Seit September 2013 bin ich Sunrise-Avenue-Fan - und das, obwohl ich meine gute Freundin Tanja bis zu diesem Zeitpunkt gerne mal mit ihrer Fan-Liebe zu der Band aufgezogen habe. Dazu muss man erklären, dass Tanja fast seit der ersten Stunde ein richtiger "Hardcore-Fan" ist.

Sobald man den Namen "Sunrise Avenue" oder "Samu Haber" (Frontsänger der Band) in den Raum wirft, hat man binnen Millisekunden ihre volle Aufmerksamkeit. Das merkt jedermann ganz schnell und erlaubt sich gerne mal den einen oder anderen Spaß dazu.

Dieses Leuchten in ihren Augen, wenn sie über die Band oder Samu Haber spricht, ist unglaublich. Die Begeisterung und ja, fast schon Liebe für diese Band könnte sie über Worte nicht deutlicher ausdrücken.

Das Gewinnspiel

Ein Radiosender verlost Tickets für ein Exklusiv-Konzert von Sunrise Avenue - vor gerade einmal 1.000 Leuten. Eine echte Besonderheit für einen Fan!

Also nehmen wir natürlich am Gewinnspiel teil – und gewinnen tatsächlich vier Tickets!

Vor dem Konzert

Es ist der Tag des Konzerts. Warum auch immer verspüre ich eine ganz schöne Vorfreude in der Magengegend. Ich bin extrem gespannt auf das Konzert.

Tanjas Laune, als wir sie mit dem Auto einsammeln, ist bestens - schließlich hat sie beim zuvor besuchten Eishockeyspiel sogar noch Raul (den Bassisten der Band) getroffen, ein Foto mit ihm ergattert und den Rest der Band immerhin aus der Ferne gesehen.

Vor der Konzert-Location angekommen stellen wir uns in die Reihe. Es sind ca. 50 Leute vor uns. Wenn man dieses Fan-Leben, wie Tanja, schon einige Zeit mitmacht, dann kennt man irgendwann auch die anderen Fans. Tanja findet heraus, dass einige der Mädels, die direkt vor der Absperrung sitzen, bereits seit dem Morgen hier sind.

"Sie stehen immer in der ersten Reihe und haben immer exakt den gleichen Platz vor der Bühne. Sie würden durchdrehen, wenn sie diesen Platz mal nicht bekommen würden". Ich schüttelte ungläubig den Kopf.

Von der Absperrung bis zur eigentlichen Konzert-Location ist es noch ein weiterer Weg, für den ein Bus-Shuttle organisiert wurde.

Der Weg zur Bühne

Es ist soweit, der Bus kommt. Der Busfahrer öffnet die vordere Tür und die Fans drängen sich in den Bus hinein. Besonders begehrt sind die Sitzplätze an der ersten Tür, um schnell vom Bus zu dem begehrten Platz ganz nah vor der Bühne zu gelangen. Wir stellen uns an die hintere Tür.

Die kurze Busfahrt nutzen wir und verabschieden uns von unseren Männern. Die beiden wollen sich einen gediegenen Abend auf diesem Event machen und haben, verständlicherweise, keine Lust mit mehreren hunderten weiblichen Fans in den ersten Reihen mehrere Stunden unbequem herum zu stehen.
Als sich der Bus der Location nähert meint Tanja; "komm, wir müssen zur ersten Tür, der Busfahrer wird bestimmt, wie vorhin, auch nur diese, öffnen". Ich: "nein, wir bleiben dicht an der hinteren Tür stehen". Tanja: "meinst Du, er macht die auf??" ich: "ja klar, er will die Leute so schnell wie möglich aus dem Bus haben" sie: "ok, Dein Wort in Gottes Ohr…. Carmen, sobald die Tür auf ist rennen wir so schnell wir können, ja? Wir sehen uns dann vor der Bühne" ich: "alles klar".
Der Bus fährt langsamer. Boah, jetzt bin ich aufgeregt. Alle stehen nun von ihren Plätzen auf sammeln sich vor den Türen – die meisten vor der ersten Tür. Scheinbar denken auch sie, wie Tanja, der Busfahrer würde nur diese öffnen. Man spürte die Aufregung. Jeder will so schnell wie möglich aus dem Bus um der erste vor der Bühne zu sein.

Tanja und ich stehen direkt vor der zweiten Tür. Die Mädels, welche vorhin direkt vor dem Zaun waren stehen direkt am vorderen Eingang. Kritische Blicke werden ausgetauscht. Der Bus stoppt. Mein Herz klopft. "Komm schon mach die Tür auf". Der Busfahrer drückt auf den Knopf, der das Öffnen der Türen auslöst.

Und ratet, welche Tür zuerst aufgeht? Die hintere Tür! Ich: "Tanja, lauf!" Wir springen aus dem Bus und renne so schnell ich nur kann. Ich glaube ich bin noch nie in meinem Leben so schnell gerannt. Die einzige die schneller ist, ist Tanja. Das ist gut. Plötzlich höre ich eine Stimme hinter mir: "ich schwör dir, wenn Du meinen Platz weg nimmst…"

Das muss eine der Mädels sein, welche schon seit morgens vor Ort waren. Ich einem Anflug voller Adrenalin schreie ich, immer noch rennend: "dann renn schneller". Binnen Millisekunden gehen mir jedoch Tanjas Erzählungen über solche Mädels durch den Kopf und mir wird bewusst, dass diese zu allem fähig sind. Um zu vermeiden, dass ich durch einen Schubs von hinten mein Rennen unterbrechen muss korrigiere ich "nee, keine Angst, ich nehme Dir Deinen Platz nicht weg".

