Ein herber Verlust für die Stadt: Das Jugendstilhaus war Teil der historischen Altstadt, Görlitz' Joker bei der geplanten Bewerbung um die Aufnahme ins UNESCO-Weltkulturerbe.

Zum Glück hat die Stadt einen Mäzen, der seit 1995 anonym Jahr für Jahr eine beachtliche Summe in die Kassen der Stadt fließen lässt. Trotz vieler Spekulationen ist es bisher nicht gelungen, die Identität des Gönners aufzudecken. In den Neunzigern versuchte etwa die "Bild"-Zeitung, das Rätsel zu lösen und vermutete, der Schokoladenerbe Thomas Sprengel sei der heimliche Wohltäter. Das wurde eilig vom damaligen Oberbürgermeister dementiert. Vielleicht doch ein Hinweis, dass zumindest die führenden Köpfe der Stadt wissen, wer dahinter steckt? Ein Interesse, die Identität Preis zu geben, haben sie freilich nicht. Schließlich will man den Spender nicht verärgern und womöglich noch den Geldsegen zum Versiegen bringen.

511.100 Euro für ein "Juwel"

Auch in diesem Jahr ist wieder eine Spende auf dem Konto der Stadt eingegangen. 511.100 Euro, die ausschließlich für Instandsetzung und Erhalt denkmalgeschützter Gebäude verwendet werden dürfen. Dass die Spende in ihrem 20. Jahr besonders früh überwiesen wurde, freut den Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege besonders. Er sagt: "Viele Bauvorhaben und Projekte können damit realisiert werden. So kann die historische Bausubstanz mit Umsicht und Sorgfalt restauriert werden und unsere Stadt ihren Ruf als städtebauliches Juwel kontinuierlich ausbauen." Das Geld aus öffentlicher Hand reiche nicht, ebenso fehle es an privaten Investoren.

Um die Spendengelder sinnvoll zu verteilen, wurde bereits 1995 in Görlitz eine Stiftung gegründet. In ihrem Kuratorium sitzt auch der Anwalt des anonymen Spenders und vertritt dessen Interessen. Fast 10 Millionen kamen so bisher zusammen. Allein im vergangenen Jahr bezuschusste die Stiftung die Sanierung von 74 Objekten, darunter Kirchen, Vereinsgebäude, kommunale und private Kulturdenkmale. Auch in die Beleuchtung der Altstadt und ein touristisches Leitsystem wurde investiert.  © Glutamat