Ein Gruß aus der Vergangenheit: Die jüngste Ausgabe von "Joko & Klaas gegen ProSieben" am Dienstagabend wurde noch vor der Coronakrise aufgezeichnet. Ob die Show auch mit all den Hygiene-Maßnahmen so lustig geworden wäre, wissen wir nicht – es ist aber auch egal. Es war ein unterhaltsamer Abend. Mit Flugzeugabsturz - inklusive simuliertem Flugzeugabsturz.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock

Erinnern Sie sich noch? Damals, als man Menschen zur Begrüßung noch die Hand geben durfte? Als man noch merkwürdig angesehen worden wäre, wenn man im Supermarkt mit einem Mund-und-Nasenschutz herumgelaufen wäre?

Als man morgens noch die Kinder in die Schule bringen durfte und im Internet zuerst die Mails und nicht die Infektionszahlen gecheckt hat? Eine bekannte Normalität, aber doch schon so lange her.

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Wenn Steven Gätjen am Dienstagabend im Fernsehen versucht, den Applaus des Studio-Publikums mit "Beruhigen Sie sich doch!" zu bändigen, dann weiß man erstens, dass dieser Applaus nicht, wie gerade üblich, vom Band kommt und deshalb zweitens echte Menschen im Publikum sitzen und dass wiederum drittens, die Show dementsprechend vor der Corona-Pandemie aufgezeichnet wurde.

ProSieben hat also tatsächlich noch eine Unterhaltungsshow im Regal gefunden, die bereits vor längerer Zeit aufgezeichnet wurde, und mit "Joko & Klaas" ist dabei sogar ein echtes Show-Kaliber dabei gewesen. Also dürfen die beiden wieder gegen ihren Arbeitgeber antreten, um im Fall eines Sieges 15 Minuten Primetime-Sendezeit zu bekommen, die sie ganz nach Belieben füllen dürfen.

Joko und Klaas gewinnen gegen Vanessa Mai und Ben Dolic

In der Vergangenheit lebte die Show dabei vor allem von drei Dingen: Zum einen von der Hassliebe zwischen Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, die sich in ihren Duellen um die Welt sonst mit einer nicht geringen Portion Schadenfreude das Leben gegenseitig schwer gemacht haben. Und auch wenn sie diesmal wieder zusammenarbeiten müssen, ist diese Rivalität bei gleichzeitiger Zuneigung immer spürbar.

Reiz Nummer zwei ist ein bisschen ein Spaß mit Verzögerung. Die 15 Minuten Sendezeit folgen immer einen Tag später, aber dafür hat es sich in der Regel bisher immer gelohnt, zu warten. Und der dritte Spaß der Show besteht aus den Spielen.

Die sind zwar nicht immer originell, aber immer origineller als in fast allen anderen Shows im deutschen Fernsehen. Zum Beispiel gleich Spiel Nummer eins.

Da mussten Joko und Klaas abwechselnd in eine schalldichte Kabine und ein Lied singen, das der andere erraten muss. Das Problem: Man konnte den Sänger nur für ein paar Sekunden hören, wenn der andere einen Buzzer drückte.

Das war aber maximal dreimal möglich und so musste man sich mit ein paar Liedfetzen zum richtigen Song raten. Als Gegner hatte sich ProSieben Vanessa Mai und Ben Dolic ausgesucht - und wenn Sie sich jetzt fragen "Ben wer?", dann muss das nicht an Ihnen und auch nicht an Ben Dolic liegen.

"Zum Zeitpunkt der Aufzeichnung hätte der Eurovision Song Contest (ESC, Anm. d. Red.) am 16.05.2020 stattgefunden", blendete ProSieben ein, als Dolic ins Studio kam und da konnte es einem dämmern, dass Dolic Deutschland beim ESC vertreten hätte – wenn nicht die Corona-Pandemie dazwischen gekommen wäre.

Nun also wurde aus dem Werbe-Auftritt ein einfacher Auftritt, was das Ganze aber nicht weniger unterhaltsam machte. Am Ende gewannen Joko und Klaas, weil sie zwar nicht besser singen konnten als Vanessa Mai und Dolic, aber besser raten.

Im Flugsimulator: "Alter, wir stürzen ab!" - "Nö."

Noch ein bisschen lustiger ging es dann bei Spiel Nummer zwei weiter. Vielleicht auch, weil Joko und Klaas hier alleine spielten und so keine unnötige Rücksicht beim Sprücheklopfen nehmen mussten.

Ihre Aufgabe: Die beiden mussten ins Cockpit eines Flugzeugs und dann von Berlin nach Mallorca fliegen. Natürlich hat ProSieben weder das Geld noch die Nerven noch genügend Ersatz-Moderatoren, um so ein Spiel mit einem echten Flugzeug zu spielen.

Dass die beiden deshalb nur in einem Flugsimulator saßen, machte das Ganze aber nicht weniger witzig. Hier ein kurzer Ausschnitt aus den Dialogen der beiden:

  • Joko: "Alter, wir stürzen ab!"
  • Klaas: "Nö."
  • Joko: "Alter, ich seh' den Boden!"
  • Klaas: "Darf ich mal kurz was sagen?"
  • Joko: "Was?"
  • Klaas: "Wir brennen nicht mehr."

Natürlich weiß Klaas Heufer-Umlauf, dass es für den Zuschauer wesentlich lustiger ist, wenn die beiden ihre Aufgabe nicht schaffen. Dementsprechend nestelt Klaas heimlich an den Hebeln herum, während Joko versucht, das Flugzeug zu landen.

Der Ausgang ist nicht schwer vorherzusehen und so schimpft Joko nach dem Absturz mit seinem Co-Piloten. "Wir haben die Aufgabe nicht bestanden, nur weil du mal gucken wolltest, was passiert!"

Klaas Heufer-Umlauf: "Tote Zeit"

Und so spielten, kalauerten und alberten sich die beiden durch den Abend. Ein Hindernisparcours, den die beiden geräuschlos bewältigen müssen, Stifte, Lego-Steine und USB-Sticks lupfen und wieder auffangen, einen Weltrekord brechen oder Autoboxen gegen Axel Stein und Paul Janke.

Das machten die beiden zwar nicht perfekt, aber doch so passabel, dass sie nicht unbedingt mit Angstschweiß in die finale Aufgabe gehen mussten. Das mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass die Strafe, die sich ProSieben bei einer Niederlage der beiden ausgedacht hatte, eher mild ausfiel.

Die beiden hätten für das ProSieben-Klatsch-und-Tratsch-Format "Red" jeweils einen 25-minütigen Beitrag über einen Tag aus dem Leben des anderen drehen müssen. Es gibt sicher anspruchsvolleres und dementsprechend fiel auch das Urteil von Heufer-Umlauf aus: "Tote Zeit."

Joko & Klaas gewinnen gegen ProSieben

Dazu sollte es dann aber nicht kommen, denn die beiden erfüllten die verschiedenen Aufgaben souverän und in der vorgegebenen Zeit: einen Zuschauer hauen, Filzstiftdeckel nach Farben sortieren, an einer Klospülung ziehen und so weiter.

Am Ende bleibt von der jüngsten Ausgabe "Joko & Klaas gegen ProSieben" das Wissen, dass Joko ziemlich gut Kleinkram hochwerfen und wieder auffangen kann und dass Klaas Heufer-Umlauf farbenblind ist; und das kurze, aber vertraute Gefühl von coronafreiem Fernsehen.

Die 15 Minuten Sendezeit, die die beiden am Mittwochabend um 20:15 Uhr bekommen, werden nämlich auf jeden Fall wieder live sein.

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