ProSieben lädt mal wieder zu einer seiner Dauerwerbesendungen. "Wintergames" heißt das zweitägige Spektakel diesmal, bei dem TV-Bekanntheiten auf Gegenständen Berge runterrutschen. Was mal als Stefan Raabs "Wok-WM"-Idee begann ist heute in puncto Fernsehunterhaltung nur noch besorgniserregend.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

"Erster Trainingstag geschafft. Ich sag' euch, das ist nicht leicht und kann böse enden", schrieb Schauspieler Raúl Richter vergangenen Mittwoch bei Instagram.

Richters nächster Beitrag bei Instagram kam dann am Freitagabend um etwa 20:00 Uhr und lautete wie folgt: "Da hab ich wohl Pech gehabt. Bin vorhin operiert worden und schau die Sendung jetzt aus dem Krankenhaus."

Wie gerne hätte man Raúl Richter da geantwortet: ´"Lass mal, Junge, du hast schon genug gelitten."

Aber da hatte er wohl schon bei "Die ProSieben Wintergames" eingeschaltet und so wird Raúl Richter zu den Schmerzen an seiner Schulter noch ganz andere Qualen erlitten haben.

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Immerhin kann sich Richter mit dem Gedanken trösten, wenigstens nicht aktiv beim wohl langweiligsten Fernseh-Event des Jahres mitgewirkt zu haben. Bei den Proben zu den "ProSieben Wintergames" verunfallte Richter beim Kajak-Rodeln und soll sich das Schulterblatt gebrochen haben.

Raúl Richter ist nicht der einzige Verletzte

Richters Unfall sollte nicht der einzige der Show gewesen sein. Die Geduld der Zuschauer nicht mitgerechnet, wurde auch Sänger Jürgen Milski verletzt. Der Sänger stürzte beim Training, fiel auf die Schulter und darf nun ein angerissenes Band sein Eigen nennen.

Wie konnte es zu diesen Unfällen kommen? Hauptursächlich dürfte ProSiebens Einfall gewesen sein, Fahrzeuge entgegen ihrer eigentlichen Bestimmung zu verwenden und mit ihnen einen verschneiten Abhang hinunterzugleiten.

Die Idee, in einem Schlitten einen Fluss hinunterzufahren, schien ProSieben wohl nicht praktikabel genug. Also fuhr man in der Freitagabendsendung eben in einem Kajak einen Berg hinunter.

Wie YouTube-Videos - nur im Fernsehen

Wenn Sie jetzt denken: "Momentchen, das hab ich doch schon mal gesehen!", dann liegen sie da gar nicht so verkehrt.

Eigentlich kennt man so etwas aus Youtube-Videos, in denen per Handy festgehalten wird, wie Menschen zuerst ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten über- und dann die Gesetze der Physik und des Alkohols unterschätzen. Die Notaufnahmen der Welt können bestätigen, wie diese Fehleinschätzungen in der Regel ausgehen.

Zum Glück für ProSieben haben die Fernsehsender in den vergangenen Jahren einen schier unendlichen Pool an Menschen aufgebaut, die ihre Würde in solchen und anderen Formaten aufs Spiel setzen.

Für Richter und Milski war also rasch Ersatz gefunden und so versammelte sich am späten Freitagabend von A wie Antonia aus Tirol bis W wie Anna-Carina Woitschack eine illustre Schar an TV-Bekanntheiten, um ProSiebens Idee in die Tat umzusetzen.

Wintersport "vom Allerfeinsten"?

Gleich gebe es "Wintersport vom Allerfeinsten", schwindelt Moderatorin Viviane Geppert gleich zu Beginn die Zuschauer an, denn was sich in den folgenden knapp zwei Stunden abspielte, hatte überhaupt nichts mit Sport und schon gar nichts mit dem Allerfeinsten zu tun.

"Ich kann es nicht kontrollieren", wies Teilnehmerin Jana Julie Kilka die Zuschauer auf die Zufallsanfälligkeit des ganzen Unterfangens hin und so sah das Ganze dann auch aus. Einmal losgerutscht taumelten die Kajaks samt Insassen den Schneekanal hinunter, den Sieger ermittelte das Schicksal.

Das hielt aber weder Kommentator Elmar Paulke noch die Teilnehmer selbst davon ab, die ganze Rutscherei wie einen echten sportlichen Wettkampf zu nehmen. Moderatorin Geppert versuchte, mit Sätzen wie "Wie sehr willst du das Ding hier heute gewinnen?" die passenden Sportreporterfloskeln zu simulieren.

So schnarchig, dass es das eigentlich nicht geben darf

Nun kann man sagen, dass ProSieben und dessen Mitarbeiter die Show natürlich ein bisschen hochjubeln müssen. Man kann auch gerne darüber hinwegsehen, dass der der ganze Unfug mit der Dauerwerbesendung derart übertrieben wurde, dass sogar Ko-Moderator Matze Knop von seinem Kollegen mitten in einem Kalauer unterbrochen wurde, um das Mixgetränk des Werbepartners anzupreisen.

Nein, der Grund, warum es Sendungen wie "Die ProSieben Wintergames" nicht geben darf, ist schlicht: Weil sie stinklangweilig sind.

Wenn die Fahrt im Kajak tatsächlich so aufregend war, wie die Promis behaupten, dann kam das am Bildschirm jedenfalls nicht rüber. Da spielte es dann auch keine Rolle, ob man die Halbpromis nun im Einzelrennen, in einer Pacman-Version, im Staffel-Modus oder wie auch immer den Berg hinunter jagte.

Am Ende eines zähen Abends ist dann dementsprechend auch völlig wurscht, wer das Treiben gewinnt, denn, Hand auf's Herz: Auf einer Skala von eins bis Banane – wie wichtig ist Ihnen zu wissen, ob David Odonkor von drückglück.de oder Rewi von wix.com schneller im Kajak einen Berg runter gerutscht ist? Genau.

Und wenn ProSieben nicht plötzlich eine Eingebung ereilt, dann folgt am Samstagabend Teil zwei der "ProSieben Wintergames". Aber immerhin ist Raúl Richter jetzt gewarnt.