Rätselraten bei "Bares für Rares": Antikes Accessoire oder schmucke Waffe?

Noch nicht einmal die Verkäuferin selbst kann sich erklären, an welch eigenartige Tasche sie durch ihre Großtante geraten ist. Um Antworten zu finden, ist sie beim "Bares für Rares"-Experten Albert Maier genau an der richtigen Adresse - und ziemlich erstaunt. © 1&1 Mail & Media/teleschau

"Da hätte man tagelang drüber philosophieren können und wäre nie auf einen grünen Zweig gekommen", ist sich Horst Lichter sicher. Um herauszufinden, welche Kuriosität die Verkäuferin da zu "Bares für Rares" mitgebracht hat, muss der Experte ran.
Die Verkäuferin hat das rätselhafte Stück von ihrer Großtante geerbt, die sei immer viel auf Reisen gewesen. Die Kandidatin ist selbst sehr gespannt darauf, von Albert Maier zu erfahren, was es mit der seltsamen Tasche aus Leder und Metall auf sich haben könnte.
Experte Albert Maier ordnet das Objekt dem asiatischen Raum zu, genauer eingegrenzt: Tibet. An der Applikation könne man noch deutlich den "endlosen Knoten" erkennen, "der für Weisheit und Glückseligkeit im buddhistischen Glauben steht".
Auch den Entstehungszeitraum der geheimnisvollen Tasche kann Albert Maier nennen: Sie stammt ungefähr aus dem Jahr 1850. Doch welchem Zweck diente das Stück bloß? Der Experte holt aus: "Mit einer Handtasche hat es überhaupt nichts zu tun." Sondern?
Maier führt vor: "Man nimmt es so in die Hand ... und schlägt so zu! Es ist ein Eisenschläger." Eine Tasche als Schlagwerkzeug? Wozu? "Wenn die Scheiben am Auto vereist sind", frotzelt Horst Lichter. "Oder als Waffe!" Weit gefehlt. Maier macht es spannend.
"Hier waren ein Feuerstein drin und Zunder." Man haute also mit der Metallkante der Tasche auf den Feuerstein. Somit handelt es sich bei dem Objekt weniger um ein antikes Accessoire als vielmehr um: "Ein Feuerzeug", wie Horst Lichter jubelt. "Ich wäre von alleine darauf nicht gekommen", sagt die Verkäuferin.
"Es ist eine Antiquität, eine Rarität und eine Kuriosität, drei Dinge auf einmal", fasst Horst Lichter für die Verkäuferin zusammen. Angesichts dessen will man ihre bescheidene Preisvorstellung von 50 Euro nicht stehenlassen. Experte Maier legt sich auf 150 Euro fest.
Auch die Händler sind fasziniert von der Kuriosität mit dem Korallenwürfel als Zierde. Julian Schmitz-Avila startet die Auktion gleich mit dem Schätzpreis von 150 Euro. Als David Suppes irgendwann nach der Expertise fragt, hält sich die Verkäuferin zurück.
"Wenn sie es sagen möchten", kommt ihr Händlerin Elisabeth Nüdling zu Hilfe. "Möchte ich nicht", bleibt die Verkäuferin cool. Schließlich liegen die Gebote da schon oberhalb der Expertenschätzung.
Am Ende geht die antike Feuertasche für 210 Euro an Steffen "Steve" Mandel.
Als nicht ganz so kurios, dafür aber umso kostbarer erweist sich die Glaskaraffe von Hukin & Heath aus Birmingham von 1909, bei deren Anblick man den guten Single Malt schon beinahe schmecken kann. Die Verkäuferin nennt einen stolzen Preis: 1.500 Euro.
Bestätigt durch die Expertise (1.200 bis 1.500 Euro) von Wendela Horz bleibt die Verkäuferin auch im Händlerraum unerbittlich. "Das ist meine Schmerzgrenze." Mit Erfolg: Am Ende blättert David Suppes die vollen 1.500 Euro für die Karaffe hin.
Als Spielzeug für den kleinen Sohn hat sich dieses Flohmarkt-Schnäppchen als ungeeignet erwiesen. Um das Team von "Bares für Rares" zu erheitern, hat sich das Spielkissen der niederländischen Firma Colorique Interior (1980er bis 1990er) gelohnt.
Elisabeth Nüdling bricht beim Anblick der Rarität in Gelächter aus. David Suppes zeigt als einziger Kaufinteresse und lässt sich auf 60 Euro hochhandeln. Das ist weniger als die Expertise (80 bis 100 Euro), aber das Dreifache der 20 Euro, die der Verkäufer bezahlt hat.
Horst Lichter hat seine eigene Theorie, woher die Beschädigungen an diesem Erbstück von der Großmutter stammen könnten: "Ist wahrscheinlich mal dem Oppa hinterher geflogen ..." Albert Maier schätzt den Wert der französischen Tischuhr auf 150 bis 200 Euro.
Mehr als 150 Euro will niemand für die Tischuhr von ECK & Mailly aus der Zeit um 1890 bieten. Der Verkäufer nimmt's gelassen und seine Uhr wieder mit. "Letztendlich ist es ein Familienerbstück, dann bleibt sie eben bei uns noch stehen."
Den Wert dieser sogenannten Talerklippe, einer viereckigen Münze aus dem Jahr 1679 in Silber, schätzt Expertin Wendela Horz auf 500 bis 600 Euro.
Die Verkäuferin wünscht sich zumindest für jedes Jahr, das die Münze auf dem Buckel hat, einen Euro, "also 441 Euro". Zwar deckt Steve Mandel den Rechenfehler auf ("Sind wir da nicht einen Hunderter zu hoch?"), trotzdem bezahlt David Suppes 440 Euro.
Als Mitarbeiter des Folkwang Museums in Essen hat der Großvater dieses Verkäufers eine Grafiksammlung der Künstler Lenk, Mack, Pfahler und Uecker erhalten, und zwar von Günther Uecker persönlich. Außergewöhnlich daran ist, dass die Mappe auch Signaturen der Künstler enthält.
Händler Fabian Kahl erkennt den Wert der Mappe (Expertise: 2.000 bis 2.400 Euro) und ist bereit, sie für 2.050 Euro zu ersteigern. "Sie hat Unikat-Charakter."