Alles-muss-raus-Woche bei "Germany's next Topmodel": In Folge sechs hält Heidi Klum gleich vier Nachwuchsmodels für entbehrlich. Um das herauszufinden, brauchte die Klum nur ein bisschen Kies, Popcorn, Kakerlaken und drei Polaroidfotos. Eine ganz normale Folge also.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

Wie jeden Donnerstag stehen auch diesmal wieder die Gründe Schlange, warum "Germany's next Topmodel" schlimmes Fernsehen ist: Es ist oberflächlich, vorhersehbar, tierverachtend, manipulativ, als Unterhaltungsformat inzwischen schlicht kreuzlangweilig und wird moderiert von jemandem, der gelernt hat, hübsch auszusehen, aber offenbar nicht, wie man durch eine Show führt.

Maribel hat in Folge sechs der aktuellen Staffel noch einen Grund entdeckt, warum sie "Germany's next Topmodel" gerade nur so halbcool findet: "In meinen Augen ist es weder Kritik noch ein Verbesserungsvorschlag. Dann schmeißt mich doch einfach raus. Ich weiß nicht, woran ich arbeiten soll."

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Was Maribel meint, ist der Umstand, dass in der vergangenen Folge Fotograf Christian Anwander - Heidi Klum lag mit Parasitenbefall danieder - die Mädchen nach Fantasiekriterien bewertete und Maribel wegen ihrer mutmaßlich nicht vorhandenen Model-Qualitäten in den Shootout schickte.

Deshalb beklagt Maribel nun die recht unspezifische Kritik, aber Heidi Klum will die Sache lieber pragmatisch lösen und geht noch einmal laut ihren Bauernkalender durch: "Zum Glück bringt jede Woche neue Chancen und neue Herausforderungen."

GNTM 2020: Selbstbewusst für Frühlingsmäntel

Für Lijana, Anastasia und Jacky bedeutet das, dass sie zu einem Casting für ein Modeheftchen nach München fliegen müssen. Die anderen Damen bekommen noch einmal eine Übungseinheit im Herumlaufen. Wir haben es, man gönnt sich ja sonst nichts, im Folgenden also mit zwei Erzählebenen zu tun.

Jenseits des Atlantiks, in Los Angeles, soll ein gewisser Micky Kurz den Damen das Laufen beibringen und natürlich ist Micky Kurz nicht irgendwer, sondern hat quasi mit der Crème de la Crème de la Créme gearbeitet. Das gehört in der Topmodelwelt zum guten Ton. Da ist es egal, was du machst, Hauptsache du machst es mit der Weltelite.

Und so einer ist der Kurz Micky offenbar, weshalb er für die Damen auch nur Weltelitetipps parat hat: "Weniger Bitch, mehr Sonnenblume!", weist der Kurz ein Mädchen an und man ist über sich selbst erschrocken, dass man über eine solche Aussage nicht mehr erschrocken ist. GTNM wirkt. Sie baden gerade ihr Gehirn darin.

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Ähnlich absurd, aber auf einer ganz anderen Ebene, ist die Situation in München. Eine Frau, die sich als Chefredakteurin des Modeheftchens vorstellt, erklärt, dass sie gerne Frühlingsmäntel fotografieren möchte und dafür explizit selbstbewusste Models sucht. Man habe deshalb schon die drei selbstbewusstesten Damen der Staffel vorausgesucht, wie auch immer die Frau Chefredakteurin das gemacht hat.

Aber es ist ihr eben wichtig, dass es selbstbewusste Models sind, die da ihre Frühlingsmäntel präsentieren und man kann das bis zu einem gewissen Punkt auch nachvollziehen. Man stelle sich nur einmal vor, so ein Frühlingsmantel merkt beim Shooting, dass du gar nicht so selbstbewusst bist, wie du tust: Der macht dann mit dir, was er will. Also müssen die Mädchen Test-Polaroids machen und am Ende scheint Anastasia den Frühlingsmänteln am ehesten gewachsen zu sein.

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Für Lijana und Jacky geht es deshalb wieder zurück und das ist deshalb erwähnenswert, weil da gerade zwei Models zwischen Los Angeles und München hin und her geflogen sind – für drei Polaroids. OB'S NOCH KLAPPT, HABEN WIR GEFRAGT!

Aber auch in Los Angeles möchte die Klum zeigen, dass sie für ihre Show nicht nur auf Klimaschutz pfeift, sondern auch, dass sie Tiere lediglich als "lebendige Accessoires" betrachtet, die man für ein bisschen Quote in ihre Model-Sucherei einbauen kann. Also lässt sie Schaben, Vogelspinnen und Skorpione über die Damen krabbeln. Manchmal ist die Klum so 1980er.

Derweil zähmt Anastasia in München mit ihrem Selbstbewusstsein immer noch Frühlingsmäntel. "Es macht voll viel Spaß", erzählt der Model-Azubi. "Es macht auch Spaß zuzusehen", erwidert die Chefredakteurin des Modeheftchens und offenbart damit, dass man in München augenscheinlich eine ganz besondere Definition von Spaß hat.

Aber vielleicht ist das Ganze ja auch spaßiger, als es aussieht und wäre was für das Abenteuer-Portfolio von Jochen Schweizer. Canyoning, Bungee-Jumping und demnächst: Frühlingsmäntelshootingzugucking!

Doch man soll ja bekanntlich dann aufhören, wenn's am schönsten ist und deshalb ist Anastasia rechtzeitig zurück zum Folgen-Finale. Dort hat die Klum den "schwersten Entscheidungswalk aller Zeiten" aufgebaut, was bedeutet, dass die Models durch Popcorn, über Kies und über Glas laufen müssen. Angeblich so ein Designer-Ding.

Und so stöckeln und stürzen die jungen Frauen über den Catwalk bis die Klum unter Folge sechs einen Schlussstrich zieht und Cassandra, Marie, Pinar und Sarah S. erklärt, dass sie für Folge sieben nicht mehr mit ihnen plant. "Es hat wehgetan beim Zugucken", erklärt die Klum Sarah S. noch einen der Gründe und die antwortet: "Hat auch wehgetan, dabei zu sein." Ein schönes Schlusswort.

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