• Im "Tatort: Hetzjagd" wird im Nazi-Milieu ermittelt, nachdem der Veranstalter des Konzerts "Rock gegen Rechts" getötet wurde.
  • Kommissarin Lena Odenthal fühlt sich mitschuldig am Tod des Mannes - denn ihm wurde polizeilicher Personenschutz verwehrt.
  • Warum kann die Polizei erst eingreifen, wenn es zu spät ist? Und warum spielt Clueso mit? Vier Fragen zum "Tatort" aus Ludwigshafen.
Eine Analyse
von Iris Alanyali

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Wie entstanden die "Rock gegen Rechts"-Konzerte?

Das erste "Rock gegen Rechts"-Festival fand 1979 auf dem Rebstockgelände in Frankfurt statt und war eine Reaktion auf ein "Deutschlandtreffen" der rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD). Das sollte am selben Tag stattfinden und hatte im Jahr zuvor zu einem Marsch von rund 3.000 NPD-Anhängern durch Frankfurt geführt.

Der Verein Rock gegen Rechts Düsseldorf beschreibt auf seiner Webseite die Anfänge, die auf eine Initiative des Sängers Udo Lindenberg zurückgehen: "'Wir müssen die rechten Ochsenköppe stoppen, deshalb sind wir hier', ruft Udo Lindenberg den 30.000 Musikfans entgegen, die sich am 16. Juni 1979 zum ersten Rock gegen Rechts-Festival in Frankfurt am Main versammelt haben. Von einem Bündnis aus Linken, Sozialdemokraten, Umweltschützern und Gewerkschaftsjugend als Gegenkundgebung ist das Rock-Festival bei den Behörden angemeldet worden."

Indem solche Konzerte als nicht-kommerzielle Gratisveranstaltungen angemeldet werden, fallen sie unter das Recht auf Versammlungsfreiheit und müssen zwar angekündigt, aber nicht genehmigt werden (solange die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet ist).

Wer steht unter Polizeischutz?

Tatsächlich ist es, wie im "Tatort" erwähnt und von der Kommissarin (Ulrike Folkerts) vergeblich versucht, äußerst schwierig, polizeilichen Personenschutz zu bekommen. Das liegt auch an dem Personalaufwand und den Kosten. Die Hürden, als Privatperson eine entsprechend hohe Gefährdung nachzuweisen, liegen hoch.

Fühlt sich eine Privatperson bedroht und ist auch die Polizei von ihrer potentiellen Gefährdung durch einen bestimmten Menschen überzeugt, kann diese aber eine sogenannte Gefährderansprache durchführen. Ein Gefährder ist eine Person, die – noch – keine Straftat begangen hat, aber unter dem starken Verdacht steht, eine solche zu planen.

Bei der Gefährderansprache handelt es sich um eine informelle, durch keine Gesetze geregelte Art der Warnung, die dem Gefährder zeigen soll, dass die Polizei ein Auge auf ihn oder sie hat und die Person über die rechtlichen Konsequenzen einer Straftat informiert.

Für den Personenschutz von Politikern ist das Bundeskriminalamt – auf Landesebene sind es die Landeskriminalämter – zuständig, aus Sicherheitsgründen geben sie aber nur wenige Angaben über ihre Arbeit preis. Laut Bericht des "Göttinger Tageblattes" über das bayerische LKA standen deutschlandweit 2019 "einige Dutzend Spitzenpolitiker" unter staatlichem Polizeischutz.

Der im "Tatort" bedrohte Konzertveranstalter Tillmann Meinecke hätte privaten Personenschutz engagieren können, also Bodyguards, die ab 45 Euro pro Stunde kosten.

Wieso spielt der Sänger Clueso im "Tatort" mit?

Thomas Hübner, der 1980 in Erfurt geboren wurde, legt seit den Anfängen seiner Karriere im Jahr 2000 als Clueso Wert auf aussagekräftige Texte und politisches Engagement. "Ich engagiere mich seit Jahren gegen Rechts, für mich gibt es, als in der Öffentlichkeit stehende Person, auch keine Alternative", erklärt der Sänger im Presseheft zum "Tatort".

"Wir müssen unsere Plattform nutzen, um auf Missstände aufmerksam zu machen, ich tue das vor allem über meine Kunst. Ich halte es aber für wichtig, gesprächsoffen zu sein. Die Gesellschaft spaltet sich immer weiter, wenn alle immer nur anti sind, ist der Graben bald unüberwindbar. Ich frage mich eher: Wie kann ich es besser machen? Wie finden wir wieder zueinander? Bei manchen scheint es aber leider schon zu spät. Von einigen Menschen und deren Positionen muss man sich dann klar abgrenzen."

Seit 2005 tourt Clueso regelmäßig als Botschafter des Goethe-Instituts durch die Welt. 2011 trat er beim Konzert "Rock 'n' Roll Arena in Jena" auf, das Udo Lindenberg als Reaktion auf die Enthüllungen der aus Jena stammenden Neonazi-Zelle NSU organisiert hatte.

Zuletzt gehörte Clueso nach den fremdenfeindlichen Krawallen 2018 in Chemnitz zu den Musikern, die dort ein Gratiskonzert gaben.

Regisseur Tom Bohn zeigt sich im Presseheft zu "Hetzjagd" angetan von dem Gastauftritt: "Clueso macht emotionale Musik mit sehr bewussten Texten. Ich fand ihn schon immer bemerkenswert. Deswegen habe ich mich sehr über den Vorschlag vom SWR gefreut, ihn doch einmal als Special Guest anzufragen. Der Dreh mit Clueso war klasse. Er war sehr gut vorbereitet, völlig unkompliziert und sehr kollegial."

Wie fand Clueso seinen Auftritt?

Der Popstar spielt in einer kurzen "Tatort"-Szene sich selbst während der Vorbereitungen zu einem Konzert gegen Rechts. Es war sein erster Auftritt als Schauspieler und der war nicht sehr groß. Dennoch fiel es dem bühnenerfahrenen Sänger nicht leicht: "Es war eine ganz schöne Herausforderung, Text auswendig zu lernen, den ich nicht selbst geschrieben habe. Ich habe ein paar Anläufe gebraucht und auch wenn ich mich selbst spiele, war die Situation doch gewöhnungsbedürftig – hat aber auch total Spaß gemacht."

Ein Schauspieler sei er deshalb aber noch lange nicht: "Musik ist und bleibt mein Leben. Aber der Tatort ist natürlich eine Institution, etwas, mit dem jeder aus meiner Generation und denen davor verbinden kann. Das war schon ein großer Reiz. Und meine Eltern finden das bestimmt spannender als meine TikTok-Videos."

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