Nicht mehr die "Tochter von" zu sein – ein mehr als nachvollziehbarer Wunsch. In der neuen Folge der Vox-Reihe "7 Töchter" erzählen Ben Beckers Tochter Lilith und Caroline Bosbach davon, welchen destruktiven Einfluss der Beruf ihrer Väter auf die Familie haben kann und warum sie ihre Väter trotzdem über alles lieben.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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Cheyenne Ochsenknecht, Lili Paul, Caroline Bosbach, Lilith Becker, Louisa Beyer, Laura Karasek und Elena Carrière: Über mehrere Monate hat Vox sieben Töchter und ihre prominenten Eltern begleitet und zeigt nun seit einer Woche dienstäglich die Essenz dieser Monate.

In einer Art Promi-Töchter-Gruppentherapie-Atmosphäre sitzen die Protagonistinnen dazu mit Moderatorin Laura Karasek auf dem offenen Sofa-Rund im Studio zusammen und sehen sich gemeinsam die Homestory-Filme der jeweils anderen an. Man staunt, fragt, vergleicht, erzählt von sich.

Die Erkenntnis: Jede Geschichte ist anders und doch gibt es viele Parallelen zwischen den jungen Frauen. Alle eint die Fragen: Wie gehe ich mit der Prominenz meines Vaters um? Wie finde ich meinen eigenen Weg, ohne immer "die Tochter von" zu sein? Und wie schaffe ich das, ohne meine Wurzeln zu kappen?

Lilith Becker: "Habe mir gewünscht, dass Papa einen Bürojob hat"

Lilith Becker hat eine ganz gute Ahnung davon, wie das gehen kann. Die 18-Jährige ist die Tochter von Schauspieler Ben Becker und macht in diesem Jahr ihr Abitur. Mit dem berühmten Vater ist Lilith ohnehin schon in einer besonderen Lebenswelt aufgewachsen, ihre war aber noch ein Stückchen besonderer, denn ihre Eltern sind zwar zusammen, leben aber in getrennten Häusern.

Vater Ben lebt in der Stadt, Lilith mit Mutter Anne auf dem Land. "Ich wollte immer, dass da so eine Rock-'n'-Roll-Familie draus wird. Das ist aber nicht so Annes", erklärt Ben Becker die Situation.

Für Lilith ist die Situation okay, aber das war nicht immer so. "Hast du dir als Kind ein klassisches Familienbild gewünscht?", fragt Karasek und Lilith Becker antwortet eindeutig: "Ja, definitiv. Ich habe mir gewünscht, dass Papa einen Bürojob hat."

Dass Ben Becker in irgendeinem Büro Akten kopiert, ist angesichts seiner Extraversion nur schwer vorzustellen. Eine Extraversion, die ihn auch ab und an in die Schlagzeilen und seine Tochter in eine unangenehme Lage gebracht hat. Zum Beispiel, als Becker wegen einer Überdosis Heroin reanimiert werden musste.

Für Lilith eine harte Lektion, wie sie erzählt: "Ab der 7. Klasse war's extrem, weil damals wirklich jemand zu mir kam. Davor kannte ich das nicht. Ich wusste nicht, was ein Goldener Schuss ist. Ich dachte am Anfang, das sei ein Preis."

Trotzdem trägt Lilith ihrem Vater diesen Schrecken nicht nach, auch wenn sie sein Verhalten auch heute noch nicht verstehen kann.

Caroline Bosbach folgt ihrem Vater in die Politik

Doch die Lilith-Becker-Episode kennt auch die leichten Momente. Man sieht Vater und Tochter herumalbern, beim gemeinsamen Ausflug nach Salzburg zu Ben Beckers Theater-Aufführung oder beim Diskutieren über den beruflichen Lebensweg, denn Lilith will Regie in England studieren.

Dabei präsentiert sich Lilith Becker als eine, wie es für junge Menschen nicht unüblich ist, zwar bei ihrem beruflichen Weg noch schwankende, aber trotzdem sehr reflektierte junge Frau, die sich offenbar selbst schon ganz gut einschätzen kann: "Schauspielen würde mir Spaß machen. Aber das ganze Showbiz drumrum ist mir zu viel."

In eine ganz andere Lebenswelt führt dann der gut halbstündige Film über die Beziehung von Caroline zu ihrem Vater Wolfgang Bosbach. Wie ihr Vater, der über zwanzig Jahre für die CDU im Bundestag saß, will auch Caroline in die Politik.

