Griechenland vor der Staatspleite zu bewahren, das ist das Ziel der EU seit fast vier Jahren. Infrastruktur- und Umweltprojekte im Wert von dreistelligen Millionenbeträgen sollen das Land nach vorne bringen. Doch die ARD-Reportage "Griechisches Roulette" zeigt das Gegenteil und belegt mit drastischen Beispielen die Verschwendung von Steuermillionen.

Die Politiker in Athen und Europa verbreiten stets Optimismus und verweisen auf minimale Erfolge und ein erwartetes Wachstum nach vier Jahre tiefer Rezession. Die Realität hinter solchen Botschaften sieht jedoch anders aus. Die ARD-Dokumentation "Griechisches Roulette" ist mit Hilfe griechischer Kollegen der Frage nachgegangen, warum die von der EU geforderten Strukturreformen nur schleppend vorankommen.

EU-Projekt spaltet Region

Neben den Milliardenhilfen für den griechischen Staatshaushalt versucht die EU, die Infrastruktur und den Umweltschutz in den Regionen zu verbessern. Ein trocken gelegtes Ackerland in der Region Thessalien soll für über 250 Millionen Euro bewässert werden, um die Region mit Trinkwasser zu versorgen, den Umwelttourismus anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen. Das Problem: Die Bauern benötigen das eh schon geringe Grundwasser zur Versorgung der Landwirtschaft. Wie also soll damit eine ganze Region täglich mit Trinkwasser versorgt werden? Ein solches Projekt, das die Region spaltet, zu Streit und Ärger führt und dessen Umsetzung unmöglich scheint, wird zu Dreivierteln von europäischen Steuerzahler finanziert.

Verschwendete Steuer-Millionen

In Brüssel hat man von Projekten wie diesen und den Problemen bei deren Umsetzung häufig keine Ahnung. Laut der TV-Doku erhält Brüssel bei verschiedenen griechischen Projekten im Wert von über 700 Millionen Euro keine Fortschrittsberichte. Kanäle ersticken im Müll, der als Trinkwasser-Reservoir vorgesehene See ist hochgiftig verseucht, Bauern streiten mit Bürgermeistern und Gouverneuren um die Verantwortlichkeit. Die EU pumpt immer noch große Summen in Schildbürger-Projekte, die nie fertig zu werden scheinen. Umsetzen sollen es die Griechen alleine, die EU-Bürokraten sind weit weg. Zugleich umgehen laut den Reportern Griechenlands Superreiche ihre Steuerpflicht, in dem sie ihre Millionen in der Schweiz verstecken.

Wer ist Schuld an diesem Chaos? Das Fazit der ARD-Journalisten: Die alte Machtelite Griechenlands bremst die von der EU geforderten Reformen aus, obwohl sie auf dem Papier bereits beschlossen sind, Behörden halten Informationen zurück und im griechischen Parlament sitzen korrupte Politiker. Die Zweifel bleiben, ob Griechenland wirklich auf dem richtigen Weg ist. (frei)