In der aktuellen Staffel "Sommerhaus der Stars" lässt sich beobachten, dass die Sitten im Reality-TV immer weiter verfallen. Auch in anderen Formaten eskaliert die Situation immer mehr. Was an den Teilnehmern liegt, aber auch an den Zuschauern zuhause.

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"Sommerhaus der Stars", das hört sich zunächst ziemlich romantisch an. Man denkt an ein Landhaus, wie in einem Rosamunde-Pilcher-Roman beschrieben, irgendwo in der Nähe des Meeres, oder vor einem Bergpanorama. In diesem Anwesen genießen gutsituierte und schöne Menschen die Sonnenstrahlen und unterhalten sich gepflegt bei einem Glas Wein.

Die Realität im RTL-Sommerhaus sieht allerdings anders aus. Direkt in der ersten Folge spuckte Kubilay Özdemir Andrej Mangold mitten ins Gesicht. Der Ex-Bachelor Mangold weinte daraufhin bitterlich.

Özdemir und seine Lebensgefährtin Georgina Fleur mussten das Sommerhaus schließlich verlassen, beschützt von Security-Leuten. Aber nicht, weil RTL eingegriffen hätte, sondern weil die anderen Kandidaten sie quasi aus dem Haus streikten.

Es wird geschrien, gemobbt, manipuliert und zu viel getrunken. Überraschend ist eigentlich nur, dass es noch nicht zu echten Handgreiflichkeiten mit Verletzten gekommen ist.

"Sommerhaus der Stars": Nächste Eskalationsstufe des Trash-TVs

Das "Sommerhaus der Stars" war noch nie ein Ort der Harmonie, doch wer die diesjährige Staffel verfolgt, kann die nächste Eskalationsstufe des Trash-TVs beobachten. Der Trend zu Pöbeleien, Lästereien, Mobbing und sogar Handgreiflichkeiten scheint im Jahr 2020 seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden zu haben. Man denke etwa an "Promis unter Palmen", wo Claudia Obert – die sicherlich kein Unschuldslamm ist – von Carina Spack, Bastian Yotta und Matthias Mangiapane so fies gemobbt wurde, dass Sat.1 die Folge aus der Mediathek nehmen musste.

Oder an "Kampf der Realitystars" auf RTL II, wo es immer wieder zu Eskalationen und Grüppchenbildung kam. Mittendrin auch damals: das selbsternannte It-Girl Georgina Fleur.

Im Vergleich zu den aktuellen Trash-TV-Formaten wirken einstige Aufreger wie "Big Brother" oder "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus" fast wie zahmes Bildungsfernsehen. Aber warum ist das so? Warum wird das Trash-TV immer extremer? Gründe dafür gibt es mehrere.

Die Zuschauer belohnen Eskalation mit Quoten

Zum einen liegt das an den Zuschauern selbst. Das "Sommerhaus der Stars" hat laut DWDL sehr gute Einschaltquoten, die zu steigen scheinen, je wilder es zur Sache geht. Der oft zitierte Menschenzoo hat seine Faszination nicht verloren, die Schadenfreude, andere Menschen in peinlichen Situationen oder scheitern zu sehen, löst immer noch den Einschaltimpuls aus.

Die TV-Sender bedienen dies natürlich gerne und casten die Besetzungen der Reality-Shows so zusammen, dass größtmögliches Konflikt- und Skandalpotenzial entsteht. Häufig steht den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Formate reichlich Alkohol zur Verfügung, um die Hemmschwelle noch weiter zu senken.

Besonders clever ist der Schachzug von RTL, Pärchen ins "Sommerhaus der Stars" zu schicken. Denn so können sich nicht nur die Kandidaten miteinander streiten, sondern auch die Pärchen untereinander.

Aktuell ist dies bei dem Auswanderer-Bodybuilder-Duo Caro und Andreas Robens zu beobachten, über deren vermeintliche Ehekrise in den Medien und den sozialen Netzwerken spekuliert wird. Für das RTL-Format ist das letztlich beste Werbung, genauso wie Özdemirs Spuckattacke gegen Bachelor Mangold.

Trash-TV muss Konkurrenz durch Streaming nicht fürchten

Alle Zeitungen berichteten am nächsten Tag über den Lama-Eklat, es war das Tratschthema des Tages. Was ein weiterer Grund ist, warum Trash-TV ein wichtiger Faktor für die Fernsehsender ist und die Entwicklung der Formate immer weiter vorangetrieben und zugespitzt wird.

Reality-TV funktioniert nämlich nach wie vor hervorragend im linearen Fernsehen und hat im Gegensatz zu Filmen und Serien nicht die Konkurrenz durch Streaming-Anbieter zu befürchten. Die Fans wollen die Folgen gleichzeitig erleben, bei Twitter in Echtzeit oder am nächsten Tag am Arbeitsplatz darüber diskutieren.

Der Hauptgrund für die Eskalation im Trash-TV sind aber die Teilnehmer selbst. In den letzten Jahren ist eine neue Berufsgruppe entstanden: die Reality-Stars. Während früher noch echte VIPs in den Dschungel gingen oder "normale" Menschen an "Big Brother" teilnahmen, reicht heute schon ein Auftritt beim "Bachelor" oder "Germanys Next Topmodel", um die Qualifikation für die Anschlusskarriere im Trash-TV in der Tasche zu haben.

Die Reality-Stars hangeln sich von Format zu Format und verdienen nebenher Geld mit ihren Social-Media-Auftritten. Follower-Zahlen sind in diesem Umfeld wichtiger als ein Schulabschluss, eine Karriere abseits der Reality-Formate gibt es häufig nicht.

Ein möglichst aufsehenerregender Auftritt sichert die Teilnahme am nächsten Format und somit den Fortbestand der TV-Karriere. Es ist also wenig verwunderlich, dass diese Profi-Trash-Darsteller großes Interesse daran haben, es vor laufenden Kameras ordentlich krachen zu lassen.

"… dann schaut eben Rosamunde Pilcher"

Zurück zum "Sommerhaus der Stars". Hier eskaliert die Situation immer weiter, manche Fans forderten angesichts des offensichtlichen Mobbings von Eva Benetatou durch die anderen Bewohner sogar die Absetzung der Show, die Teilnehmer müssen in den sozialen Medien ordentlich einstecken.

Was wiederum das Auswandererpärchen Caro Robens und Andreas Robens auf den Plan rief, die ihrem Ärger in einem Instagram-Post Luft machten. Wem das alles nicht gefalle, der solle halt "Rosemunda Pilcher" schauen, schrieben die beiden, inklusive Buchstabendreher im Vornamen der Schriftstellerin.

Und: "Ihr wolltet Trash TV, ihr habt Trash TV." Besser kann man die Gründe für die derzeitige Eskalation in den Reality-Formaten kaum zusammenfassen.

Verwendete Quelle:

  • dwdl.de: "Nicht nur Sommerhaus: Reichweitenrekorde trotz Fußball"
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