Dass sie zumindest sprachlich dafür bereit ist, erkennt man gleich, als sie erzählt, dass Nachhaltigkeit ihr politisches Herzensthema ist: "Ich verstehe nicht, wie wir dieses Thema in dem Maße der politischen Konkurrenz überlassen können, wie wir es gerade tun. […] Ich versuche in diese Nische reinzukommen und dieses Thema zu positionieren."

Das ist eine Wortwahl, wie man sie von alt eingesessenen Politprofis kennt. Umso erstaunlicher dann, dass Caroline Bosbach für den Film ausgerechnet nach Mallorca fliegt, um beim Golfspielen Zeit mit ihrem Vater zu verbringen. Beides Dinge, die man nicht unbedingt als erstes mit Nachhaltigkeit verbindet.

Tränen bei Wolfgang Bosbachs Geständnis

Doch der Besuch hat einen ganz besonderen Grund, denn die Zeit des Vaters ist immer noch knapp. Ein Problem, mit dem Caroline und ihre zwei Schwestern großgeworden sind. Zum ersten Mal spricht Wolfgang Bosbach das in einer Video-Botschaft an seine Tochter an.

Drachen steigen lassen, Elternabende, "die typischen Dinge, die Kinder mit ihren Vätern machen, haben wir nicht erlebt", gesteht Bosbach und erkennt: "Noch schlimmer ist, dass man das nicht nachholen kann, was man verpasst hat."

Caroline Bosbach und die anderen Töchter rührt dieses späte Geständnis zu Tränen, vor allem aber der Kontrast zwischen der sachlichen Politikerin und der emotionalen Tochter: "Es war heavy shit", gesteht Laura Karasek.

Und so schließt sich der Kreis zu Lilith Becker, denn trotz aller Unterschiede wird auch bei Caroline Bosbach das innige Band zwischen Vätern und Töchtern sichtbar, ebenso der Wunsch der Väter, in ihren Töchtern weiterzuleben und sie gleichzeitig ihren eigenen Weg gehen zu lassen.

"7 Töchter": Eine Homestory zum Selbstschutz?

"7 Töchter" ist eine Dokumentation, ein Porträt und eine Homestory. Gleichzeitig bedient es aber natürlich auch sämtliche Kriterien eines Klatsch-und-Tratsch-Formats, ist quasi eine Grundausrüstung für den nächsten Frisörbesuch.

Doch auch wenn Töchter und Väter ihr Herz öffnen und Intimstes erzählen: Wer wagt es, hier in oberflächlicher Klatsch-Manier ein Urteil zu fällen?

Familiäre Beziehungen im Allgemeinen und die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern im Besonderen können komplizierter sein als Kernphysik – auch das beweist "7 Töchter". Was für den einen passt, ist für den anderen ein No-Go.

Und trotzdem - oder genau deshalb - darf man die Frage stellen: Warum muss diese Familienaufstellung im Fernsehen passieren? Wo es keinen Grund für ein Urteil gibt, da ist auch keine Rechtfertigung nötig.

Lilith Becker kennt das Geschäft aber zu gut, so dass sie weiß, dass sie die Geschichten ihres Vaters irgendwann einholen. Und so geht sie in die Offensive: "Ich habe keine Lust, dass ich Regisseurin werde und in zehn Jahren auf 'nem Teppich stehe und sage: Das ist mein Film – und dann bekomme ich ein Mikrofon unters Gesicht gehalten mit der Frage: Wie war diese Schlagzeile damals für dich? Von daher fand ich es wichtig, aus meiner Perspektive relativ am Anfang klarzumachen, wie es für mich ist." Ob sie das allerdings vor künftigen Nachfragen zu ihrem Vater schützt, darf bezweifelt werden.

"Ich will meinen eigenen Weg gehen, um nicht immer die Tochter von zu sein", erklärte dagegen Cheyenne Ochsenknecht ihren Grund, bei dem Format mitzumachen. Ob es den Töchtern aber tatsächlich hilft, nicht mehr als "Töchter von" wahrgenommen zu werden, indem sie an einer Doku teilnehmen, bei der es um nichts Anderes geht, werden die sieben Töchter wohl erst noch selbst herausfinden.

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