Raus aus dem komfortablen Banker-Dasein in München, rein in die Zeltbehausung zwischen Schlangen und Spinnen in Ecuador. In "Goodbye Deutschland" wanderte eine Familie mit zwei kleinen Kindern aus ins Abenteuer und stellte fest: Die gefährlichen Tiere sollten ihr geringstes Problem sein.

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Tobias Schumacher hatte keinen Bock mehr. Der 33-jährige Bänker aus München will mehr vom Leben als "einfach nur der Kohle hinterherzuhecheln": Mit seiner ecuadorianischen Frau Ana und den beiden kleinen Kindern möchte er in Südamerika ein nachhaltiges Resort für Backpacker aufbauen. Außerdem will er sich "selber erziehen", herunterkommen von hausgemachtem Stress, übertriebenem Ehrgeiz und Ungeduld.

Ecuador: Grundstück gekauft, Hütte fehlt

Ein Grundstück in Ecuador, nahe der Pazifikküste, hat die Familie schon. Erst einmal soll im Zelt gelebt werden, und nach vier Monaten sollen die ersten Hütten stehen und Mieteinnahmen bringen. Als das "Goodbye Deutschland"-Team nach einem halben Jahr wieder bei dem selbstbewussten Münchner vorbeischaut, erlebt es eine Situation, die selbst in der langen Geschichte der Vox-Auswanderer-Show noch nicht dagewesen war: Hat Tobias eine ernstzunehmende Drohung erhalten?

Ana hätte es eigentlich noch gut in München aushalten können mit ihrem zweijährigen Rafael, dem neun Monate alten Baby Christiane und ihrem Mann Tobias. Als Zwölfjährige war sie mit ihrer Mutter aus Ecuador gekommen und hatte sich gut eingelebt. Doch der Ehemann der 26-jährigen Elektrikerin will jetzt raus. Inzwischen sei auch sie in die Idee "hineingewachsen", und nun wird dem Sohn erklärt, dass er mit den Spinnen in der neuen Heimat besser nicht Ei-ei macht, weil es sonst Aua gibt. Außerdem könnte es auf ihrem sechs Hektar großen Naturgrundstück zu Begegnungen mit Schlangen, Zecken und Ratten kommen.

"Goodbye Deutschland": "Freue mich auf mein erstes Geschäft"

Vor einem Jahr bereits haben die Schumachers ein Stück Land nahe dem Surfer-Städtchen Canoa gekauft. Ohne fließendes Wasser und Strom will die Familie dennoch direkt einziehen: mit Zelt. Die zahlreichen Freunde bei der Abschiedsparty in München sind sich einig: Wenn das einer schafft, dann der Tobi! Auch Ana erweist sich als tough: Frisch angekommen in der neuen Heimat bewahrt sie Ruhe für vier, wenn Tobias vor Ungeduld schier ausflippt.

Gemeinsam mit Tobias' Kumpel, der ebenfalls Tobias heißt und sich ein paar Monate freigenommen hat, reisen Schumachers ab, residieren nicht länger als vier Tage im Hotel und errichten in der Zeit auf ihrem Land einen Freiluft-Herd, zwei große Zelte, einen Hühnerstall und, das Wichtigste, ein Häuschen mit Kompost-Toilette ("Da freue ich mich schon auf mein erstes Geschäft!").

Auswandern bedeutet Stress

Zahlreiche Obstsorten hatten sie bereits im Jahr zuvor angebaut. Gepflegt vom befreundeten Nachbarn veranlasst der Ertrag den Grundbesitzer Tobias zu wiederholten "Geil!"-Rufen. Und in drei oder vier Monaten würden hier die ersten ein, zwei Hütten stehen und vermietet werden!

Ein halbes Jahr später hat sich viel verändert: Die Schumachers haben Wege angelegt, gepflanzt, gebaut. Tobias hat zehn Kilo abgenommen. Aber es ist wohl nicht nur der gesunde Selbstversorger-Lifestyle dafür verantwortlich, sondern auch die Erfahrung: "Auswandern ist Stress. Es kommt vieles unerwartet."

Der Macher aus München wirkt desillusioniert. Die hübsche Hütte auf Stelzen, in der die Familie nun lebt, sei aus vergleichsweise teuren, aber minderwertigen Materialien errichtet worden, die werde nicht lange halten. Auch die Regenzeit hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Pläne vom Hostel haben sich vorerst erledigt.

"Ich habe verdammt noch mal Sorge um meine Familie!"

"Man braucht viel Zeit, um die richtigen Leute kennenzulernen", weiß Tobias nun. Von gefährlichen Tieren ist nicht mehr die Rede, aber von gefährlichen Einheimischen - für ihn als "Gringo". Der ehemalige Besitzer des Grundstückes habe einen Teil des Landes wieder für sich reklamiert und soll gesagt haben "Kein Wunder, dass hier in Ecuador wegen Grundstücken so viele Leute sterben." Tobias ist außer sich: "Das ist für mich 'ne Bombe! Ich habe verdammt nochmal Sorge um meine Familie!"

Ein halbes Jahr nach der Anfangs-Euphorie empfängt ein von den Strapazen gezeichneter Tobias das TV-Team von "Goodbye Deutschland".

Gemeinsam mit Frau Ana stellt Tobias im Ort seinen Gegner zur Rede. Es gibt eine hitzige Diskussion mit ihm und allen, die sich solidarisch um ihn scharen und sich gegen Tobias stellen. Danach ist er "fast so sauer, dass man weinen könnte" - und auch nicht schlauer. Wie ernst ist diese Drohung zu nehmen? "Wir wurden heute für mein Empfinden extrem bedroht. Ich werde heute Nacht wahrscheinlich wenig schlafen."

Als hätte die Familie keine anderen Sorgen: "Irgendwie muss Kohl reinkommen." Die reiche Erdbeerernte hätten sich leider die Ameisen einverleibt, aber Kaffee wachse zum Beispiel gut. Die Ersparnisse wurden neu eingeteilt, müssen länger reichen. "Wir gehen 'poco a poco', das hörst du hier von allen Seiten: nach und nach." Von seinem Kontrahenten mit der verstörenden Äußerung hat Tobias wohl nichts mehr gehört. Aber Geduld üben und Ehrgeiz drosseln - das hat der Auswanderer auf seiner "Finca de la vida" - "Finca des Lebens" sollte das Projekt heißen - schnell gelernt.