• Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) plädiert angesichts der Energiekrise für eine längere Laufzeit eines Atomkraftwerks in Bayern.
  • Der Stadtrat habe ihn dazu aufgefordert, sich bei der Bundesregierung dafür einzusetzen.
  • Aktuell gibt es eine hitzige Debatte über eine mögliche Laufzeitverlängerung für die letzten drei deutschen AKWs.

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Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) plädiert angesichts der Energiekrise für eine längere Laufzeit des Atomkraftwerks Isar 2. Der Aufsichtsrat der Stadtwerke habe ihn am Donnerstag aufgefordert, bei der Bundesregierung die gesetzlichen Voraussetzungen für einen sogenannten Streckbetrieb einzufordern, teilte der SPD-Politiker mit. Damit könnte der Meiler mit den bestehenden Brennelementen noch bis längstens Mitte kommenden Jahres weiterlaufen. Ein Betrieb darüber hinaus kommt für Reiter nicht infrage.

Vonseiten der Union wurde der Vorschlag abgelehnt. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte bei einer Klausurtagung im oberfränkischen Kloster Banz, ein Streckbetrieb würde keine Vergrößerung der gewonnenen Strommenge bedeuten – und sei damit nutzlos. CDU-Chef Friedrich Merz sagte, der Streckbetrieb mache nur dann Sinn, wenn die gewonnene Zeit dazu genutzt werde, über den Winter neue Brennelemente für eine verlängerte Laufzeit zu beschaffen.

Münchens OB Dieter Reiter will AKW Isar II länger laufen lassen

Frankreich gelinge es, Brennstäbe für mehr als 50 Kernkraftwerke zu besorgen, so Merz. Die Frage sei, ob Deutschland dies für drei Anlagen gelänge. "Technisch geht es, juristisch ist es möglich, politisch muss es gewollt werden", sagte der Politiker weiter. "Ob mit oder ohne Streckbetrieb ehrlich gesagt ist mir wurscht. Die Dinger müssen weiterlaufen." Auch FDP-Fraktionschef Christian Dürr äußerte sich kürzlich ähnlich.

Isar 2 ist eines von drei noch in Betrieb befindlichen Atomkraftwerken in Deutschland. Zum Jahresende sollen sie vom Netz gehen. Derzeit wird heftig darüber debattiert, sie wegen der angespannten Energiesituation länger laufen zu lassen. Neben der Union macht sich auch die FDP dafür stark. Deren Koalitionspartner SPD und Grüne lehnen dies ab. Das Bundeswirtschaftsministerium will allerdings in einem weiteren Stresstest die Stromversorgung unter verschärften Bedingungen prüfen.

Kritik an Einstuftung von Gas- und Atomkraft als "klimafreundlich"

Zuletzt hatte das Europaparlament entschieden, dass Gas- und Atomkraftwerke unter bestimmten Bedingungen als klimafreundlich eingestuft werden sollen. Die Regelung kann noch verhindert werden, doch das gilt als ausgeschlossen. Umweltverbände kritisierten den Vorgang als "Greenwashing" , auch viele Europaabgeordnete sind dagegen.

Verschiedenen Fachleuten zufolge ist Atomkraft zudem keine Hilfe im Kampf gegen die Klimakrise. Der namhafte Energie-Experte Volker Quaschning sieht darüber hinaus auch technische Hürden bei einer Verlängerung der Laufzeit der verbliebenen Kraftwerke. (dpa/okb)