Siegfried Fischbacher ist tot: Sein Leben an der Seite von Roy

Im Alter von 81 Jahren ist Siegfried Fischbacher gestorben. Er folgt damit seinem im Mai 2020 verstorbenen Zauberer-Gefährten Roy Horn. Das Duo zählt zu den erfolgreichsten Magiern aller Zeiten. Wir blicken zurück auf das Leben von Siegfried und Roy. (thp/mit Material der dpa und AFP)

Geboren wird Siegfried Fischbacher am 13. Juni 1939 in Rosenheim als zweites von drei Kindern. Sein Vater ist Alkoholiker. Berichten zufolge soll Siegfried mit acht Jahren begonnen haben, Zaubertricks aufzuführen, um die Aufmerksamkeit seines Vaters auf sich zu ziehen.
Als junger Mann macht Siegfried zunächst eine Ausbildung zum Weber. 1959 heuert er als Steward auf dem Kreuzfahrtschiff "Bremen" an - eine schicksalhafte Entscheidung.
Denn dort lernt er 1960 den am 3. Oktober 1944 in Nordenham geborenen Roy Uwe Ludwig Horn kennen. Dieser sieht sich Siegfrieds Zauberprogramm an, das der neben seinem Job an Bord aufführt. "Um ganz ehrlich zu sein, ist die ganze Zauberei doch sehr vorhersehbar", habe Roy ihn später provoziert, berichtet Siegfried später. Er sei wütend gewesen. "Für mich war er nur ein kleiner Spinner, der keine Ahnung hatte."
Dennoch treten die beiden schon bald zusammen als Zauberer auf dem Schiff auf. Es ist die Geburtsstunde des Magier-Duos "Siegfried und Roy".
1966 tritt das Duo in Monte Carlo vor Fürstin Gracia Patricia, auch bekannt als Grace Kelly, auf und schafft dadurch den internationalen Durchbruch. Es folgen Auftritte in Paris, Hollywood und Japan. Als sie vom "Mirage"-Hotel in Las Vegas Ende der 1980er fest engagiert werden, sind sie auf dem Zenit ihrer Karriere.
Obwohl bereits jeder ahnt, dass das Duo auch ein Liebespaar ist, outen sich die Magier erst 1996. Zwei Jahre später zerbricht die Beziehung allerdings. Die beiden bleiben aber eng befreundet und arbeiten auch weiterhin zusammen.
Am 3. Oktober 2003 wird die Zauberkarriere der beiden durch einen Schicksalsschlag beendet. Roy wird durch den Tiger Montecore schwer verletzt. Das Tier beißt den Magier in den Hals und zerrt ihn hinter die Bühne. Zudem erleidet Roy einen Schlaganfall.
Roy schwebt nach der Attacke lange in Lebensgefahr. Danach ist er teilweise gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Nach insgesamt 5.750 Vorstellungen im "Mirage" beendet das Duo deshalb seine Karriere.
Siegfried weicht nicht von Roys Seite und betreut ihn in den darauffolgenden Jahren. Trotz der gesundheitlichen Schäden nach dem Angriff verteidigen Siegfried und Roy den Tiger Montecore später.
Roy zum Beispiel ist der Ansicht, das Tier habe gespürt, dass er einen Schlaganfall gehabt habe und habe ihn schützen wollen. Experten sehen aber vielmehr den Angriff des Tigers als Auslöser für den Schlaganfall.
In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung behauptet Mark Brennan, ein ehemaliger Dompteur des Duos, später, dass es bis 2003 jede Woche zu einem Angriff durch einen der Tiger gekommen sei. "Auch Roys Arme, Beine und sein Rücken sind voller Narben. Die Chefs haben alles geheim gehalten", so Brennan.
Am 8. Mai 2020 stirbt Roy Horn an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus. Siegfried Fischbacher zeigt sich von dem Verlust schwer getroffen. "Heute hat die Welt einen der Großen der Magie verloren, aber ich habe meinen besten Freund verloren", erklärt er in einer Mitteilung.
Wenige Monate später folgt Fischbacher seinem Freund nach. Am 13. Januar 2021 stirbt er mit 81 Jahren in seinem Anwesen "Little Bavaria" in Las Vegas an Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Wie er der "Bild"-Zeitung noch kurz vor seinem Tod sagt, glaubt er fest daran, seinen Wegbegleiter Roy im Jenseits wieder zu treffen. Dieser sei "jetzt drüben angekommen und bereitet dort alles für mich vor - das hat er mir so versprochen".