Gerade erst hat Wolfgang Schäuble erneut ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone ins Gespräch gebracht - und sich den Ärger von Regierungschefin Angela Merkel zugezogen. Nun denkt er in einem Interview laut darüber nach, bei noch mehr Gegenwind zurückzutreten.

Im Streit mit Kanzlerin Angela Merkel um die Griechenlandrettung ist Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble im äußersten Fall zum Rücktritt bereit. "Politiker haben ihre Verantwortung aus ihren Ämtern", sagte er dem Nachrichten-Magazin "Der Spiegel". Niemand könne sie zwingen, gegen ihre Überzeugungen zu handeln.

Wolfgang Schäuble - wer ist dieser Mann, der ganz Europa spaltet?

"Wenn das jemand versuchen würde, könnte ich zum Bundespräsidenten gehen und um meine Entlassung bitten", sagte Schäuble. In dem Gespräch räumte er ein, dass Merkel und er in den vergangenen Wochen bei der Rettung Griechenlands unterschiedliche Auffassungen vertreten hätten. "Es gehört zur Demokratie, dass man auch einmal unterschiedliche Meinungen hat", sagte er.

Heftig kritisierte Schäuble den SPD-Vorsitzenden und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der bestritten hatte, Schäubles Plänen für eine fünfjährige Euroauszeit Griechenlands zugestimmt zu haben. "Jede Partei hat ihre Probleme", sagte Schäuble, in einer Koalition nehme man aber Rücksicht aufeinander. "Man sollte eigene Probleme nicht durch unzutreffende Behauptungen über andere lösen wollen."

Am Freitag hatte der Bundestag die neuen Milliardenhilfen für Griechenland abgesegnet. Auch aus ihrer eigenen Partei wehte Angela Merkel allerdings ein scharfer Wind entgegen: 60 Unionsmitglieder stellten sich gegen die Kanzlerin. (ank)