Die Luft wird dünner und dünner: Das griechische Schuldendrama nähert sich unaufhörlich seinem letzten Akt - und für Athen sieht es nicht gut aus. Der Vermittlungsversuch von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker ist gescheitert. Der griechische Staatsbankrott scheint unausweichlich. Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis sieht nur noch eine Möglichkeit für sein gebeuteltes Land: den Schuldenerlass.

Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis dringt in der festgefahrenen Schuldenkrise auf einen Schuldenerlass. Sein Land brauche eine Umschuldung, sagte Varoufakis der "Bild" vom Montag. "Nur so können wir die Rückzahlung von so viel Schulden wie möglich garantieren und auch leisten." Er würde sofort "Ja" sagen und auf weitere Hilfsgelder verzichten, wenn die internationalen Gläubiger einen Schuldenschnitt anbieten würden. "Wir wollen ja auch kein weiteres Geld. Deutschland und der Rest der Eurozone haben uns doch schon zu viel Geld gegeben - und zwar gehörig! Wir wollen keinen Cent für Löhne und Renten und Schuldentilgung", erklärte Varoufakis der "Bild".

Bei Jauch diskutieren die Gäste über den Euro-Ausstieg Griechenlands.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) wolle eine Umschuldung. Außerdem benötige Griechenland "eine Streckung der Laufzeiten", sagte Varoufakis.

Den "Grexit" als "sinnvolle Lösung", schloss Varoufakis hingegen aus. Das Sparprogramm, das Griechenlands Gläubiger vor fünf Jahren eingeführt hatten, bezeichnete er als "Fehler". Nun führe kein Weg daran vorbei: "Wir müssen bei dem Rettungs-Programm ganz von vorne anfangen, Tabula rasa machen!"

Vermittlungsversuch scheitert

Ein Vermittlungsversuch von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker in der Krise war am Sonntag abgebrochen worden. Begründet wurde dies mit deutlichen Differenzen zwischen Geldgebern und der Regierung in Athen. Am 30. Juni läuft das bereits zwei Mal verlängerte Hilfsprogramm für Griechenland auf europäischer Seite aus. Ohne Einigung droht Griechenland der Staatsbankrott.

IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard forderte Bewegung von Athen und den europäischen Geldgebern ein. Einer Lösung der Krise gingen harte Entscheidungen und Verpflichtungen voraus, schrieb er am Sonntag im IWF-Blog. Die griechische Regierung mahnte Blanchard zu einer Reform des Mehrwertsteuer- und Rentensystems an. Auch die Europäer rief er zu Zugeständnissen auf. Am 30. Juni muss Athen rund 1,6 Milliarden Euro an den IWF zurückzahlen.

(dpa/ska)