• Der Hamburger "Tatort: Tödliche Flut" kreist ganz um die Insel Norderney und die Person der investigativen Journalistin Imke Leopold.
  • Sie glaubt, einem Korruptionsskandal auf Norderney auf die Spur gekommen zu sein und verlangt Hilfe von den Kommissaren Thorsten Falke und Julia Grosz.

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Wer ist die Darstellerin der Journalistin Imke Leopold?

Überzeugend gespielt wird die Figur, deren Leidenschaft an Fanatismus grenzt, von Franziska Hartmann. 1984 bei München geboren, studierte sie Schauspiel in Leipzig. In Hamburg, wo sie heute lebt, war sie viele Jahre festes Ensemblemitglied am Thalia Theater und tritt nach wie vor dort auf. Eine psychologisch intensive Rolle spielte Franziska Hartmann auch 2017 im preisgekrönten Fernsehfilm "Über Barbarossaplatz" als Therapiepatientin neben Joachim Kròl und Bibiana Beglau.

In "Sterne über uns" war sie als alleinerziehende Mutter zu sehen, die nach einer Wohnungskündigung mit ihrem Sohn im Wald zu übernachten beginnt. Dafür gab es 2020 den Deutschen Fernsehpreis als beste Darstellerin. Als ein von ihr gesprochener Krimi 2018 den Deutschen Hörbuchpreis für das beste Kinderbuch erhielt, gab Franziska Hartmann der Medienseite des katholischen Borromäusvereins ein Interview, in dem sie die Abwechslung ihres Schauspielberufs mit dem Reisen verglich: "Das geht ganz automatisch, durch die Texte, die Kostüme und die Maske. Noch einfacher ist es von Stück zu Stück. Andere Ensembles, andere Bühnen – das ist wie an einen anderen Ort zu reisen."

Alleine zu reisen ist, wie die Musik (sie singt und spielt Geige) eine weitere Leidenschaft Franziska Hartmanns: "Es macht mir Spaß, mit Kamera, Tagebuch und Rucksack durch die Gegend zu reisen und mich komplett von Impulsen leiten zu lassen." Sie ist viel herumgekommen: "Kambodscha, Vietnam, Laos, Thailand, Indien, Bolivien, Nicaragua, Georgien, Armenien, Kuba, Iran, Myanmar, Peru, Sri Lanka, Australien… "Die Welt hat so viel zu bieten und ich will noch viel mehr sehen."

Was macht die Musik dieses "Tatort" so besonders?

Mit "Tödliche Flut" hat die NDR Radiophilharmonie erstmals die Musik für einen "Tatort" eingespielt. Geschrieben wurde sie von den Musikern und Filmkomponisten Peter Hinderthür ("Der Baader Meinhof Komplex", "Gladbeck") und Stefan Will. Gastdirigent der NDR Radiophilharmonie war der erst 38-jährige Christian Schumann, der selbst auch als Filmkomponist arbeitet.

Im Presseheft zu "Tödliche Arbeit" erzählt er, wie die Zusammenarbeit lief: "Die beiden Komponisten waren während der Aufnahmen dabei, was sich als sehr wertvoll erwies. So konnten wir stets Rücksprache halten: hier bitte einen härteren Schlägel, dort ein gleichmäßiges Glissando! Als Dirigent mache ich den Komponisten auch gerne Vorschläge. Diesmal konnte ich mich im Aufnahmesaal einfach umdrehen und fragen: Sollen wir es hier einmal so oder so probieren? Wäre es nicht besser, wenn der Ton an dieser Stelle schnell leise wird, statt langsam abzuflachen?"

Wie entsteht so eine Filmmusik?

Auch Komponist Stefan Will ("4 Blocks") erläutert im Presseheft seine Arbeit. Besonders wichtig sei ihm, schon beim Lesen eines Drehbuchs Ideen zu skizzieren. Und "sobald die ersten Schnittsequenzen vorliegen, mache ich die Musik, die schon für die Rohschnittabnahme gedacht ist. Weil es sonst passiert, dass im Schnitt irgendwelche Musik aus Hollywoodproduktionen unter die Szenen gelegt wird, die dann nach zwanzig Mal Gucken alle ganz toll finden. Und ich soll dann so etwas Ähnliches schreiben. Ich versuche seit Jahren, das zu vermeiden. Deshalb lege ich früh die Grundstimmung und einige Themen fest."

Beim "Tatort" habe die Herausforderung für alle Beteiligten darin bestanden, das ganze Orchester einzusetzen, ohne den Film zu überladen: "Es gibt drei große atmosphärische Sequenzen im Film, am Anfang, in der Mitte und am Ende, die der Musik auch wirklich Platz einräumen. Ansonsten hält sich unsere Musik unauffällig im Hintergrund und funkt nicht dazwischen, wenn die Kommissare sprechen. Wir haben ja nicht ‚Indiana Jones‘ vertont, sondern einen norddeutschen 'Tatort', der eine ganz andere Attitüde hat als eine amerikanische Fantasy-Saga."

Beruht "Tödliche Flut" auf einem wahren Fall?

David Sandreuter, der das Drehbuch nach einer Idee von Arne Nolting und Jan Martin Scharf geschrieben hat, beruhigt: Der Korruptionsfall sei "frei erfunden und hat mit Norderney nichts zu tun. Ich habe auf der Insel recherchiert und mit dem Bürgermeister gesprochen, der sehr anständig und gewissenhaft ist. Auch der Umweltschutz wird dort ernst genommen."

Tatsächlich gibt es keinen Bauskandal, der überregional Schlagzeilen gemacht hat – es ist nur gelegentlich von eher hässlichen Gebäuden an der Strandpromenade die Rede, die der "Spiegel" 2007 als "wie aus einem Lehrbuch über Bausünden aus den siebziger Jahren" beschrieben hat. Als Paradebeispiel moderner Architektur, die sich in die Landschaft einfügt, gilt hingegen die Milchbar mit ihren großen Panoramafenstern zum Meer. In dem beliebten Szenetreff wurde auch gedreht, hier befragen die Kommissare beim Tee Stadtrat Lohmann.

Norderney ist (nach Borkum) die zweitgrößte der Ostfriesischen Inseln. Bebaut ist nur der Westen, über drei Viertel der Insel gehören zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und damit zum UNESCO Weltnaturerbe – dass dessen strenge Auflagen, vor allem, was das Fischen angeht, oft nicht eingehalten werden, wird von Naturschutzverbänden regelmäßig bemängelt.

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