100 Jahre Beate Uhse: Ihr Weg von der Pilotin zur Unternehmerin

Bei dem Namen Beate Uhse denken viele unweigerlich an Erotik. Genau das war die Absicht der erfolgreichen Unternehmerin, die entscheidend dazu beitrug, das Thema Sex in Deutschland zu enttabuisieren. Anlässlich ihres 100. Geburtstages am 25. Oktober blicken wir auf ihr beeindruckendes Leben zurück, das so manche Überraschung bereithielt. © spot on news

Beate Uhse, die eigentlich Beate Köstlin hieß, wurde im Jahr 1919 geboren. Ihre Eltern, ein Landwirt und eine der ersten Ärztinnen Deutschlands, prägten ihr späteres Leben, indem sie sie frei und liberal erzogen und offen aufklärten.
Mit 15 Jahren wurde sie hessische Meisterin im Speerwurf, machte ihre Reifeprüfung und ging im Alter von 16 Jahren als Au-Pair-Mädchen nach England, um die englische Sprache zu lernen. Anschließend absolvierte sie auf Wunsch ihrer Eltern eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin. Ihr Interesse weckte jedoch ein anderer Beruf:
1937 nahm sie ihre erste Flugstunde, drei Wochen später saß sie bereits allein am Steuerknüppel eines Flugzeugs. An ihrem 18. Geburtstag erhielt sie den Flugzeugführerschein A2. Von da an arbeitete sie als Pilotin, auch für die Wehrmacht. Sie wurde sogar zum Hauptmann der Luftwaffe ernannt. Die Besatzungsmächte verbaten ihr nach Kriegsende aber das Fliegen.
1939 heiratete sie ihren Fluglehrer Hans-Jürgen Uhse, der jedoch bei einer Flugzeugkollision 1944 ums Leben kam. Um sich und ihren Sohn Klaus (*1943) nach dem Krieg über Wasser zu halten, verkaufte sie Dinge auf dem Schwarzmarkt. Dort sollte sie ihre ersten Schritte als Geschäftsfrau gehen, denn aus Gesprächen mit anderen Frauen erfuhr sie, wie sexuell frustriert diese waren.
Angesichts der Zukunftsangst nach dem Krieg war der Wunsch zudem groß, Schwangerschaften unbedingt zu vermeiden, was Beate Uhse dazu veranlasste, eine Broschüre über Verhütungsmethoden namens "Schrift X" für 50 Pfennig das Stück zu verkaufen. 32.000 Exemplare wurde sie los und sparte so ein Startkapital für ihre erste eigene Firma an.
1951 gründete sie schließlich das "Versandhaus Beate Uhse", das Kondome und Bücher für die sogenannte Ehehygiene vertrieb. Innerhalb von zehn Jahren - und nicht zuletzt wegen der sexuellen Revolution der wilden 60er-Jahre - mauserte sich Uhses Geschäft zu einem florierenden Unternehmen mit über fünf Millionen Kunden.
1962 eröffnete sie schließlich in Flensburg ihr erstes "Fachgeschäft für Ehehygiene", der weltweit erste Sexshop. Trotz anfänglicher Bedenken prüder Bürger und rund 400 Strafverfahren wegen Unsittlichkeit ebnete Beate Uhse den Weg für eine offene Sex-Kultur. Der Wirbel um ihr Geschäft machte es letztlich nur noch erfolgreicher, als in Deutschland 1975 Pornografie legalisiert wurde.
Was Beate Uhse antrieb? "Die Unkenntnis und Fantasielosigkeit vieler war beängstigend", schrieb sie einst in ihrer Autobiografie. "Hunderte, Tausende von Briefen schrieb ich, und in jeder Zeile war ich bemüht zu vermitteln, dass Sex nichts Böses ist, sondern ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Zusammenlebens."
Bis in die späten 1990er-Jahre expandierte das Geschäft, 1999 ging das Unternehmen sogar an die Börse. Zu diesem Zeitpunkt war der Zenit allerdings schon überschritten. Pornografie im Internet und frische, moderne Konkurrenten sorgten Ende 2017 schließlich nach jahrelangem Kampf für eine Insolvenz.
In Beate Uhse brannten ihr Leben lang stets zwei Leidenschaften - die fürs Fliegen und die für Sexualität. Ihre Pionier-Arbeit für Zweiteres ist jedoch in die Geschichte eingegangen und wird unvergessen bleiben. Beate Uhse verstarb im Alter von 81 Jahren im Juli 2001 in der Schweiz an einer Lungenentzündung.