"Höhle der Löwen": Investoren stehen auf Trockenfleisch

Angeln, Sammelalben, Trockenfleisch: Carsten Maschmeyer hat zu wirklich jedem Thema eine Lebensweisheit parat. Ralf Dümmel konnte er bisher allerdings noch nicht helfen: Der Handelsmogul aus Hamburg muss bald unters Sauerstoffzelt, wenn es so weitergeht ...

Carsten Maschmeyer gibt in der "Höhle der Löwen" gerne mal einen Schwank aus seinem Leben zum Besten. "Ich bin jetzt verheiratet. Ich angle nicht mehr", erklärte er etwa vor dem Pitch von Dr. Christopher Rupp. Trotzdem hatte der Gründer von "iCapio", einem innovativen Angelködersystem, Maschmeyer schließlich am Haken. "Ich fahre auf zwei Sachen ab: echte Erfindungen und eine tolle Gründerperson", lobte der Investor.
Rupp machte sich zunutze, dass Fische kurzsichtig sind, aber extrem gut riechen können. Dementsprechend versprühen seine Köder den Duft von Hering und Garnele. Die Idee fanden neben Maschmeyer allerdings auch Georg Kofler und Ralf Dümmel zum Anbeißen. Die drei boten jeweils 95.000 Euro für 20 Prozent.
"Dass wir drei uns hier um die Köder streiten!", scherzte Maschmeyer, während Ralf Dümmel (Bild) zitterte. "Was bist du wieder so nervös!?", sorgte sich Sitznachbarin Dagmar Wöhrl. "Bin so aufgeregt!" Das Glück war hier allerdings nicht auf seiner Seite, denn Maschmeyer bekam den Zuschlag.
Anders sah es bei "Taste Hero" aus - oder wie Maschmeyer das Produkt nannte: "Die kleinste Zapfanlage der Welt!" - "Den Claim schenk ich Ihnen", bot er großzügig an, war dann aber raus.
Jürgen Schade, Tochter Jana und Thorsten Schäfer (v.l.) aus dem Weserbergland haben einen Flaschenaufsatz entwickelt, der es in sich hat. Denn dank "Taste Hero" schmeckt Flaschenbier wie frisch gezapft.
Bislang gibt es vom "Taste Hero" allerdings nur Prototypen. Bei einer Blindverkostung mit Nils Glagau (Bild) kam einer davon zum Einsatz. Ausgestattet mit "Wetten, dass..?"-reifer Bier-Brille sollte der Investor sagen, welches von zwei Bieren frisch gezapft war.
Zielsicher entschied sich Glagau für das "Taste Hero"-Bier. "Vom Geschmack definitiv ein Unterschied", lobte er und bot nach etwas Bedenkzeit die gewünschten 50.000 Euro für 20 Prozent am Unternehmen an: "Ich steh hinter dem Produkt!"
Doch als Ralf Dümmel mit seinem "Rundum-Sorglos-Paket" um die Ecke kam, konnte Glagau einpacken. "Genial geiles Produkt", freute sich der Hamburger. "Ich glaube, ihr habt Gold hier! Das ist ein Millionenseller!" Dümmel wollte zwar 25 Prozent, aber egal. "Die machen jetzt ein Bier auf!", prognostizierte Maschmeyer.
Weniger feucht-fröhlich wird es bei den "Stickerstars" aus Berlin nach dem Pitch zugegangen sein. Mirko Lauterbach, Michael Janek und Fabian Bönsch (v.l.) mussten nämlich ohne Deal nach Hause. Dabei hatten die Investoren zuerst so viel Spaß mit ihrem eigenen "Die Höhle der Löwen"-Stickeralbum.
"Dagmar, ich würd dir 'nen Carsten Maschmeyer verkaufen", bot Ralf Dümmel an. Die hatte kein Interesse: "Jetzt hab ich den Carsten schon zweimal. Hast du die Daggi?" Und Maschmeyer selbst schwelgte in Erinnerungen: "Das hat alles angefangen mit den Flipper-Bildern, Bonanza, dann ging Fußball los ..."
Dank "Stickerstars" kann nun jeder Verein sein eigenes Sammelalbum bekommen. Und das komplett kostenlos, denn der lokale Supermarkt trägt die Kosten und vertreibt dafür exklusiv die Stickerpacks und die -alben. Das Problem von "Stickerstars": ihre Bewertung. Das Start-up wollte 800.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile.
"Ich hätte Lust, da mitzumachen, aber unmöglich für diese Bewertung!", erklärte Georg Kofler (rechts). "Ich muss es sagen: Da fühl ich mich übern Tisch gezogen! Eure Bewertung ist nicht akzeptabel."
Auch "SunCrafter" aus Berlin konnten keinen der "Löwen" für sich gewinnen. Die Gründer Lisa Wendzich und Bryce Flemingham nutzen ausrangierte Solarpanels als mobile Generatoren.
Die "SunCrafter" werden schon als Handy-Ladestationen auf Festivals und Events eingesetzt. Sie sollen aber auch Menschen in Entwicklungsländern zugutekommen, die noch keinen Zugang zu Strom haben. "Geschäfte in Afrika zu machen, das ist mir zu unübersichtlich!", erklärte etwa Kofler. Kein Deal.
Die drei boten in der "Höhle der Löwen" ihr nachhaltiges Trockenfleisch von Wildtieren (keine Massentierhaltung) an. Judith Williams griff bei der Verkostung nicht zu: "Ich bin gerade wieder vegetarisch geworden!" Aber: "Ich möchte euch mal ein Kompliment machen: Ich finde euer Outfit super!"
Doch auch Carsten Maschmeyer rümpfte die Nase: "Bist du auch vegetarisch geworden, Carsten?", erkundigte sich Williams. "Ich bin nicht vegetarisch, aber Trockenfleisch erinnert mich an mein Medizinstudium. Wenn wir in Anatomie die Leichen zersägt haben, dann sahen die Muskeln so aus." Danke!
Dagmar Wöhrl, Ralf Dümmel und Frank Thelen ließen sich davon aber nicht den Appetit am Start-up verderben. Als sich das Gründer-Trio zur Beratung zurückzog, war Dümmel kurz vor dem Kollaps: "Sowas regt mich auf. Da möchte ich nicht meinen Puls messen. Das ist für mich der schlimmste Moment der Sendung!"
Nach ein paar Nachverhandlungen (150.000 Euro für 15 Prozent) und Diskussionen mit Dagmar Wöhrl (Bild), wer jetzt der bessere Investor ist, bekam Dümmel schließlich den Zuschlag. "Schwere Geburt, Mensch!", stöhnte er.