Tanja ist mittlerweile in der Konzert Location angelangt bei der es einen Weg nach links, und einen nach rechts gibt. Ach herrje, noch keine Bühne zu sehen. Sie stürmt auf einen Security zu und fragt, schreiend: "wo lang? Links oder rechts?". Er zeigt nach links und öffnete seinen Mund, dem wohl noch die dazu passenden Worte folgen sollen.

Diese bekommt Tanja jedoch nicht zu hören. Sie rennt weiter. Zwischenzeitlich haben ein paar der restlichen Fans aus dem Bus aufgeholt und befinden sich, ebenfalls rennend, nun auf der gleichen Höhe wie wir. Verdammt ist das anstrengend. Lange halte ich das Tempo nicht mehr durch.

Da, die Bühne! Ich sammele noch mal alle Kräfte für den Endspurt. Tanja ist nur noch wenige Meter von der Bühne entfernt. Ja! Sie hat es geschafft! Sie ist da und umfasst mit weit gespannten Armen die Absperrung, um mir einen Platz freizuhalten. Dann komme auch ich an. Wir lassen uns beide mit dem Rücken an der Absperrung fallen.

Atmen ist schier unmöglich. Ich sehne mich nach einem Sauerstoffzelt oder etwas in der Art. Reden können wir noch nicht, wir sind zu sehr mit Atmen beschäftigt. Wir schauen aneinander an und grinsen über beide Ohren. Manchmal braucht es keine Worte um den anderen zu verstehen! Nach dem sich unsere Atmung wieder einigermaßen reguliert hat sagte ich zu Tanja: "ey, wir haben es geschafft. Wir sind wirklich in der ersten Reihe". Tanja lachend: "ja, ey geil. Das hätte ich nie gedacht".

Warten

Weitere zwei Stunden müssen wir warten bis Sunrise Avenue Ihren Auftritt hat. Doch die Zeit geht rum wie im Flug. Zu sehr bin ich damit beschäftigt zu beobachten und die Atmosphäre aufzunehmen. Das ist alles ganz schön aufregend. Zudem sorgt ein DJ für gute Musik, was das Warten kurzweiliger macht. Ich in der ersten Reihe. Ich war noch nie in der ersten Reihe gestanden. Oh mein Gott! Die Bühne ist so nah. Freudensprünge in meinem Bauch – obwohl die Band noch nicht einmal auf der Bühne war.

Nur noch wenige Minuten. So langsam macht sich freudige Unruhe breit. Bis eben saßen noch alle um Kräfte zu sparen. Schließlich werden sie in den nächsten zwei Stunden alles geben was das Fan-Herz hergibt: Mitsingen (wobei das bei manchen Fans eher ein Schrei-Kreischen sein wird), Springen, Hüpfen, mit Fahnen und Leuchtstäben hantieren, Luftballons aufblasen und durch die Menge werfen und auch sonstige Dinge, mit denen man irgendwie auf sich aufmerksam machen muss und was Freude bereitet.

In meinem Bauch kribbelt es vor lauter Freude. Mein Herz pocht und meine Hände sind vor lauter Aufregung schon ganz feucht. Aufregend!

Das Konzert

Es geht los. Die Bandmitglieder kommen nach und nach auf die Bühne und stimmen einen Song an. Zuletzt betritt Frontmann Samu Haber die Bühne. Gekreische der überwiegend weiblichen Fans. Ich kenne den ersten Song nicht, aber das spielt keine Rolle. Ich klatsche und hüpfe genauso mit wie die anderen Fans um mich herum. Wahnsinn.

Der Blick kann kaum besser sein.

So ein Konzert ist ganz schön anstrengend. Das laute Mitsingen und Hüpfen braucht ganz schön Energie. Einige der Songs sind mir durchaus durch die Charts bekannt. Zudem hatte ich die letzten Tage damit verbracht mir mehrere Songs der Band anzuhören und Songtexte zu lesen. Ich wollte schließlich vorbereitet sein. Zum Glück singt die Band auch einige langsame Lieder bei denen man sich etwas erholen kann.
Sunrise Avenue macht wirklich eine richtig gute, sehr unterhaltsame und emotionale Show. Nicht nur Tanja ist während des Auftritts, verständlicherweise das ein oder andere Mal emotional. Bei dem Lied "Angels on a rampage" schluchzt sie beim Mitsingen. Sie blickt kurz zu mir über, drückte mich herzlich und lächelt gerührt.

Auch mich erreichen die Songs. Bei dem Lied "Forever yours" kullern bei mir sogar ein paar Tränen. Wow! Kurz vor dem Finale spielt die Band meinen, bis dato, Lieblingssong "Hollywood Hills". Auch ich gebe nun alles und singe (oder kreische?) voller Leidenschaft mit und hüpfe und springe wie ich nur kann.

Das Finale. Und schon ist das Konzert zu Ende. Tosender Applaus vom Publikum - inklusive mir. Das war wirklich der absolute Oberhammer! Langsam leert sich der Platz vor der Bühne. Ich schaue noch einmal auf die inzwischen leere Bühne um mich dann mit Tanja auf den Heimweg zu machen.

Aufgeregt erzählen wir unseren Jungs von den Geschehnissen. Ich vermute meine Augen leuchten und es wird wohl noch mehrere Stunden dauern bis sich mein Gesicht vom Dauergrinsen wieder in den Normalzustand zurücksetzt. Tanja und ich plappern was das Zeug hält. Auch auf dem gesamten Heimweg.

Im Auto wird mir klar: das war nicht das letzte Sunrise Avenue Konzert auf dem ich war. Irgendwas war auf dem Konzert mit mir passiert. Ich bin zum Fan geworden!