Der Nachfolger von Tom Buhrow steht fest: Thomas Roth wird neuer "Tagesthemen"-Moderator und beerbt damit ab 1. August den künftigen WDR-Intendanten Buhrow auf der Position des Anchormans. Eine große Überraschung ist es nicht, was die ARD-Intendanten in ihrer Sitzung am Dienstag in Mainz beschlossen haben - schließlich wurde der 61-Jährige in den Medien längst als Nachfolger gehandelt. Doch wer ist der Mann, der zumindest für die nächsten drei Jahre bald allabendlich die "Tagesthemen" präsentiert?

Thomas Roth soll die Nachfolge von Tom Buhrow in den Tagesthemen antreten. Nur offiziell bestätigen will die ARD das noch nicht. Am Sonntagabend nahm Günther Jauch die Entscheidung mehr oder weniger vorweg.

Thomas Roth galt von Anfang an als heißer Kandidat für die "Tagesthemen"-Moderation. Seit bekannt ist, dass Tom Buhrow seinen Platz als ARD-Anchorman räumt und neuer WDR-Intendant wird, wurde viel über seine Nachfolge spekuliert. Die Entscheidung für Thomas Roth ist nicht zuletzt aufgrund seiner journalistischen Erfahrung und langjährigen Mitarbeit bei der ARD keine wirkliche Überraschung.

Roth: Journalist, Redakteur und Moderator mit Auslandserfahrung

Nach seinem Anglistik- und Germanistik-Studium in Heidelberg absolvierte der gebürtige Heilbronner Anfang der 1980er Jahre ein Volontariat beim Süddeutschen Rundfunk. Dort moderierte er verschiedene Hörfunkprogramme, darunter die SDR 3-Jugendsendung "POINT".

1988, nur wenige Jahre nach Abschluss seiner journalistischen Ausbildung, schickte ihn die ARD als Auslandskorrespondent und Studioleiter nach Johannesburg, drei Jahre später nach Moskau. Mit Unterbrechungen – ab 1995 war Roth drei Jahre WDR-Hörfunkdirektor, ab 2002 fünf Jahre Chefredakteur des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin – verschlug es Roth immer wieder zurück nach Moskau. Insgesamt verbrachte der Journalist aus beruflichen Gründen fast zehn Jahre in Russland. In einem Interview mit "Planet-Wissen" lobte er vor allem die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen. "Ich habe in all den Jahren fast nur gute Erfahrungen gemacht - außer mit den Geheimdiensten natürlich", erzählte Roth. Im Dezember 2008 verließ er Moskau endgültig, um das ARD-Studio in New York zu übernehmen.

Zensur-Eklat nach Putin-Interview

Roths geradlinige Karriere blieb vor einem Eklat nicht verschont: Für ein Interview mit Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin im Jahr 2008 musste der Auslandskorrespondent heftige Kritik einstecken. Die ursprünglich 28-minütige Aufnahme wurde auf unter neun Minuten gekürzt und ohne Hinweis darauf ausgestrahlt. Putin empfand seine Aussagen in der gekürzten Fassung als nicht korrekt wiedergegeben, in der deutschen Öffentlichkeit entfachte das Interview eine Zensur-Debatte. Die ARD reagierte und veröffentlichte das komplette Interview einen Monat später auf der "Tagesschau"-Homepage und strahlte die Originalfassung im WDR aus.

Mit seiner Stelle als Leiter des ARD-Studios in New York sei Roth verschiedener Medienberichte zufolge "sehr zufrieden" gewesen. Die Gerüchte, Roth könnte sich die "Tagesthemen"-Moderation mit Kollege Ingo Zamperoni teilen und die Stelle in New York behalten, sind spätestens seit diesem Dienstag vom Tisch. Zamperoni, der bisher die Vertretung von Buhrow übernahm, wird den "Tagesthemen" auch weiterhin erhalten bleiben und sogar häufiger zum Einsatz kommen. Neben Caren Miosga, die seit sechs Jahren die ARD-Nachrichtensendung präsentiert, wird Thomas Roth für die nächsten drei Jahre und vier Monate Erster Moderator und muss – wohl oder übel – seinen Lebensmittelpunkt künftig von New York nach Hamburg verlagern. Nach Vertragsende hat Roth sein 65. Lebensjahr vollendet und könnte in Rente gehen. Ob er dem Fernsehen dann tatsächlich endgültig den Rücken kehrt, ist offen. (jwo)