"'Germany's next Topmodel' 2020. Das bedeutet: Ich suche in diesem Jahr das 15. Topmodel Deutschlands", erzählt Heidi Klum gleich zu Beginn der neuen Staffel, als sei das etwas Gutes. Folge eins lief dann noch ein bisschen lau, verspricht aber noch Großes. Also: Lasset den Nonsens beginnen!

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

Es geht wieder los. Heidi Klums Gegenentwurf zur Fridays-for-Future-Bewegung. Wo die einen Jugendlichen für unser aller Zukunft auf die Straße gehen, stöckeln die anderen Jugendlichen für unser aller Amüsement über die Laufstege. Seit Donnerstagabend sucht die Klum wieder "Germany's next Topmodel", obwohl das alte Topmodel eigentlich noch gut war. So war jedenfalls der Auftakt.

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Das ist die Ausgangslage:

Wir alle haben noch die schrecklichen Bilder vom Finale 2019 vor Augen, als Heidi Klum das Gaga-Fernsehen in eine ganz neue Dimension katapultierte: Kandidatinnen, die sich auf einem Berg halbnackter Männer räkeln, eine pseudofeministische Modeschaudemo mit "Gott ist eine Frau"-Schildern und als Krönung die Live-Vermählung einer ausgeschiedenen Kandidatin mit Thomas Gottschalk und einem Kuscheltier als Trauzeugen.

Sollte man das Gesehene inzwischen verarbeitet haben und sich wieder trauen, den Fernseher anzuschalten, kann man das zumindest mit der Gewissheit tun, dass "Germany's next Topmodel" 2020 eigentlich nicht mehr schlimmer werden kann. Aber Heidi Klum ist ja immer für eine Überraschung gut.

Das ist neu:

Nüscht.

Das ist die Jury:

Wie schon im vergangenen Jahr praktiziert Heidi Klum auch 2020 wieder mit dem Prinzip der Einweg-Jury. Will heißen: In jeder Folge schneien neue Jury-Mitglieder aus der Modewelt herein, um die Kandidatinnen zu begutachten.

In Folge eins ist das ein gewisser Julien Macdonald, der laut Klum "einer der größten Modedesigner unserer Zeit" ist und als Chefdesigner für namhafte Modelabels gearbeitet hat. Kaum in der Show erzählt Macdonald auch gleich ganz stolz, welchen Stars aus Funk und Fernsehen er schon die Klamotten rausgelegt hat.

Und Herr Macdonald führt sich auch gleich mit einer Topleistung ein: "Ich denke, du bist sehr, sehr besonders. Zu einem tätowierten Körper gibt es selten ein so elegantes Gesicht", erklärt der Designer, als er die von Hals bis Fuß tätowierte Mareike begutachtet. Die berühmte Tattoo-Gesicht-Relation also. Kennt man ja. Zum Glück steigt später in Folge eins noch Milla Jovovic als Jurorin mit ein.

Das sind die Mädchen:

Noch ist es wie in jeder ersten Folge (hier in unserem GNTM-Couchticker zum Nachlesen) ein bisschen eine Einheitsmasse, es wird noch ein, zwei Folgen dauern, bis man sich wiederkehrende Gesichter gemerkt hat. Trotzdem fällt auf, dass ProSieben in diesem Jahr besonderen Wert auf eine heterogene Truppe gelegt hat: eine Transgender-Kandidatin, eine Kandidatin "mit Kurven", besagte tätowierte Mareike oder eine junge Frau mit krankheitsbedingter Glatze.

Daneben gibt es natürlich noch die Mädchen, die ein bisschen Aufmerksamkeit bekommen, weil man um sie herum eine kleine Geschichte erzählen kann, wie zum Beispiel Loré. Die junge Dame hat bereits gemodelt und zeigt nun in Folge eins, wie oft sie "Mailand" sagen kann. "Für mich gibt es nur eine Option und das ist weiterkommen", erklärt die ehrgeizige Loré, doch Heidi Klum hat noch eine weitere Option entdeckt und schickt die junge Dame nach Hause.

Das sind die Favoritinnen:

In den ersten Staffeln "Germany's next Topmodel" wurden die Teilnehmerinnen noch mit einem Wikipedia-Eintrag bezahlt, später kam dann eine Zweitverwertung als ProSieben-Moderatorin oder Dschungelcamp-Teilnehmerin hinzu.

Die heutige Währung sind längst Follower, dementsprechend kann wer möchte den Instagram-Profilen der Damen jederzeit ablesen, wer gerade am meisten von der Show profitiert. Die Gewinnerin von "Germany's next Topmodel" 2020 steht ohnehin schon fest und es ist wie schon in den Jahren zuvor: Heidi Klum.

Besondere Vorkommnisse:

Besonders eindrucksvoll war der Auftritt von Krystyna, die im roten Lackkleidchen und mit überlangen Fingernägeln erschien. Weil sie sich nicht ganz sicher war, ob Heidi Klum ihr wirklich einen Korb gegeben hat, fordert sie vom Team eine Absage "in schriftlicher Form per E-Mail".

Bei Marica war die Sache mit dem Korb anders gelegen, denn in ihrem Fall erteilte sie der Klum eine Absage. Nach der ersten Fashionshow haute die 27-Jährige spontan in den Sack mit der Begründung: "Ich bin zu alt für den Scheiß". Als ob man jemals jung genug dafür sein könnte.

Das Fazit:

Gerade am Anfang herrschte eine Atmosphäre wie bei der Eröffnung eines Möbel-Discounters, als die Bewerberinnen da bei frostigen Temperaturen in Sommerkleidung durchs Münchener Olympiagelände stöckelten.

Immerhin gab es am Abend dann noch eine Fashionshow, die ein bisschen von dem Glamour einhielt, den "Germany's next Topmodel" ja in jeder Folge verspricht. Allerdings mit einer Einschränkung, denn offenbar war das Ganze eine Second-Hand-Fashionshow, wie Designer Macdonald erklärt: "Dieses Kleider wurden von den größten Supermodels der Welt getragen."

Alles in allem also ein eher herkömmlicher GNTM-Auftakt, der ganze Wahnsinn wird sich aber ohnehin noch früh genug entfalten, mit all seinen Unter-Wasser-auf-dem-Dach-mit-einem-Fahrrad-als-Hut-Shootings. Dann mal los.

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