Lass jucken: "Bares für Rares" wird zum "Floh-Markt"

Eine 200 Jahre alte Flohfalle mag schon kurios genug erscheinen, doch erst die Preisvorstellung der Verkäuferinnen raubte Horst Lichter den Atem. Händler Ludwig "Lucki" Hofmaier wetterte indes gegen die Expertise.

Am Donnerstag stockte "Bares für Rares"-Moderator Horst Lichter gleich mehrfach der Atem. Schuld waren das Mitbringsel und die Preisvorstellung zweier Freundinnen. Sie hatten ein "mindestens 200 Jahre" altes Kuriosum dabei, das sich als wahre Geldfalle entpuppen sollte.
"Zwei Damen und ein junger Mann, da kann ich nicht lange fehlen", platzte Horst Lichter ins Bild, während Experte Fabian Benöhr das kleine Mitbringsel mit der Lupe unter dieselbe nahm. "Wat is dat denn für ein Ding?", wollte der Moderator sogleich wissen. Ebba Köhl und ihre beste Freundin Rosemarie Glunz aus Bonn brachten eine historische Flohfalle mit.
"Früher haben die Leute das entweder unter der Perücke getragen oder irgendwo am Busen versteckt", erklärte Ebba Köhl. Sie hatte die Flohfalle von ihren Urgroßeltern geerbt. Die Erfindung war einer historischen Kuriosität zu verdanken. "Es hieß damals, Waschen sei gesundheitsschädlich", erklärte Fabian Benöhr. Eine gute Zeit für Flöhe!
"Deshalb musste man sich mit so einem kleinen Automaten behelfen", so der Experte. Benöhr erklärte die Funktionalität: Ein Lockstoff wie Blut, Honig oder Sirup wurde auf ein Tuch geträufelt, die Falle aufgeschraubt und das Tuch darin platziert. "Die Flöhe krabbelten rein, wurden dick und sind nicht mehr rausgekommen."
"Nicht unter 300 Euro", sagte Ebba Köhl. Lichter geriet in Schockstarre, dann schnappte er nach Luft. "Ich dachte, Sie fallen um", sorgte sich die Verkäuferin. "Mir fiel ein, ich muss weiteratmen", beruhigte Lichter. Dennoch war klar, was Lichter signalisieren wollte: Den Preis fand er überzogen, insbesondere, da die Falle Makel aufwies.
"Halten Sie sich fest", empfahl der Experte. Mehr als 180 bis 220 Euro seien nicht drin, so Benöhr. Die Damen zögerten, dann gingen sie doch noch in den Händlerraum. "Ich bin die Überbringerin dieses Päckchens", verkündete Rosemarie Glunz feierlich. "Sieht aus wie Cartier", lag Fabian Kahl völlig falsch."Eine Flohfalle", erkannte Walter Lehnertz dagegen ganz richtig.
"Aus echtem Elfenbein?", wollte Wolfgang Pauritsch (links) wissen. "Vielleicht", stimmte Ebba Köhl zu. Dann entdeckte sie ihr Verkaufstalent. Elfenbein wäre "sehr wahrscheinlich", schließlich sei das gute Stück Jahrhunderte alt und aus adeligem Hause. "Ein sehr schönes Stück, aber leider nur Knochen, eindeutig", widersprach Ludwig Hofmaier (rechts) deutlich.
Ludwig Hofmaier bezweifelte mit seiner Skepsis auch die Expertise von Fabian Benöhr, denn der hatte Elfenbein für wahrscheinlich gehalten. Vermutlich ein Produkt aus Asien, vermutete der Händler abfällig. Nun widersprachen die Gäste vehement: Aus Deutschland oder einem Nachbarland komme das Mitbringsel.
"China ist auch ein Nachbarland von uns", scherzte Lehnertz. "Damals doch noch nicht!", wehrte sich Ebba Köhl. Fest stand: "Es ist eine Antiquität", glättete Wolfgang Pauritsch die Wogen. Lehnertz bot wie üblich 80 Euro. "Ein Flohgebot", fand Fabian Kahl. Er, Pauritsch und Lehnertz legten stetig nach, doch die Verkäuferin sagte stets: "Das ist mir zu wenig."
"Ebba möchte den Erlös ihren Enkeln schenken", versuchte Rosemarie Glunz (rechts) es mit einer emotionalen Herangehensweise. 150 seien sein "letztes Wort", so Pauritsch. Die Damen stimmten zögerlich zu. "Ich wollte das nicht nochmal mitnehmen und für den Flohmarkt taugt es nicht", erklärte Ebba. Nichts für den Flohmarkt? Schönes Bonmot.
Eigentlich soll Wendela Horz Verkaufsobjekte taxieren, doch Lichter bat um "eine Expertise vorab - was sagst du zu unserem Outfit?" Horz lobte den Partnerlook, denn Lichter und Helga Quantius aus Meckenheim trugen beide Jeans-Mode. Auch zur Brosche aus 750er-Gold hatte Horz eine Meinung. Sie empfahl bis 550 Euro. Susanne Steiger kaufte für 530.
"Albert, wo guckst du denn hin?!", fragte Lichter erstaunt. Experte Maier starrte auf das Hinterteil eines Pferdes. Das wiederum gehörte zu einer bronzierten Keramik-Skulptur. Darauf saß ein germanischer Krieger. Kirsten Diesmar aus Oberhausen wollte 700 Euro für das Erbstück, Albert Maier erhöhte auf 1.800. Fabian Kahl zahlte 1.200.
Und auch diese Radierung von Heinrich Vogeler sollte einen vierstelligen Preis bringen. Da es jedoch ein weniger begehrtes Spätwerk des bekannten Jugendstil-Künstlers war, bekam Susanne Steiger bereits für 550 Euro den Zuschlag für das Bild.