Karl Dall ist tot: Als rotzfrecher Faxenmacher zum Erfolg

Markantes Äußeres und respektlos gegenüber jedweder Prominenz: Karl Dall konnte ebenso blödeln wie boshaft sein und wurde zum Altmeister des schrägen Humors. Nun ist er im Alter von 79 Jahren verstorben. Mit dem Tod Dalls verliert Deutschland ein Urgestein der Komik.

Geboren wird Karl Bernhard Dall am 01. Februar 1941 im ostfriesischen Emden. Zunächst sprach wenig in seinem Leben für eine Karriere als Komiker. Dem Wunsch seiner Eltern zufolge sollte er Beamter werden. Dall selbst wollte hingegen ursprünglich als Fotograf oder Kameramann arbeiten.
Nach dem vermasselten Schulabgang - in der zehnten Klasse brach er ab - platzten elterliche und eigene Träume. Dafür war er als Klassenclown bekannt: "Komisch fand ich mich nicht, aber alle haben über mich gelacht", erzählte er später. Dall, der wegen seiner Lidmuskelschwäche oft gehänselt wurde, machte das Beste daraus - und wurde Berufskomiker.
Nach einer Schriftsetzer-Lehre und Gelegenheitsjobs traf er auf Liedermacher Ingo Insterburg. Zusammen gründeten sie 1967 die humoristisch-anarchistische Musikgruppe Insterburg & Co. Das Gespann wurde schnell zum Geheimtipp in der Studentenszene und befeuerte Dalls Karriere.
Bevor die Blödel-Truppe Ende der 70er auseinanderging, hatte Dall Kontakte zum Fernsehen geknüpft. Er brachte den "Musikladen" mit auf den Bildschirm, assistierte bei Rudi Carrells "Am laufenden Band" und spielte in "Verstehen Sie Spaß?" Telefonstreiche.
Von 1985 bis 1991 moderierte er dort unter anderem seine eigene TV-Sendung "Dall-As". In seinen Talkshows ging Dall wenig zimperlich mit seinen Gästen um, die er oft rotzig provozierte. "Jeder wollte mal mit Dall am Tisch sitzen und sich verarschen lassen - wer da nicht dabei gewesen war, gehörte nicht in die Showbranche", resümierte er später.
Als Schauspieler stand er zudem für zahlreiche Produktionen vor der Kamera. So wirkte er unter anderem in der Karl May Verfilmung "Winnetou – 1. Teil" von 1963 mit. Vor allem war er aber in Komödien zu sehen. So wie hier in der Erotikkomödie "Sunshine Reggae auf Ibiza" (1983), in der er die Hauptrolle hatte – und für die er vernichtende Kritiken erntete.
Fernsehgeschichte schrieb sein spektakulärer Wechsel zu Sat.1 wo er ab 1992 die Show "Jux und Dallerei" übernahm. Dall kommentierte die Entscheidung später mit den Worten: "Bei RTL habe ich mir die Sporen verdient, bei Sat.1 die Mäuse."
1995 kehrte Dall zu RTL zurück. Dort moderierte er etwa "Karls Kneipe" und wirkte in Rudi Carrells Show "7 Tage - 7 Köpfe" mit. Später war er nur noch selten auf dem Bildschirm zu sehen.
Möglichkeiten hätte es aber zur Genüge gegeben. Er habe Angebote für "Promi Big Brother" und das TV-Dschungelcamp erhalten - "in der Hoffnung, dass ich da die Hosen runterlasse", erzählte Dall vor einigen Jahren. Nicht zuletzt, weil seine Frau ihm gedroht hätte, ihn zu verlassen, würde er allerdings lieber "Klos putzen", als bei solchen Shows mitzumachen.
Dall und seine Frau Barbara hatten 1971 geheiratet und blieben bis zu seinem Tod zusammen. Das Paar hat eine Tochter namens Janina, die als Stuntfrau arbeitet.
"An eine neue TV-Karriere glaube ich zwar nicht mehr, aber ich würde gern noch einmal zeigen, was ich draufhabe", sagte Dall einmal kurz vor seinem 76. Geburtstag. Tatsächlich sollte er für die ARD-Serie "Rote Rosen" auch wieder regelmäßig ins Fernsehen zurückkehren.
Anfang November starteten die Dreharbeiten für Dalls Rolle als Alt-Rockstar Richie Sky in der Seifenoper. Doch nur wenige Tage später erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. Wie seine Familie mitteilen ließ, habe er danach das Bewusstsein nicht mehr wiedererlangt und sei am 23. November "friedlich eingeschlafen". (thp/mit Material der dpa)