Einfach aus einem alten Hut noch ein paar schwule Männer hervorzaubern und fertig ist das neue Format. Mit "Mein Date, mein bester Freund und ich" hat Sat.1 die gefühlt 150. Datingshow ins Hauptabendprogramm geschossen.

Robert Penz
Eine Kritik
von Robert Penz
Dieser Artikel stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Worum’s geht? Eine illustre Schar an Paarungsfreudigen – bestehend aus Damen, die mit knappen Textilien kompensieren, und Männern, die sonst vorrangig in Muckibuden vorkommen, sollen einander in einer Villa auf Teneriffa besser kennenlernen und zu "Love Couples" avancieren. Jetzt die crazy Innovation: Die Damen werden jeweils von ihrem besten schwulen Freund sekundiert. Als Konsulenten sollen diese ihren "schnuckeligen Lieblingsbitches" bei der Partnerwahl unter die Arme greifen.

"Schock" gleich zu Beginn

Gleich zu Beginn aber ein echter Schock für 0,04 Prozent der Zuseher und mindestens 3,6 Nanosekunden: Keno, der in seinen Lebenslauf bereits "Influencer, Elektroingenieur und 'Bachelorette'-Gewinner" ziselieren durfte, scharte die Herde um sich, um sie von Folgendem stammelnd in Kenntnis zu setzen: "Ich hab für mich einfach entschieden, der Vibe hier im Haus, ich bin nicht richtig angekommen, ich fühl mich nicht wohl hier. Und im Haus zu bleiben, macht mich für mich wenig Sinn. Ich möchte das Haus verlassen."

Zu laut, zu klein, zu alkoholreich sei ihm das alles hier und überhaupt, meinte er bereits in der ersten Folge der neuen Serie. Reisende soll man bekanntlich nicht aufhalten und überhaupt: Es sind eh so viele Namen.

"Sie ist recht viel rumgekommen"

"Ich möchte hier ich selbst sein, was ich immer noch bin", lautete etwa ein Satz von Joanna, dessen Sinn sich all jenen vor den Fernsehgeräten, die ein bisschen mitarbeiten wollten, mit ein wenig Fantasie irgendwann durchaus erschließen konnte. Patrick aus Wien, der derzeit eine Ausbildung zum Lichttechniker macht und mächtig auf Joanna spitzte, wollte diesbezüglich ebenso punkten.

Seine "Authentität" (sic!) sei ihm wichtig, meinte er, während er sich mit David, dem schwulen Freund Joannas, an dem er gleichsam vorbeimusste, in der Competition "Wer mehr Klimmzüge schafft" matchte. "Sie ist schon eine spannende Frau, die recht viel rumgekommen ist", so David beim fragwürdigen Versuch, seine "Lieblingsbitch" ein wenig zu inszenieren.

Indes machte man sich in der Villa gegenseitig die Haare schön, spielte Max mit dem Ball und war Desy genervt, weil irgendeiner der Muckibudendauergäste ständig mit nacktem Oberkörper herumlief. Andere wiederum arbeiteten an ihrem Teint. Dauerbeschäftigte Bitches einfach.

Filippo: "Ich bin eine ansteckende Person"

"Du siehst wahnsinnig gut aus, hast wahnsinnig schöne Zähne, wahnsinnig schöne Augen. Wahnsinn", hielt sich Alessandro aus Wuppertal beim Blinde Date mit Maria, die ständig damit beschäftigt war, ihre Oberweite nicht aus den Textilien ausbüxen zu lassen, mit Komplimenten nicht groß zurück.

Indes scharrte Micha, der sich in Maria verliebt hatte, daheim in der Villa nervös mit den Vorderhufen. "Der ganze Tag war eine einzige Kopffickerei", so der von Eifersucht Gequälte, der ja nicht ahnen konnte, dass Alessandros wahnsinnige Wortwiederholungen bei Maria nicht so gut ankamen.

Weniger unsicher war da schon Singlemann Filippo, der am Montagabend irgendwie aus dem Nichts auftauchte und einen mit Sätzen wie "Ich möchte mich zeigen, wie ich wirklich bin. Nicht nur das Optische, dieses 'Hey, der Typ ist ein Motherfucker!'" und "Ich bin eine ansteckende Person" fast ein wenig begeisterte. Unmittelbar nachdem der selbstbewusste sizilianische Olivenbauer ein "Die Frauen, mit denen ich zu tun hatte, haben sich immer für mich entschieden – ich kenn’s gar nicht anders" abgesondert hatte, musste er die Heimreise antreten. Der Grund: Claudia entschied sich gegen ihn.

Irgendwer ist dann rausgeflogen

Dass am Ende Desy und ihr schwuler Freund Myci sowie Singlemann Maxi, die allesamt in den 135 Minuten zuvor eigentlich so gut wie gar nicht vorgekommen waren, aus der Villa rausgevotet wurden, war dann die finale Enttäuschung. Man kann ja auch beim "Tatort" nicht einfach mal die Kommissare Thiel und Boerne oder Eisner und Fellner einen Postboten als Täter entlarven lassen, der lediglich irgendwann zu Beginn irgendwo im Hintergrund mit seinem Trolley vorbeirollte.

"Mein Date, mein bester Freund und ich" ist maximal alter Wein in neuen Schläuchen und basiert zudem auf einem unausgegorenen Konzept, das dem Format wenig Struktur gibt und chaotisch anmutet. Dass "schwule Männer immer Freude bringen", wie einer der Kandidaten in der ersten Folge behauptete, davon war am Montagabend leider auch wenig zu merken. Reüssieren wird Sat.1 mit dieser Datingshow-Melange aus "Bachelor", "Prince Charming" und "Big Brother" langfristig wohl nicht können.