Zum bundesweiten Start der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie haben Arbeitnehmer und Arbeitgeber ihre stark unterschiedlichen Positionen noch einmal klargemacht - es deuten sich nun komplizierte und längere Verhandlungen an.

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Der niedersächsische IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger bekräftigte am Montag kurz vor Beginn der Gespräche in Hannover die Entgeltforderung der Gewerkschaft: "Acht Prozent, das ist machbar, und das passt in die Zeit." Der Chef des Verbands Niedersachsen-Metall, Volker Schmidt, hielt dagegen, derartige Lohnerhöhungen würden angesichts ausufernder Energie- und Rohstoffkosten die Existenz vieler Firmen gefährden.

Im Laufe des Nachmittags wollten sich beide Seiten zum ersten Durchgang ihrer Beratungen zurückziehen. Die Region Niedersachsen/Sachsen-Anhalt macht diesmal den Auftakt der Metall-Tarifrunde. Insgesamt geht es um die Arbeitsbedingungen von fast vier Millionen Menschen in der deutschen Kernbranche.

"Uns ist wichtig, dass wir nachhaltige Entgeltsteigerungen haben", sagte Gröger zum vorrangigen Ziel der Gewerkschaft, die Kaufkraft der Beschäftigten inmitten der rasanten Inflation zu stabilisieren. Reine Einmalzahlungen sieht er skeptisch: Solche wären wohl "schnell aufgebraucht, die Preise aber bleiben hoch". Vor dem Verhandlungsort versammelten sich viele Gewerkschaftsmitglieder und untermauerten ihre Erwartungen mit Fahnen, Transparenten und Trillerpfeifen.

Schmidt verlangte von der IG Metall, sich auf eine sachliche Debatte über das derzeit Leistbare einzulassen. Acht Prozent mehr Lohn in den dauerhaften Entgelttabellen wären "aus der Zeit gefallen", meinte der Arbeitgeberchef. Er könne verstehen, dass ein Ausgleich für die Inflation gefordert werde. "Aber das würde in dieser Höhe für viele Unternehmen das Aus bedeuten. Wir reden ja auch von Rettungsschirmen und Insolvenzwellen. Jetzt ist vor allem Pragmatismus gefragt."  © dpa