In dieser Woche beraten die Euro-Finanzminister erneut über die Griechenland-Krise. Ganz Europa hofft, dass es nach der monatelangen Hängepartie endlich eine zu einer Einigung zwischen Athen und seinen Gläubigern kommt. Doch kurz vor den entscheidenden Verhandlungen diesen Mittwoch droht neuer Ärger. Offenbar ist jetzt ein Streit unter den Geldgebern entbrannt.

Nach dem Krisen-Gipfel am Montag wollen sich die Finanzminister an diesem Mittwoch (19:00 Uhr) auf die Verlängerung des Hilfsprogramms für Griechenland einigen. Voraussetzung für die Auszahlung neuer Milliardenhilfen an das pleitebedrohte Land aber sind Reformzusagen aus Athen. Diese hat Alexis Tsipras nun am Montag vorgelegt. Nach Worten von EU-Vizekommissionschef Valdis Dombrovskis stimmt das in groben Zügen mit den Vorstellungen der Institutionen überein. "Mit diesem Vorschlag ist eine Vereinbarung möglich, wenn beide Seiten ernsthaft in den nächsten ein oder zwei Tagen arbeiten", sagte der Lette.

Doch gehen die Bewertungen der Vorschläge aus Griechenland offenbar weit auseinander. Wie "Sueddeutsche.de" berichtet, ist unter den Geldgebern ein Streit über die Konditionen einer Rettung entbrannt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) werfe der EU-Kommission vor, eine mögliche Einigung mit Athen zu verwässern. Der IWF soll unzufrieden mit der Liste sein, während EU-Kommission und Euro-Gruppe sie grundsätzlich begrüßten.

Konkret werfe der IWF der EU-Kommission vor, sie sei zu nachgiebig. Man orientiere sich an den Vorstellungen Athens, als an dem Papier – so der Vorwurf.

Tsipras nach Brüssel gereist

Die Haltung des Fonds stößt in EU-Kreisen auf Kritik. "Der IWF scheint an einem Deal nicht interessiert zu sein", zitiert "Süddeutsche.de" einen EU-Diplomaten. Der Währungsfond spiele mit dem Feuer.

Kurz vor dem Krisen-Gipfel am Montagabend hatte Alexis Tsipras neue Vorschläge zur Lösung des Schuldenstreits vorgelegt. Steuererhöhungen sind dabei und Einsparungen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen nach Angaben aus Athener Regierungskreisen in den kommenden eineinhalb Jahren fast 7,9 Milliarden Euro einbringen, allein im zweiten Halbjahr 2015 knapp 2,7 Milliarden.

Notwendig sei ein umfassendes Programm, das Griechenland wirtschaftlich "lebensfähig" mache, forderte Tsipras. Vor allem verlangte er eine Umstrukturierung der Schulden: eine Verlängerung der Zahlungsfrist und eine Umschichtung von 27 Milliarden Euro Schulden von der EZB auf den europäischen Stabilitätsmechanismus ESM. Für die Finanzminister kam die Liste spät, der Sondergipfel am Montag brachte keine Einigung. Weitere Treffen sind anberaumt – unter anderem an diesem Mittwoch.

Alexis Tsipras ist unterdessen überraschend nach Brüssel gereist. Nach Angaben seines Büros will er dort die Spitzenvertreter der Geldgeber treffen. Es wurden keine weiteren Details genannt. (far / dpa)