Um diesen Schaukelstuhl rissen sich die "Bares für Rares"-Händler

Katrin Weth und Chrysantha Hofmann aus der Nähe von Heidelberg wollten sich schweren Herzens von ihrem Schaukelstuhl trennen, der schon seit langem im Familienbesitz war. Sie erlebten eine Überraschung.

Beim Anblick ihrer Gesichter erkannte Horst Lichter sofort, dass sich Mutter und Tochter nur schwer von ihrem Schaukelstuhl trennen konnten. In der Donnerstagsausgabe der ZDF-Trödelshow "Bares für Rares" wollten Chrysantha Hofmann und Katrin Weth aus der Nähe von Heidelberg den Stuhl veräußern.
Wie kam der Stuhl in die Familie? Es war Liebe auf den ersten Blick: Chrysantha Hofmann hatte sich vor 50 Jahren nicht nur in ihren Mann, sondern auch in den Stuhl ihrer Schwiegereltern verliebt. Die hatten ihn ihr dann zur Hochzeit geschenkt. "Mein Mann erinnert sich sogar noch, wie er als Kind immer in dem Stuhl geschaukelt hat", erzählte sie.
Man sah dem Stuhl an, dass er geliebt wurde. An der Lehne erkannte der Experte Beschädigungen, Risse und Brüche. "Der dunkle Riss wurde bereits einmal restauriert und die helle Stelle ist ein Bruch neueren Datums", monierte Experte Albert Maier. Das waren jedoch die einzigen Mängel, die Maier feststellte.
"Auch aufgrund der Form und Gestaltung erkennt man sehr gut, dass dieser Stuhl aus Wien stammt. Das Stück ist ein typisches Beispiel des Wiener Jugendstils um 1900", fing Experte Maier an zu schwärmen. Dieses Exemplar wurde ab 1915 gefertigt und trug die Handschrift des bekannten Architekten und Designers Josef Hoffmann.
"Besonders interessant ist das Material: Buchenholz", fuhr Maier fort. Die Firma Kohn war seit den 1860/70er-Jahren dafür bekannt, Buchenholz unter Dampfeinwirkung biegsam zu machen. "Außergewöhnlich ist die Sitzfläche hier, die nicht mit einer geflochtenen, sondern mit einer Sitzfläche aus Holz ausgestattet ist. Das ist eine Seltenheit!"
"Toll!", meldete sich Horst Lichter zu Wort. Doch wie viel wollten die Damen für den Stuhl haben? "Mein Wunschpreis ist vierstellig. Nächstes Jahr stehen drei Jubiläen an, die groß gefeiert werden. Und dafür wollen wir den Erlös für den Stuhl nutzen." Maier ging sogar höher: "1.000 bis 1.500 Euro müssten bei dem Namen Josef Hoffmann drin sein."
Im Händlerraum herrschte erstmal andere Stimmung: Walter Lehnertz (Bild) fand den Stuhl überhaupt nicht interessant: "Also, ihr gefällt mir viel besser als der Stuhl!" Die beiden Verkäuferinnen wirkten gekränkt. Doch Händler Schmitz-Avila ergänzte versöhnlich: "Wir finden den Stuhl mindestens genauso nett wie sie!"
Auch die Beschädigungen an der Stuhllehne fielen negativ auf. Julian Schmitz-Avila (Mitte) eröffnete dennoch mit 400 Euro, wurde jedoch sofort von Fabian Kahl (zweiter von rechts) mit 500 Euro überboten. Nach einem kleinen Duell zwischen den beiden Kollegen schaltete sich ein dritter Händler ein: Daniel Meyer (rechts) bot 700 Euro
Zielstrebig bot Fabian Kahl (Mitte) weiter: "Mir gefällt der Stuhl einfach sehr gut. Ich mach mein Gebot vierstellig!" Daniel Meyer (rechts) beschrieb den Schaukelstuhl als "museal" und erhöhte auf 1.200 Euro. Doch das war noch nicht das Ende. Schnell wurde bis 2.000 Euro hochgepokert - mit dem trockenen Zusatz von Meyer: "Vergiss es, den kriegst du nicht!"
Und er hielt sein Wort: Für sage und schreibe 2.390 Euro ging das Herzensstück an Daniel Meyer (rechts). "Toll, dass wir einen Liebhaber gefunden haben", freute sich die Tochter über den Verkauf. "Das ist wirklich auch ein Liebhaberpreis! Und ein tolles Objekt!", so der glückliche Händler.
Nach dieser bewegenden Geschichte war Horst Lichter auf den Ausgang im Händlerraum gespannt. "Na, Chrysantha! Gut gelaufen?", lachte der Moderator. Als die Verkäuferin ihm stolz ihren Erlös gezeigt hatte, konnte Lichter gar keine langen Reden mehr schwingen, sondern verteilte stattdessen Küsschen zum Abschied.
Ebenfalls über den Händlertisch ging eine Spieluhr mit Christbaumständer aus den Jahren um 1910 bis 1915. Auch dieses besondere Stück fand großen Zuspruch bei den Händlern. Nach einem langen Bieterduell erhielt wieder Daniel Meyer den Zuschlag: für 1.160 Euro. Experte Detlev Kümmel schätzte das Stück nur auf 500 bis 600 Euro.
Alle guten Dinge sind drei: Auch ein Tauchspulenmikrofon aus den Jahren 1955 bis 1960 der Firma Telefunken ging für 130 Euro an Händler Daniel Meyer.