Wenn Filmstudios nichts mehr einfällt und sie auf der Suche nach einem sicheren Erfolg an der Kinokasse sind, dann greifen sie gerne auf Bewährtes zurück. Wie aber ausgerechnet die "Underworld"-Reihe zu etwas Bewährtem werden konnte, weiß kein Mensch. Spätestens nach dem neuen Teil "Underworld: Blood Wars" wäre es an der Zeit, die Vampir-Fehde endgültig ruhen zu lassen.

Eine Kritik
von Mathias Ottmann

"Underworld" - da war doch mal was … 2003 war der erste Teil der Reihe ein Überraschungserfolg im Kino. Vampire gegen Werwölfe, das Thema war damals noch nicht von "Twilight" versaut und der Film hatte zudem Kate Beckinsale im hautengen Latexanzug zu bieten.

Mittlerweile sind wir beim fünften Teil, "Underworld: Blood Wars", angekommen. Denn wie das so ist in Hollywood: Auf einen Blockbuster, an dessen Ende die Hauptfiguren noch am Leben sind, folgt eine Fortsetzung auf die nächste. Die müssen dann immer spektakulärer sein, immer neue Sensationen bieten und die Handlung immer weiter zuspitzen. Egal, ob das Sinn ergibt oder nicht.

Diesmal ist Kate Beckinsales Selene zu Beginn eine Ausgestoßene aus zwei Lagern: Die Vampire halten sie für eine Verräterin, die Werwölfe jagen sie, um an ihre Tochter zu gelangen, deren Blut den Schlüssel für den Sieg gegen die Vampire enthalten könnte.

Selene steht zwischen den Fronten, die zu allem Überfluss relativ fließend sind. Gefühlt jeder zweite Charakter in dem Film ist ein Verräter. Ob aus Liebe, aus Machtgier, aus fehlgeleitetem Ehrgefühl – die Gründe sind vielfältig. Sicher ist nur: Wer besonders böse oder besonders unschuldig schaut, wird sich innerhalb von Minuten als Intrigant herausstellen.

Nur Kate Beckinsale bleibt natürlich ihrer Linie treu. Sie schaut böse, weil ihr übel mitgespielt wurde, weil sie nicht weiß, wo ihre Tochter ist, weil alle sie umbringen wollen. Irgendeinen Grund gibt es ja immer, um schlecht gelaunt zu sein.

"Underworld: Blood Wars" ist qualitativ ein klassischer "Direkt auf DVD"-Film, kommt aber groß ins Kino, weil sich schon noch Menschen finden werden, die immer noch nicht genug von dem immer Gleichen haben. Die auch gerne bereit sind, einen Aufpreis für 3D zu zahlen, das wie ein ironischer Kommentar auf die Eindimensionalität der Handlung wirkt.

Kate Beckinsale ging für den Film auf große Werbetour – hatte aber offenbar keine große Lust darauf. Auf die Frage im Interview, was sie an der Story von "Blood Wars" besonders gereizt habe, beantwortete sie mit einem genervten "Ja, soll ich Ihnen jetzt den Film zusammenfassen?" Und erst auf Nachfrage erzählte sie von einer – aus ihrer Sicht – "interessanten Weiterentwicklung der Charaktere".

Ob die Arbeit an einem körperlich fordernden Film wie "Underworld" ihr besonders Spaß gemacht habe, quasi als Ausgleich zu der Arbeit an der – sehr sehenswerten – Jane-Austen-Adaption "Love and Friendship", die fast zeitgleich ins Kino kommt? "Das ist mein Beruf, und den nehme ich ernst. Spaß ist da der falsche Ausdruck."

Und auch die Frage, ob sie für einen eventuellen sechsten Teil zur Verfügung stehe, löste keine Begeisterung aus: "Wir müssen jetzt erst einmal abwarten, wie dieser Teil im Kino läuft. Dann können wir uns zusammensetzen." Solange die Geldmaschine funktioniert, soll sie also weiterlaufen. Aber es besteht ja noch Hoffnung, dass das Publikum doch irgendwann genug davon hat.