Die "Ausgesetzt auf einer Insel"-Show "Survivor" lief bereits zweimal im deutschen Fernsehen - und floppte beide Male. Mit neuem Dreh versucht es Vox jetzt zum dritten Mal. Doch der nervt bereits nach wenigen Minuten ganz außerordentlich.

Eine Kritik
von Felix Reek, Freier Autor

Es dröhnt an allen Ecken und Enden bei "Survivor". Martialische Musik unterlegt so ziemlich jede zweite Szene. Viele Aufnahmen aus der Helikopter-Perspektive, Wellen, die gegen die Felsen der Insel schlagen, Menschen, die auf Pfählen stehen: Es ist, als hätte Hans Zimmer die neue Show auf Vox vertont. Jeden Moment könnte auch Russell Crowe in seiner Gladiatoren-Rüstung um die Ecke stürmen.

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"Hier am anderen Ende der Welt herrschen vor allem Naturgewalten und Gezeiten", sagt Moderator Florian Weber mit markanter Stimme. Gemeint ist eine Insel auf den Fidschis, wo 18 Großstädter 39 Tage lang miteinander und gegeneinander um 500.000 Euro kämpfen sollen.

"Survivor ist das geilste Spiel, das ich kenne", ruft eine von ihnen. Eine Begeisterung, die man wohl nur aufbringen kann, wenn man noch nicht weiß, was auf einen zukommt. Es ist schließlich erst Folge eins der neuen Abenteuer-Show auf Vox.

Wobei "neu" relativ ist. Das US-Original von "Survivor" läuft seit unglaublichen 39 Staffeln äußerst erfolgreich in den Vereinigten Staaten und wurde in unzählige Länder exportiert, zum Beispiel Australien, Frankreich, Belgien, Israel, Italien, Südafrika, Mexiko und Spanien, um nur einige zu nennen.

In Deutschland versuchten sich bereits RTL II und ProSieben an dem Format. Sie scheiterten kläglich, die Quoten waren katastrophal. Umso überraschender ist, dass Vox einen weiteren Versuch wagt.

13 Folgen sind geplant - das ist eine Menge, die Produktionskosten dürften bei "Survivor" wesentlich höher liegen als bei den Styling- und Kochshows, mit denen Vox sonst sein Programm bestreitet. Ein Flop kommt demnach nicht infrage.

Dass der Sender das Risiko trotzdem eingeht, mag an dem Boom der sogenannten "Physical-Action-Shows" wie "Ninja Warrior Germany" liegen.

Am Ende sind es wieder die selben Reality-TV-Floskeln

Die Grundzutaten von "Survivor" sind bekannt. Eine Gruppe von Zivilisationsmüden will ihre Grenzen neu austesten und sucht das große Abenteuer abseits von Cargo Bikes und Chai Latte. Und da es auf dem Mount Everest auch immer voller wird, geht es dazu eben auf eine Insel der Fidschis.

Dort müssen sie wie eingangs erwähnt auf Pfählen stehen, bis die Beine nachgeben, ein Camp selbst aufbauen, Feuer machen und in Gruppen bei Spielen gegeneinander antreten. Die Kamera begleitet sie dabei.

Die Teilnehmer sind durchaus divers - ein Chirurg ist unter den Kandidaten, eine Professorin, eine Polizistin, ein Politiker, eine Erzieherin, eine Musical-Darstellerin, ein Dachdecker. Sie leben in Deutschland, aber auch Stockholm und London. Ein internationaler Haufen.

Dumm nur, dass sie dieselben Sätze sagen wie alle, die rund um die Uhr von einer Kamera begleitet werden: Ich bin nur wegen der Erfahrung hier, dem Abenteuer, der Herausforderung. Die üblichen Floskeln eben.

In der Tradition sonstiger Reality-TV-Formate, deren großflächig tätowiertes Inventar sich durch die Sendeminuten stammelt, sieht Vox "Survivor" aber nicht. Es sei ein Strategiespiel, werden sowohl Sender als auch Kandidaten nicht müde zu erwähnen.

Die Teilnehmer müssen zusammenarbeiten, um die Herausforderungen zu bestehen, tun dies aber nur zu ihrem eigenen Vorteil. Intrigen und Niedertracht lauern an jeder Ecke, einer nach dem anderen verkauft sich mehr schlecht als recht vor der Kamera als großer Manipulator - gewinnen kann schließlich nur einer. Allzu sehr übertreiben dürfen sie es dabei aber nicht - in der finalen Folge wählen die zuletzt Ausgeschiedenen den Sieger.

Eine Strategie, die wohl nur die Kandidaten verstehen

Um es kurz zu machen: Das nervt bereits nach kürzester Zeit. Die physischen Herausforderungen in der vermeintlichen Wildnis rücken hinter dem dauernden Druck, der größte Intrigant zu sein, in den Hintergrund. Vor allem, weil das kuriose Züge entwickelt.

Stephan aus Markkleeberg zum Beispiel, im richtigen Leben Unternehmer, gibt sich als Grundschullehrer aus. Er befürchtet Nachteile für sich, wenn die anderen erfahren, dass er nebenbei auch FDP-Politiker in Sachsen ist. So oder so geht die Strategie nicht auf: Da er sich von den anderen absondert und es nicht so mit körperlicher Arbeit hat, steht er schon nach einer Folge auf der Abschussliste.

Gerettet wird er nur von Karin, Lehrerin aus Überlingen, die die anderen Mitspieler mit ihrem dominanten Ton, mit dem sie sonst wohl Schüler auf die stille Treppe jagt, so sehr gegen sich aufbringt, dass sie gehen muss. Strategisch nicht die beste Entscheidung: Sie ist es, die dem unfähigen Männerhaufen zeigt, wie man Feuer macht.

Den sinnlosen Höhepunkt der ersten Folge setzt aber Jonah aus Neumünster. Er findet ein Amulett, das Immunität bei der Nominierung verspricht. Zusammen mit seinem Kompagnon fertigt er daraufhin eine Kopie an, die er wieder versteckt. Eine taktische Meisterleistung, die nur dadurch übertroffen wird, dass der neue Finder es daraufhin verbrennen will. Warum auch immer.

So bleibt nach der ersten Folge von "Survivor" vor allem ein ziemlich schaler Nachgeschmack. Es wird gestritten, intrigiert und ausgegrenzt wie in jedem anderen Reality-Format. Wenn auch in schönerer Kulisse. Das raffinierte Mastermind nimmt man allerdings nach der ersten Folge keinem der Kandidaten ab.

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