• Ein neues ZDF-Porträt erinnert an Höhepunkte und Krisen von Roland Kaiser.
  • In "Mensch Roland Kaiser!" kommen auch Zeitzeugen und alte Wegbegleiter zu Wort.
  • Im Mai 2022 feiert der Schlagerstar seinen 70. Geburtstag.

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Er sei für sie immer noch "der Mann im weißen Anzug, bei dem die Frauen dahinschmelzen", schwärmt Maite Kelly. An anderer Stelle erklärt ein (männlicher) Fan aus Berlin: "Ick find die Musik einfach geil. Stimmung und Musik, einfach Bombe."

Schlager-Gentleman im 2.000-Euro-Anzug und Stimmungskanone: Roland Kaiser steht für beides und für noch viel mehr. Das "ZDFzeit"-Porträt "Mensch Roland Kaiser! Vom Findelkind zur Kultfigur" blickte am Dienstagabend ausführlich zurück auf Kaisers Karriere und eröffnet neue Perspektiven: Neben dem Schlagerstar selbst, der seit inzwischen 50 Jahren auf der Bühne steht, kommen auch Zeitzeugen und alte Weggefährten zu Wort.

"Vom Findelkind zur Kultfigur", der Titel ist durchaus nicht übertrieben. Von seiner leiblichen Mutter wurde Ronald Keiler, wie er bürgerlich heißt, als Baby vor einem Berliner Nonnen-Stift abgelegt. Keiler kam bei einer alleinerziehenden Pflegemutter unter - einer Reinigungskraft, die ihm trotz großer Entbehrungen viel mit auf den Weg gab.

Der Sänger erinnert sich: "Eine sehr liebevolle, geradlinige, ehrliche Frau, die mir die Werte von Recht und Unrecht vermittelt hat." 1967, da war Ronald Keiler 15, starb seine Adoptivmutter Ella Oertel an den Folgen eines Schlaganfalls.

Roland Kaiser sabotierte den Musikunterricht

Keiler, während seiner Jugend in Berlin-Wedding mehr Querulant als Musterschüler, hatte mit der Musik zunächst wenig am Hut. Die Familien-Feiern, bei denen viel Schlager lief, hätten bei ihm eine "Schunkel- und Polonaise-Phobie" ausgelöst.

Den Musikunterricht, wo hauptsächlich Volkstümliches gespielt wurde, sabotierte er mit vorsätzlich schiefem Gesang. Der Musiklehrer, so erinnert sich Kaiser im 45-minütigen Film von Anne Kauth, schmiss ihn irgendwann raus. "Damit war Musikunterricht für mich eine der schönsten Unterrichtsformen, weil ich frei hatte."

Dass er dann doch Sänger wurde, ist eine dieser unwahrscheinlichen Wendungen, wie sie typisch sind für Roland Kaiser. Im Scherz mit Freunden posaunte er einmal, es mindestens so gut zu können wie diese Typen in der "ZDF Hitparade" - drei Minuten singen, ohne umzufallen, was ist schon dabei?

Wenig später stand der damalige Automobilkaufmann für Probeaufnahmen in einem Studio. "My Way", "In The Ghetto", Neil Diamonds "Beautiful Noise" - das war die Musik, die ihm vorschwebte. Die Leute im Studio hatten andere musikalische Pläne, sahen in ihm den perfekten Schlagermusiker und die Dinge nahmen ihren Lauf.

"Wär gut, ein bisschen abzunehmen"

Produzent Gerhard Kämpfe erinnert sich in "Mensch Roland Kaiser!", dass man "optisch ein paar Dinge ändern" musste. "Wär gut, ein bisschen abzunehmen." Aus Ronald Keiler wurde Roland Kaiser, "das fließt besser im Deutschen". Und nach ein paar ersten Auftritten, die offenbar immer noch nicht so aussahen, wie man sich das vorstellte, passte Roland Kaiser dann auch seine Garderobe an.

Ein Regisseur habe ihm gesagt, er solle sich vernünftige neue Klamotten besorgen, erinnert sich der Sänger. "Dann kam ich auf die Idee, Anzüge anzuziehen. Dann bist du raus aus der Nummer, dann kann dir nichts passieren. Was will er da sagen? Ist halt Krawatte und ein Anzug, ne?"

Heute, knapp fünf Jahrzehnte später, kann man sich Kaiser ohne den maßgeschneiderten Dreiteiler gar nicht mehr vorstellen.

