In ganz Polen haben Tausende Bauern gegen die EU-Umweltpolitik und gegen den Zustrom von billigem Getreide aus der Ukraine protestiert.

Mehr News zum Thema Wirtschaft

Laut Berichten der Medien behinderten die Landwirte den Verkehr auf zahlreichen Straßen und in vielen Ortschaften mit langsam fahrenden Traktoren. Die Bauerngewerkschaft Solidarnosc listete in einer Übersicht über 260 geplante Protestaktionen auf. Laut ukrainischen Angaben blockierten demonstrierende Bauern auch den Übergang Medyka-Schegyni an der Grenze zur Ukraine.

Protestiert wurde gegen die Pläne der EU in der Umwelt- und Klimapolitik, die unter anderem unter dem Schlagwort Green Deal (Grüner Deal) zusammengefasst sind. Die Landwirte in Polen und anderen Ländern fänden sie zu radikal, bürokratisch und für die Landwirtschaft schädlich, erklärte Vizeagrarminister Adam Nowak laut der Agentur PAP. Bei einem Auftritt vor Protestierenden in Sieradz in Zentralpolen versuchte er, dem Protest die Spitze zu nehmen, und sagte, dass es sich nicht um einen Protest gegen die Regierung handele. "Das Landwirtschaftsministerium unterstützt diese Forderungen inhaltlich und vertritt sie auf der europäischen Bühne."

Polens Landwirte befürchten ukrainische Billig-Importe

Der polnische Kommissar Janusz Wojciechowski ist in Brüssel für die Agrarpolitik der EU verantwortlich. Er wurde noch von der ehemaligen nationalkonservativen PiS-Regierung ernannt. Wladyslaw Kosiniak-Kamysz, Vizeregierungschef und Vertreter der Bauernpartei PSL in der neuen Mitte-Linksregierung, fordert den Rücktritt des Kommissars. PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski hat ebenfalls angekündigt, dass er Wojciechowksi bitten wolle, sein Amt niederzulegen.

Zwar ist Polen politisch und militärisch ein wichtiger Unterstützer der Ukraine im Konflikt mit Russland, dennoch haben die polnischen Bauern Bedenken hinsichtlich günstiger Importe von Getreide und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus dem Nachbarland. Polen ist ein wichtiger Absatzmarkt für die ukrainische Landwirtschaft. Es fungiert jedoch auch als Transitland für den Export von Getreide auf den Weltmarkt. Der Schiffsexport über das Schwarze Meer verläuft aufgrund des russischen Angriffskriegs nur mit Unsicherheiten.

"Die Landwirte erwarten zu Recht, dass der übermäßige Zustrom von Waren aus der Ukraine, aber auch aus anderen außereuropäischen Märkten in den EU-Raum, insbesondere nach Polen, begrenzt wird", erklärte Landwirtschaftsminister Czeslaw Siekierski.

Laut Schätzungen der Polizei waren in der westpolnischen Stadt Poznan (Posen) ungefähr 1400 landwirtschaftliche Fahrzeuge auf den Straßen. In Krakau wurden einige Dutzend Fahrzeuge gezählt. Es gebe Verkehrsbehinderungen, aber der Verkehr sei nicht zum Stillstand gekommen. Die Bauernproteste sollen 30 Tage andauern.   © dpa/bearbeitet durch ella

JTI zertifiziert JTI zertifiziert

"So arbeitet die Redaktion" informiert Sie, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte stammen. Bei der Berichterstattung halten wir uns an die Richtlinien der Journalism Trust Initiative.