Würden Sie Günther Jauch einstellen? Vermutlich. Aber dann wohl eher aus Sympathie, denn mit dem Arbeitszeugnis, das ihm eine Kandidatin am Montagabend bei "Wer wird Millionär?" ausgestellt hat, wäre der Moderator wohl nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Sein Problem: Vorgesetzte und Klugscheißerei.

Christian Vock.
Eine Kritik
von Christian Vock

Man traut Günther Jauch ja so Einiges zu. Die meisten Menschen vermutlich, dass er mehr weiß, als er zugibt. Das mag natürlich an seinem zurückhaltenden Auftreten liegen, wahrscheinlich aber auch daran, dass er seit Jahren Moderator einer Quizshow ist und in dieser Rolle auch Verkünder der richtigen Antwort. Das könnte natürlich auf sein Image abfärben, auch wenn er die Antworten ja nur verkünden, nicht aber selbst wissen muss.

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Was aber definitiv auszuschließen ist, ist der Umstand, dass Günther Jauch in die Zukunft blicken kann – zumindest nicht mehr, als andere. Und trotzdem hat Jauch am Montagabend bei "Wer wird Millionär?" genau das versucht. Kandidatin Dagmar Gumnior sitzt dort auf seinem Ratestuhl und soll für 16.000 Euro folgende Frage beantworten: "Verdoppelt man die Kantenlänge eines Würfels, wird sein Volumen …?" Diese Antwortmöglichkeiten hat Gumnior zur Auswahl:

  • A: auch verdoppelt
  • B: vervierfacht
  • C: verachtfacht
  • D: versechzehnfacht

Günther Jauch: "Ich weiß genau, wie die Nummer endet"

Gumnior ist sich zuerst ziemlich sicher, dass sie die Antwort weiß: "Ich hab' Kinder im Homeschooling, ich kann das", behauptet die Mutter von zwei Zwillingspaaren selbstbewusst. Doch als Jauch ein bisschen nachbohrt, dämmert es Gumnior, dass ihre erste Vermutung, Antwort A, wohl doch nicht richtig ist. Und so fängt Gumnior, die in ihrem Berufsleben sonst Bewerbungen und Arbeitszeugnisse für ihre Auftraggeber schreibt, an zu rechnen.

Diese Zeit nutzt Günther Jauch, sucht sich eine Kamera und behauptet, während Gumnior im Hintergrund rechnet, in die Zukunft sehen zu können: "Ich weiß genau, wie die Nummer endet. Sie rechnet sich jetzt einen Wolf, es kommt nur Unsinn raus und dann nimmt sie am Ende natürlich doch 'nen Joker." Selbstverständlich hat das nichts mit plötzlichen hellseherischen Fähigkeiten zu tun, sondern vielmehr mit Jauchs Erfahrung.

Doch die kann der Moderator nun neu justieren, denn als Jauch zu Dagmar Gumnior zurückkehrt, ruft die Kandidatin "Es ist natürlich C!" Gumnior rechnet Jauch ihren Sinneswandel vor, was Jauch in die Bredouille bringt. "Wenn Sie das nehmen, sehe ich schlecht aus, weil ich gesagt hab': Sie kommen nie drauf und brauchen gleich einen Joker." Gumnior kommt ihm humorvoll entgegen: "Das tut mir jetzt total leid, aber vielleicht nehm' ich dann ganz bald bei der nächsten Frage noch einen."

"Wer wird Millionär?": Wer bekam eine Million Euro Entschädigung?

Das macht sie dann aber doch nicht, denn mit den sicheren 16.000 Euro in der Tasche kann Gumnior bei der nächsten Frage ein bisschen wagemutiger sein. Den Joker hätte sie auch gar nicht gebraucht, denn ihre Vermutung, dass "Glück ab, gut Land!" das Motto und die Grußformel der Ballonfahrer ist, ist vollkommen richtig.

Anders sieht es hingegen bei der 32.000-Euro-Frage aus. Hier will Jauch wissen: "Wem wurde 2017 für die Verletzung der Persönlichkeitsrechte die Rekordsumme von einer Million Euro Entschädigung zugesprochen?" Gumnior kann bei ihrer Antwort wählen aus …

  • A: Helmut Kohl
  • B: Jörg Kachelmann
  • C: Christian Wulff
  • D: Thomas Anders

Gumnior hat keine Ahnung und will sich mit dem Publikumsjoker absichern, doch der liefert ein unbefriedigendes Ergebnis. 20 Prozent des Studiopublikums entscheiden sich für A, 50 Prozent für B, 30 Prozent für C und niemand für D. "Oha, das ist nicht witzig", analysiert Jauch das Ergebnis, doch Dagmar Gumnior geht das Restrisiko ein und glaubt der Mehrheit der Stimmen – ein Fehler. Denn tatsächlich bekam Helmut Kohl die Rekordsumme zugesprochen und nicht Jörg Kachelmann.

Ein fiktives Arbeitszeugnis für Günther Jauch

Gumnior fällt damit auf 16.000 Euro zurück. Bei der einjährigen Weltreise, die sie mit ihrer Familie für den Sommer plant, dürfte die Summe aber trotzdem helfen, um von A nach B zu kommen. Doch bevor es losgehen kann, hat Dagmar Gumnior noch etwas für Günther Jauch vorbereitet – ein Arbeitszeugnis. Das erstellt Gumnior sonst beruflich für ihre Auftraggeber, hat aber nun aus freien Stücken eines für Günther Jauch geschrieben – ein fiktives freilich.

Jauch nimmt es trotzdem gerne und liest dem Zuschauer daraus vor, unter anderem diese Stelle: "Er verfügt über eine überzeugende Art, sein Wissen mit den Kollegen zu teilen und ist jederzeit um Verbesserungsvorschläge bemüht." Jauch befindet über seine Beurteilung: "Hört sich doch gut an." Doch Gumnior klärt den verdutzten Moderator auf, dass eine solche Passage in Personalabteilungen etwas anders interpretiert wird: "Das bedeutet: Sie sind ein Klugscheißer."

Verunsichert liest Jauch weiter: "Sein Verhalten gegenüber Kollegen, Mitarbeitern und Vorgesetzten ist vorbildlich." Auch hier glaubt Jauch, ein Lob erkannt zu haben, doch auch diesmal klärt ihn Gumnior auf: "Ganz schlimm. Sie haben ein Riesenproblem mit ihren Vorgesetzten. Sonst würden die an der ersten Stelle stehen."

So hat Jauch nicht nur einen kleinen Spaß mitgemacht, sondern auch noch ein bisschen was gelernt. Helfen wird ihm dieses neue Wissen aber wohl trotzdem nicht, denn dass sich Günther Jauch noch irgendwann einmal mit einem Arbeitszeugnis bewerben muss, ist eher unwahrscheinlich.

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