Roland Kaiser konnte "Verführungen" nicht widerstehen

Der stilvolle, reife Gentleman, den er heute verkörpert - damals in den späten 70-ern und frühen 80-ern war er noch weit weg. Kaisers Hits, etwa "Santa Maria" (1980), wurden seinerzeit oft als zweideutig, bisweilen auch als etwas anzüglich wahrgenommen. Und die Fans, vor allem die weiblichen, liebten seinen ganz speziellen Charme. Im Film berichtet eine Frau davon, wie Kaiser einmal bei einem Treffen ihre Finger streifte. Sie habe ihre Hand danach drei Tage lang nicht gewaschen.

"Man muss es sich nicht so vorstellen, dass plötzlich zehn nackte Frauen vor der Tür standen", sagt Kaiser heute. Mit Blick auf damals stellt Gerhard Kämpfe aber doch fest, dass Kaiser zeitweise schon "ein wilder Hund" gewesen sei. Man habe "das Leben geliebt, in jeder Beziehung", erinnert sich der Produzent vielsagend. "Gewisse Umstände in dem Geschäft machten gewisse Dinge auch verhältnismäßig leicht."

Zwei gescheiterte Ehen hat Roland Kaiser hinter sich, auch das ist Thema in dem neuen ZDF-Film. Zum Zeitpunkt der ersten (mit Ehefrau Christina), die von 1980 bis 1990 hielt, sei er noch ein "unsteter Mensch" gewesen, der "Verführungen" nicht habe widerstehen können.

Die zweite, von 1990 bis 1995 mit Anna Schüte, wurde durch seine Arbeitswut gekillt. Im dritten Anlauf hat es dann aber endlich geklappt mit der Liebe. Seit 1996 ist Kaiser mit seiner Silvia verheiratet, die ihn bei vielen Auftritten begleitet und eine "Hauptrolle" in seinem Leben spielt, wie der Sänger betont. Die beiden haben zwei gemeinsame Kinder. "Wir sind ein gutes Team."

Kaiser: "Trinkt er? Wo ist die Kraft hin, warum sieht er so krank aus?"

Auch bei der Bewältigung seiner bislang schwersten Krise spielte Ehefrau Silvia eine wichtige Rolle, wie Roland Kaiser berichtet. Im Jahr 2000 wurde bei dem Sänger die unheilbare Lungenkrankheit COPD diagnostiziert. Kaiser trat zunächst trotzdem weiter auf und wollte sich nichts anmerken lassen.

Silvia bearbeitete ihn immer wieder, seine Erkrankung öffentlich zu machen. Irgendwann hörte er dann. "Meine Frau hat gesagt: Es ist nicht klug, was du machst. Denn die Leute spekulieren. Nimmt er was? Trinkt er? Wo ist die Kraft hin, warum sieht er so krank aus?"

Nach zehn Jahren, in denen es mit Kaisers Gesundheit immer weiter bergab gegangen war, zog er 2010 schließlich die Notbremse und begab sich in medizinische Behandlung. In einer fünfstündigen Operation bekam Roland Kaiser eine neue Lunge. Damals war nicht klar, ob Kaiser es schaffen würde, und eine Rückkehr auf die Bühne erschien höchst unwahrscheinlich. Während der Transplantation, so erinnert sich einer der behandelnden Ärzte von damals, wurde eine Playlist mit Kaiser-Musik gespielt.

"So lange arbeiten, wie es möglich ist"

Und dann kam Kaiser, der unverbesserliche Optimist, doch wieder mit voller Kraft zurück und wurde endgültig zum "Kultstar". Nur acht Monate nach seiner Lungen-OP feierte der Sänger sein TV-Comeback. "Ich habe immer gesagt, ich komme wieder und werde wieder auf die Bühne gehen können."

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2014 landete Roland Kaiser im Duett mit Maite Kelly einen neuen Megahit ("Warum hast du nicht nein gesagt", 135 Millionen YouTube-Aufrufe); seit einigen Jahren richtet der Sänger in Dresden ein eigenes Festival aus - die "Kaisermania".

2020 und 2021 fiel die Konzertreihe aufgrund der Pandemie aus, 2022 sind dafür erstmals sechs "Kaisermania"-Auftritte hintereinander geplant. Und neue Musik gibt es auch wieder - erst vor wenigen Wochen veröffentlichte Roland Kaiser sein neues Festtags-Album "Weihnachtszeit", das bis auf Platz drei in den Charts kletterte.

Es läuft beim Kaiser, der im Mai 2022 seinen 70. Geburtstag feiert, und wenn es nach ihm geht, darf es noch lange so weiterlaufen. "Meine Absicht ist, so lange arbeiten zu können, wie es möglich ist", erklärt er abschließend im Film. "Das ist ja auch ein Stück Lebensfreude." (tsch)  © 1&1 Mail & Media/teleschau