Voll verschätzt? Kopfschütteln bei "Bares für Rares" über Expertise

Eine neue Expertin stellte sich am Donnerstag bei "Bares für Rares" vor. Mit ihrer Einschätzung einer Schweine-Bronze konnten die Händler jedoch nicht viel anfangen.

Erich Bruckner hatte einen guten Grund, warum er die "Sauerei" loswerden wollte: "Ich habe keine Lust, diese 35 Kilogramm schwere Bronze-Skulptur wieder nach Hause zu fahren", erklärte er.
Lichters Neuzugang im Experten-Team sah sich die Bronze genauer an. "Wir haben wirklich eine wunderbare Vollbronze", schwärmte Dr. Friederike Werner. Der Bildhauer Wilhelm C. Robra aus Berlin sei "durchaus bekannt" gewesen, das Motiv "wirklich einzigartig". Die These, dass es sich um ein Unikat handele, konnte sie allerdings nicht mit Gewissheit bestätigen.
Während Dr. Friederike Werner die Sauerei mit den Augen begutachtete, wurde Horst Lichter handgreiflich. "Sind die schwer?", fragte er. Und bevor er eine Antwort bekam, versuchte er, die Bronze anzuheben. Zunächst vergeblich. "Die sind doch festgeschraubt!", mutmaßte der Moderator.
Auf die Frage nach dem Wunschpreis meinte Elisabeth Harth-Löffert: "1.200 Euro oder so, wenn das möglich ist, aber ich als Laie habe keine Ahnung." Dr. Friederike Werner erhöhte sogar auf 1.500 bis 1.800 Euro.
"Ihr geht auf jeden Fall heute mit ordentlich Kohle nach Hause", prognostizierte Lichter, als er die Freunde aus Hessen verabschiedete, um sie mit der Händlerkarte in den Verkaufsraum zu schicken.
"Tja Engelchen, da hast du aber zwei Säue mitgebracht, mein lieber Mann!", begrüßte Walter Lehnertz (l.) die Dame. Die schlechte Nachricht: "Wir haben gerade den Künstler nachgeguckt, der wird nicht so hoch gehandelt." Lehnertz eröffnete mit 80 Euro, Steffen Mandel (r.) und Fabian Kahl (2.v.r.) erhöhten auf 220 Euro.
"Bedenken Sie bitte, dass es ein Unikat ist", bat Elisabeth Harth-Löffert. Lehnertz hakte nach, ob das bewiesen sei. Die Verkaufswillige gab zu, dass die Expertin diesen Status zwar für möglich hielt, aber nicht ausdrücklich bestätigt hatte. Dass die ursprüngliche Verkäuferin dies behauptet hatte, quittierten die Händler nur mit einem müden Lächeln.
Julian Schmitz-Avila wollte wissen, wie hoch die Expertise der neuen Kollegin war. "1.800", erwiderte Elisabeth Harth-Löffert. Schmitz-Avila staunte: "Euro?"
"Wir haben gerade nachgeschaut und viele Bronzen von diesem Künstler gefunden", plauderte Fabian Kahl (M.) aus dem Nähkästchen. Die seien alle günstiger gewesen. "Ich kann den Preis nicht nachvollziehen", sagte Susanne Steiger und Walter Lehnertz stimmte zu. Steffen Mandel (r.) bot 300 Euro. "Macht noch jemand was Verrücktes von uns?", fragte Schmitz-Avila (l.).
"Unter 1.000 auf keinen Fall", beharrte Elisabeth Harth-Löffert. Nachdem kein Händler "was Verrücktes" machte, blieb nur Schmitz-Avilas Trost: "Wir helfen Ihnen beim Raustragen." Harth-Löffert war ein bisschen enttäuscht. Lichter fand es hingegen nicht schlimm, dass Expertin und Händler unterschiedlich urteilten. "Tolle Frau" war sein Fazit über Dr. Werner.
"Schöne kleine Bilder - rund und trotzdem eckig" - so die "Expertise" von Horst Lichter. Zum Glück stand ihm Dr. Friederike Werner zur Seite und wusste, dass Ölgemälde von Charles R. Pettafor bis zu 800 Euro erzielen können. Fabian Kahl waren sie immerhin 500 Euro wert.
"Es ist selten, ich habe so etwas noch nie gesehen", sagte Friederike Rothe aus Chemnitz über ihr Polyphon aus der Jahrhundertwende. Lichter tanzte ein wenig, als Experte Kümmel am Rad drehte. Der Wunschpreis für den Vorgänger des Plattenspielers mitsamt 53 Lochplatten: 1.000 Euro. Detlev Kümmel hielt das Doppelte für möglich. Fabian Kahl schlug für 950 zu.