Eben noch der Queen Gebäck zum Tee gereicht, nun für Disney eine Elefanten-Doku eingesprochen. Meghan Markle kehrt nach dem Bruch mit dem britischen Königshaus nicht nur in ihre alte Heimat zurück, sondern auch in ihren alten Job. Für den Streaming-Dienst Disney+ hat die Herzogin von Sussex eine Sprecherinnenrolle übernommen – und macht das gar nicht schlecht.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

Was war das für eine Aufregung: Vor ein paar Wochen verkündeten Prinz Harry und seine Frau Meghan, Herzogin von Sussex, dass sie nicht mehr so recht Lust haben auf das ganze königliche Gedöns. Stattdessen wolle man lieber den bürgerlichen Lebensstil pflegen und finanziell auf eigenen Beinen stehen.

Finanziell auf eigenen Beinen stehen heißt aber selbst bei ehemaligen Hoheiten nicht, dass sie sich nun in die Schlange beim Arbeitsamt stellen, denn zum einen dürften die beiden sicher ein, zwei Euro im Sparschwein haben, zum anderen hat man es auf dem Arbeitsmarkt sicher ein bisschen leichter, wenn man die vergangenen Jahre viel mit königlichem Networking verbracht hat.

Meghan Markle, früher bekannt als "die aus der Anwaltsserie 'Suits'", hat der Weg ihres neuen beruflichen Werdegangs zurück in ihren früheren Beruf, die Schauspielerei, geführt. Für Disneynature hat Markle nun eine Sprecherinnenrolle in der Dokumentation "Elefanten" übernommen, zu sehen beim Streamingdienst Disney+.

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"Elefanten"mit Meghan Markle: Darum geht es bei der Doku von Disney+

"Elefanten" spielt im südlichen Afrika und erzählt die Geschichte einer Herde Kalahari-Elefanten, die ihre jährliche Wanderung durch die Kalahari-Wüste vom Okawango-Delta bis zum Fluss Sambesi antritt. Die Leitung bei dieser Wanderschaft übernimmt die Elefanten-Kuh Gaia, die eigentlichen "Hauptdarsteller" sind der einjährige Elefantenbulle Jomo und seine Mutter Shani, Gaias Schwester. Die Herde muss dabei natürlich zahlreiche Hindernisse überwinden.

Disneys "Elefanten" ist eine Art Road-Movie und Abenteuerfilm, nur eben in der Tierversion. Natürlich fahren hier nicht Thelma & Louise herum, stattdessen macht sich eine Herde Elefanten auf die Reise und erlebt dabei die im wahrsten Sinne des Wortes die "wildesten Abenteuer". Dabei verzichtet Disney auf die übliche erzählerische Distanz, die eine Dokumentation eigentlich ausmacht, und setzt lieber auf eine Märchenerzählung mit Doku-Elementen.

Was dabei herauskommt, ist zum einen eine spannende Geschichte um das Schicksal einer Elefantenherde mit allen dramaturgischen Wendungen, die es für ein gutes Märchen braucht. Natürlich kann man, wenn man möchte, auch etwas über Elefanten und die afrikanische Fauna und Flora lernen, aber im Vordergrund steht die Geschichte um das Elefantenjunge Jomo.

Aber da ein Märchen nur so gut ist, wie es erzählt wird, packt Disney seine Geschichte in wirklich herausragende Bilder. Unterwasserfahrten, bei denen man den Elefanten beim Planschen im Wasser auf die Pelle rückt, Zeitraffer-Aufnahmen, Luft-Bilder – es ist optisch wirklich beeindruckend, was Disney hier gelungen ist.

Und wie schlägt sich nun Meghan Markle als Sprecherin?

Meghan Markle erzählt die Geschichte und gerade in der englischsprachigen Presse schlug ihr viel Kritik entgegen. Der Hauptvorwurf: Sie übe ihre Rolle als Sprecherin viel zu übertrieben aus. Von "Schmalz" und "zuckrig" ist zum Beispiel beim "Guardian" die Rede.

Ist die Kritik berechtigt? Nun: Es ist davon auszugehen, dass man bei einem Weltkonzern wie Disney nicht gesagt hat: "Hey, Frau Markle, schnappen Sie sich einfach das Mikrofon und probieren Sie sich aus! Egal, was dabei rauskommt – wir sind zufrieden." Irgendwer wird schon dagewesen sein und mal ein Auge darauf geworfen haben, was Meghan Markle da so treibt, und es am Ende abgenickt haben.

Abgesehen davon: Hey, it's Disney! Man nenne einen Disney-Film, der nicht vor überbordenden Emotionen knatscht. Das ist eben Disneys Geschäft: die großen Gefühle, die Übertreibungen, das Unrealistische. Wenn man Meghan Markle dafür kritisiert, dass es hier und da ein bisschen drüber ist, dann reden wir hier immer noch über eine Disney-Doku für Kinder und nicht über eine zoologische BBC-Dokumentation.

Dementsprechend haben die Elefanten hier Namen und auch alles andere in der Dokumentation ist bis ins Kleinste vermenschlicht. Ein Beispiel: Als der kleine Jomo durch die Gegend tollt und dabei andere Tiere aufscheucht, heißt es in der Doku: "Er tollt herum und spielt mit den verschiedensten Tieren. Ob er überhaupt schon wirklich weiß, dass er ein Elefant ist?" Und als die Herde im letzten Wasserloch noch einmal badet, hört man Markle sagen: "Zeit für eine Pool-Party!"

Meghan Markle: "Meet Jomo!"

Ist das nun Markles Schuld? Mit Sicherheit nicht. Sie ist lediglich das bunte Papierchen um das zuckersüße Disney-Bonbon. Zugegeben, die deutsche Erzählerin ist nicht ganz so überschwänglich-intensiv wie Markle, aber am Ende ist es völlig unbedeutend, ob Markle bei ein paar Szenen ein bisschen das Erzähl-Temperament durchgeht.

Markle macht mit Sicherheit keinen schlechten Job, im Gegenteil. Sie erzählt "Elefanten" oder "Elephant", wie die Doku im Original heißt, genau so, wie man Kindern ein Kinderbuch vorlesen würde. Das macht man nicht trocken nüchtern, sondern man schlüpft in die Figuren und erweckt sie zum Leben.

Und deshalb heißt es bei Disney auch nicht: "Hier sehen sie ein Jungtier aus der Elefanten-Herde", sondern "Meet Jomo!" Kurzum, Meghan Markle macht einfach den Job, den Disney von ihr verlangt. Dementsprechend ist es auch völlig wurscht, ob man sich die amerikanische Original-Version anhört oder die deutsche Synchronisation.

Macht die Verpflichtung Meghan Markles "Elefanten deshalb besser? Natürlich nicht. Macht es die Dokumentation interessanter? Ganz offensichtlich, sonst gäbe es die ganze Aufregung ja nicht. Gibt es sonst noch einen Grund zu meckern? Auch nicht, zumal Disney, wie Elephants Without Borders berichtet, eng mit der Non-Profit-Organisation zusammenarbeitet, um Elefanten weiter zu schützen. Alles in allem also ein durchaus gelungener Coup von Disney.

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