Man nehme zehn "Reality-Stars", 60 Kameras und eine Villa in Thailand - fertig ist die neue Sat.1-Show "Promis unter Palmen". Die dürfte selbst die abgehärtesten Trash-TV-Zuschauer das Fürchten lehren.

Eine Kritik
von Felix Reek

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Schon in den ersten Sekunden gibt es nur Geschrei. Menschen mit so viel Bräunungscreme, dass Donald Trump neidisch werden könnte, gehen aufeinander los, fletschen die gebleachten Zähne, verzerren die Botox-Gesichter. Es ist nur eine kleine Vorschau auf die kommenden Wochen von Sat.1 neuem Reality-Albtraum, der uns allen die Corona-Quarantäne vermiesen soll. Oder versüßen, je nach Standpunkt.

"Promis unter Palmen" pfercht zehn "Stars" für sechs Wochen in einer Villa in Thailand ein, 60 Kameras verfolgen sie dabei. Sie müssen sich in Junggesellenabschieds-Spielchen beweisen, hauptsächlich geht es aber darum, sich ordentlich auf die Nerven zu gehen.

"Promis unter Palmen": Désirée Nicks Kofferträger Yotta

Und wer könnte das besser, als eine Allstar-Auswahl dieser hehren Zunft? Als erste betritt Désirée Nick die Villa, die selbsternannte "spitzeste Zunge Deutschlands", was in ihrem Fall ausnahmsweise richtig sein dürfte. Sie streicht am Esstisch entlang, zählt die Stühle, zehn sind es, und fragt: "Wie viel Streit wird hier noch stattfinden?", als ob sie die Antwort darauf nicht wüsste.

Sie ist schließlich Profi und fängt direkt an: "Der Koffer wartet, bis irgendein Arschloch ihn hochträgt." Das lässt nicht lange auf sich warten: Bastian Yotta, ehemals Millionär, zwischendrin pleite und jetzt Hobby-Philosoph: "Weiterentwicklung ist genetisch. Das Universum breitet sich seit Jahrmillionen aus", orakelt er. Sein durch seine Muskeln kurz vor der Explosion stehendes T-Shirt ist der beste Beweis dafür. Zu viel mehr kommt er nicht.

Wer die spitzeste Zunge Deutschlands engagiert, weiß, dass sonst kaum einer zu Wort kommt. Außerdem muss Bastian Yotta noch Désirée Nicks Koffer die Treppe hochschleppen.

Eva Beneta-wer?

Die hat sich eh schon ihrem nächsten Opfer zugewandt: Eva Benetatou, Ex-Teilnehmerin an "Der Bachelor" und "Promi Big Brother". "Wer bist du denn?", fragt sie Désirée Nick. Im Prinzip der Signature-Satz von "Promis unter Palmen", der Show, in der sich nicht einmal die Teilnehmer untereinander kennen.

Eva Benetatou schaut angesäuert. Also stellen sich die beiden vor. Davon profitiert auch Yotta, der schon die ganze Zeit gerätselt hat, wer die stark geschminkte Dame ist, deren Ziegelsteine er gerade in das erste Stockwerk gewuchtet hat.

Désirée Nick ist mit ihrem Gegenüber indes noch nicht fertig. Cheerleaderin sei sie mal gewesen, berichtet Eva Benetatou. "Ist ein guter Anfang für alle, die gar kein Talent haben", sagt sie. Man muss es ihr zumindest lassen: Während andere in diesen Formaten vor allem hinter vorgehaltener Kamera lästern, sagt es das Gesamtkunstwerk Désirée Nick ihren Kontrahentinnen direkt ins Gesicht. Wer soll da noch dagegen halten?

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"Für Geld mach' ich alles, ohne Grenzen"

Auftritt Ronald Schill, an dessen seriöses Leben nur noch sein unseriöser Spitzname erinnert: "Richter Gnadenlos". Heute ist sein Motto eher: "Für Geld mach' ich alles, ohne Grenzen." Womit "Promis unter Palmen" ziemlich präzise umrissen wäre.

Er driftet beim Anblick von Désirée Nick direkt in einen Prä-koitalen-Singsang ab, den er für den Rest der Auftaktfolge nicht mehr ablegen wird. Hier treffen zwei Promi-Profis aufeinander, die nicht viel Raum für andere lassen. Es sei denn, sie fordern ihn lautstark ein.

Wie Claudia Obert etwa, Mode-Boutique-Besitzerin und Teilnehmerin an "Promi Big Brother". Dort sorgte sie mit ordentlichem Zug am Glas und Dauer-Sex-Beichte 2017 für Quote. In "Promis unter Palmen" knüpft sie nahtlos daran an.

Ist das schon sexuelle Belästigung und kann das bitte weg?

Der Rest der "Reality-Stars" hat gegen dieses gut abgehangene Trio Infernale des Trash-TVs keine Chance. Carina Spack (diverse "Bachelor"-Formate), Matthias Mangiapane ("Hot oder Schrott", "Dschungelcamp"), Ernesto Monté (Ex-Freund von Helena Fürst, "Sommerhaus der Stars") und als krönender Abschluss das mittlerweile getrennte Traumpaar der letzten "Promi Big Brother"-Staffel Janine Pink und Tobias Wegener, sind Staffage, die sprachlos mittendrin statt nur dabei sind.

Es wird über Penis-Verlängerungen diskutiert, wer mit wem und wie Sex hatte, Ronald Schill rollt in einem viel zu kurzen Handtuch nackt durch sein Bett und Sat.1 spielt dazu "Klingelingeling, hier kommt der Eiermann".

In einer Art Super-GAU treffen sie alle zusammen. Die Mode-Magnatin von eigenen Gnaden baut sich vor Richter Gnadenlos auf, nestelt an ihrem Kleid herum und heizt den Wahl-Brasilianer mit ihrem Standard-Porno-Smalltalk auf. Schill, der sowieso mehr Libido als Verstand besitzt, lässt die Hände unter Claudia Oberts Kleid verschwinden. Désirée Nick verfolgt das Geschehen entsetzt und kommentiert: "Bei der müsste man mal wirklich mit flinker Zunge durch den Schritt gehen." Puh.

Krawallmacherei mit vorhersehbarer Dramaturgie

Spätestens da ist alles zu viel. Die Nick, der Schill, die Obert, das ständige schmierige Sex-Gefasel der drei. Ja, das ist Trash-TV, aber "Promis unter Palmen" ist nur Krawallmacherei mit vorhersehbarer Dramaturgie und drei Protagonisten, die ihre Rolle schon so oft im Fernsehen gegeben haben, bis sie reine Karikatur sind. Die Zuschauer können bei dieser permanenten Überperformance nur kapitulieren.

Nach zwei Stunden und zwei Spielen, so fad, dass sie schon vergessen sind, während sie stattfinden (der Vollständigkeit halber: Eier sammeln im Dino-Kostüm und Seilziehen auf Schwebebalken inklusive Ohnmachtsanfall von Tobias Wegener) ist es endlich geschafft. Die Verlierer nominieren Désirée Nick und Ernesto Monté, die Gewinner entscheiden, wer die Show verlassen muss.

Es ist natürlich der Mann mit der Penis-Vergrößerung (fragen Sie nicht), während die spitzeste Zunge Deutschlands Tobias Wegener heulend um den Hals fällt und Schill "aus Dankbarkeit die Hose runterziehen will". Dann ist wirklich genug. Oder wie sagt es Richter Gnadenlos zuvor so schön in der Sendung? "Dieses Format bringt die schlechtesten Eigenschaften in uns zum Vorschein." Vielleicht auch, weil es sonst keine gibt.

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