• Am Freitagabend wurde bekannt, dass Porsche-Boss Oliver Blume ab September auch neuer Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG wird.
  • Doch bereits vor dem Dienstantritt muss einer der mächtigsten deutschen Wirtschafsbosse eine Rolle rückwärts vollführen - und Lobbyismusvorwürfe entkräften.

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"Teamgeist, Fairness und Leidenschaft", so lauten die Erfolgsfaktoren für Oliver Blume, künftig einer der mächtigsten Wirtschaftslenker Deutschlands. Blume, so wurde vergangenen Freitagabend bekannt, übernimmt neben der Porsche AG ab September als Nachfolger von Herbert Diess auch den Vorstandsvorsitz bei der Volkswagen AG.

Der 54-jährige Niedersachse leitet bereits seit 2015 erfolgreich den Vorstand der Sportwagen-Tochter. Er freue sich sehr, die beiden Autobauer "gemeinsam zu führen", sagte Blume laut Mitteilung des Konzerns. Sein Fokus liege "auf den Kunden, Marken und Produkten".

Während Ampel-Verhandlungen: "Lindner hat mich in den letzten Tagen fast stündlich auf dem Laufenden gehalten"

Im Herbst des vergangenen Jahres lag Blumes Fokus aber offenbar vor allem auf engen Kontakten zur Politik. Wie das ZDF-Satiremagazin "Die Anstalt" vergangenen Dienstag berichtete, rühmte sich Blume auf einer internen Veranstaltung seiner vertraulichen Verbindung zu FDP-Chef Christian Lindner, der nach der Bundestagswahl im September 2021 mit SPD und Grünen den Koalitionsvertrag der Ampel aushandelte.

So soll Blume bei einer Betriebsversammlung am 29. Juni 2022 vor Mitarbeitern gesagt haben, dass Porsche "sehr großen Anteil" daran gehabt habe, dass eine weitere Nutzung von synthetisch hergestellten E-Fuels für Verbrennungsmotoren "in den Koalitionsvertrag miteingeflossen" sei.

"Da sind wir Haupttreiber gewesen, mit ganz engem Kontakt an die Koalitionsparteien. Der Christian Lindner hat mich in den letzten Tagen fast stündlich auf dem Laufenden gehalten", wurde er zitiert.

Oliver Blume.

Direkte Einflussnahme auf Koalitionsverhandlungen? Blume entschuldigt sich für "falschen Eindruck"

Der Porsche-Chef saß also quasi als E-Fuel-Influencer mit am Verhandlungstisch? Diesen Eindruck will Blume so schnell wie möglich loswerden - und entschuldigte sich in der "Bild am Sonntag" für die Äußerung. Er habe in einer internen Veranstaltung in Bezug auf Kontakte zum Thema synthetische Kraftstoffe "falsche Worte" gewählt, sagte Blume. "Dadurch ist ein falscher Eindruck entstanden. Das tut mir leid."

Auch die FDP wies die Vorwürfe einer angeblich sehr engen inhaltlichen Abstimmung zurück. Lindners Position zu sogenannten E-Fuels sei "seit Jahren bekannt" und stamme noch aus der Zeit der FDP in der Opposition, erklärte ein Parteisprecher am Samstag. Zum Kontakt zu Blume erklärte er, es habe "im Oktober 2021 lediglich ein kurzes Telefonat zwischen Herrn Blume und Herrn Lindner zu Fragen der Verwendung von E-Fuels" gegeben.

Ende Juni hatte es innerhalb der Ampel-Koalition Streit über ein mögliches Verbot der Neuzulassung von Verbrennerautos ab 2035 auf EU-Ebene gegeben. Lindner hatte die Verbotspläne abgelehnt. Die FDP erklärte, vor dieser Entscheidung habe es "keinerlei Kontakt in der Sache mit Herrn Blume" gegeben.

Oliver Blume: Wer ist der künftige Boss von VW und Porsche?

An der Rückendeckung der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch mangelt es dem neuen VW-Boss nicht. "Oliver Blume genießt seit vielen Jahren unser ausdrückliches Vertrauen", erklärten die Familiensprecher Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch am Freitag in einer Mitteilung der VW-Dachholding Porsche SE. "Wir sind überzeugt, dass er die erfolgreiche Entwicklung des Volkswagen-Konzerns fortsetzen und die dafür erforderlichen Maßnahmen kraftvoll umsetzen wird."

Für Blume ist der neue Job in Wolfsburg auch eine Rückkehr in die niedersächsische Heimat. Von seinem Arbeitsplatz in Wolfsburg wird es der Manager nicht weit in seine Geburtsstadt Braunschweig haben.

Der 54-Jährige machte in Braunschweig Abitur und studierte dort an der Technischen Universität Maschinenbau - in dem Fach promovierte er auch. Den VW-Konzern mitsamt seinen verschiedenen Marken kennt Blume bestens. Als Trainee startete er 1994 bei Audi, wo er sich hocharbeitete. Nach einer Station bei Seat landete er 2009 als Leiter der Produktionsplanung bei der Marke Volkswagen. 2013 wurde Blume als Vorstand zur Sportwagentochter Porsche nach Stuttgart berufen. Dort verantwortete er zunächst die Bereiche Produktion und Logistik, ehe er 2015 Vorstandsvorsitzender wurde.

Blume führt Porsche regelmäßig in die Gewinnzone

Blume richtete Porsche früh auf die Elektromobilität aus und verplante dafür Milliarden, lieferte aber zuverlässig weiter Gewinne ab - Porsche gehört zu den renditestärksten Marken im Konzern. Der Elektrosportwagen Taycan kam vergleichsweise früh auf den Markt.

Den problematischen Dieselantrieb strich Blume ganz aus dem Programm. 2030 will der Sportwagenbauer 80 Prozent seiner Autos als reine Batteriemodelle verkaufen. Bei der Software für die künftigen Autos ließ sich Blume jüngst nicht in das VW-Konzernkorsett zwingen, damit neue Modelle mit eigens weiterentwickelter Software früher auf den Markt kommen können.

In diesem Jahr soll der Sportwagenbauer an die Börse gehen - und in Teilen auch wieder direkt in die Hände der Eigentümerfamilien. Es könnte einer der größten Börsengänge der jüngeren Zeit in Deutschland werden. (hub/dpa/afp)

Christian Lindner

Lindner will trotz Entlastungen an Schuldenbremse festhalten

Finanzministerminister Christian Lindner will trotz der für Anfang kommenden Jahres geplanten Entlastungen der Verbraucher an der Schuldenbremse festhalten. Das sagte er der dpa.(Bildquelle: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)
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