Gianis Varoufakis ist kein Politiker der leisen Töne. Das beweist der ehemalige griechische Finanzminister auch nach seinem Abgang im Kabinett. Der Politiker zieht weiter über die Geldgeber Griechenlands her. In einem CNN-Interview attackiert er die "sehr mächtige Troika". Überraschend aber ist: Varoufakis räumt diesmal Fehler ein.

Im Tauziehen um die Griechenland-Rettung attackierte Gianis Varoufakis immer wieder die Gläubiger. Für die scheinbar niemals enden wollende Krise machte er vor allem andere verantwortlich. Besonders Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bekommt sein Fett weg. Schäuble wolle die gesamte Eurozone seinem Diktat unterwerfen, schrieb Varoufakis erst kürzlich in einem Kommentar für die britische Tageszeitung "The Guardian". Jetzt legt der Politiker nach:

In einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN über die Griechenland-Krise konnte Moderatorin Christiane Amanpour Varoufakis zunächst einsichtiger Töne entlocken. So gestand der ehemalige griechische Finanzminister zunächst ein: "Wir haben Fehler gemacht, daran gibt es keinen Zweifel". Für eine Politik, aufgrund derer er zurückgetreten sei, wolle er aber keine Verantwortung übernehmen.

Wahlversprechen nicht eingehalten: Für die Griechen geht es weiter bergab.

Die CNN-Anchorwoman hakte nach: "Glauben Sie, dass Sie etwas vermasselt haben?" Nach einem Innehalten antwortete Varoufakis: "Es gab Fehler, natürlich. Man muss schon sehr eigensinnig sein, um zu sagen, dass man überhaupt keine Fehler gemacht hat – vor allem in einer fünfmonatigen Zeit mit Extremen." Offen ließ er allerdings, welche Fehler er meinte.

Gianis Varoufakis sieht Hauptschuld bei Troika

Gleich danach kam Varoufakis wieder auf den seiner Meinung nach Schuldigen zu sprechen. "Aber der Kern der Sache, Christiane, ist", sagte er der CNN-Moderatorin, "dass die sehr mächtige Troika der Gläubiger nicht daran interessiert war, zu einer vernünftigen, ehrlichen und für beide Seiten nutzbringenden Übereinkunft zu kommen."

Wolfgang Schäuble - wer ist dieser Mann, der ganz Europa spaltet?

In Wahrheit seien die Geldgeber viel mehr daran interessiert gewesen, "die Regierung zu demütigen und abzusetzen oder zumindest sicherzugehen, dass sie über die eigene Politik stolpert und sich selber zu Fall bringt." Diesbezüglich machte Varoufakis dann klar, dass er als Finanzminister zurückgetreten sei und nicht entlassen wurde.

Bezugnehmend auf das Referendum sagte Varoufakis, dass ihm klar gewesen sei, dass die Regierung in der Nacht Richtung "Ja" tendierte. Für Alexis Tripras habe er zwar Verständnis. Er habe vor der Entscheidung gestanden, "Selbstmord zu begehen oder hingerichtet zu werden". Doch an einen Erfolg der Reformen zweifelt Varoufakis. Über das dritte Hilfsprogramm denke er ähnlich wie Paul Krugman, der CNN sagte, die neuen Bedingungen seien noch schlimmer. Krugman bezeichnete Griechenland als hoffnungslosen Fall. Griechenland habe sich "deutlich schlechtere Bedingungen" eingehandelt. "Das ist natürlich ein Schock."

"Hilfsprogramm zum Scheitern verurteilt"

"Dieses Programm ist zum Scheitern verurteilt, wer auch immer es umsetzt", sagte Varoufakis. Er war vor knapp zwei Wochen zurückgetreten, nachdem die Griechen sich in einem Referendum gegen zusätzliche Sparmaßnahmen ausgesprochen. Tsipras vollzog nach der Volksabstimmung eine Kehrtwende und stimmte solchen Auflagen doch zu. Nach der Umbildung des Kabinetts übernahm Panos Skourletis das wichtige Ministerium für Umwelt und Energie, das zahlreiche Privatisierungen vornehmen muss. Skourletis war zuvor Tsipras' Mitarbeiter. Finanzminister bleibt Euklid Tsakalotos. Auch Außenminister Nikos Kotzias behält sein Amt.

Das dritte Hilfspaket dürfte erst in einigen Wochen stehen. Angestrebt wird bisher eine Einigung bis Mitte August. Damit Griechenland nicht schon vorher in die Pleite rutscht, bekommt es einen Notkredit von rund sieben Milliarden Euro aus dem EU-Rettungstopf EFSM. Diese Brückenfinanzierung soll Athen helfen, an diesem Montag Schulden an die Europäische Zentralbank (EZB) zurückzahlen zu können. 3,5 Milliarden Euro werden dann fällig. (far/ mit dpa)