Vor genau 50 Jahren: Auflösung der Beatles – ein Blick auf das Ende der Band

Am 10. April 1970 erklärte Paul McCartney öffentlich seinen Ausstieg bei den Beatles und besiegelte damit das Ende der Band. Und so löste sich, vor genau 50 Jahren, die einfluss- und erfolgreichste Band der Musikgeschichte auf. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Am 30. Januar 1969 standen John, Paul, George und Ringo auf dem Dach des Apple-Studios in der Londoner Savile Row, um mit dem "Rooftop Concert" ihren letzten Live-Auftritt zu geben. Das letzte Mal gemeinsam im Studio standen die vier am 20. August 1969 für "The End", den letzten Song ihres Albums "Abbey Road".
Das im Mai 1970 veröffentlichte "Let It Be" sollte offiziell ihre letzte Platte werden, doch "Abbey Road" war ihr eigentliches Goodbye. Hier lagen bereits unausweichliche Spannungen in der Luft der Londoner Abbey Road Studios. Etwa einen Monat nach jenen Aufnahmen teilte John Lennon seinen drei Bandkollegen mit, dass er die Gruppe verlässt.
Sie hielten die Trennungspläne noch einige Zeit geheim, bevor Paul McCartney am 10. April 1970 öffentlich seinen Ausstieg bei den Beatles erklärte und damit das Ende der Band besiegelte. Und so löste sich, vor genau 50 Jahren, die einfluss- und erfolgreichste Band der Musikgeschichte auf.
"Es ist nur eine Band, die auseinandergeht. Es ist nicht das Ende der Welt", spielte Lennon die historische Entscheidung anschließend herunter. Doch es war eben nicht einfach nur eine Band, sondern womöglich die wichtigste kulturelle Institution aller Zeiten. Der Einfluss der Beatles nicht nur auf die Musikwelt, wie sie heute existiert, ist nicht abzuschätzen. Film, Mode, Lifestyle – gerade das Leben in den westlichen Ländern atmet das Werk und Wirken der Fab Four.
Yoko Ono (2. v.r.) wurde von vielen Fans für die Trennung der Band verantwortlich gemacht. Im Jahr 2012 stellte Paul McCartney gegenüber TV-Moderator David Frost klar, dass es "nicht Yoko Onos Schuld war". Natürlich habe es ihn genervt, dass Lennons Neue ständig im Studio abhing und das männliche Quartett in seiner kreativen Geschlossenheit störte. Aber: "Sie hat sicher nicht die Gruppe auseinandergebrochen. Die Gruppe ist selbst auseinandergebrochen."
Die durch die immer größeren Erfolge gestiegenen Erwartungen an die Band ließen auch den Wettstreit nach dem “besten Beatle” innerhalb der Gruppe ansteigen. Im Zentrum dieses Konflikts dürfte dabei die Entfremdung zwischen dem Songwriter-Duo Lennon/McCartney gestanden haben.
Drummer Ringo Starr und gerade das dritte Songwriter-Rad am Wagen, Lead-Gitarrist George Harrison (Bild), der auf die Lebenszeit-Rolle des unterschätzten Beatle abonniert war, fühlten sich schon länger schöpferisch unterfordert und von den musikalischen Leadern untergebuttert – beide stiegen zwischenzeitlich sogar aus der Band aus.
Auch John Lennon war mit McCartneys Art und Weise, Songs zu komponieren, nicht mehr glücklich, obwohl sein eigenes Songwriting durch den hohen Heroinkonsum gegen Ende verhältnismäßig schwach ausfiel. Außerdem war es Lennon, der darauf bestand, Yoko Ono als seine Muse mit ins Studio zu nehmen und bei Beatles-Songs mitzuwirken. Ohne Onos Einfluss hätte er womöglich von Avantgarde geprägte Jahrhundert-Songs wie "Imagine" oder "Jealous Guy" nie geschrieben.
"Du nimmst uns aus. Ich weiß nur noch nicht wie", soll Paul McCartney zum neuen Beatles-Manager Allen Klein gesagt haben. Der knallharte US-Geschäftsmann und Nachfolger von Brian Epstein sollte die Beatles vor weiteren Schulden bewahren und ihnen die Rechte an ihrem Songkatalog wieder holen. Doch Kleins krude Verhandlungsstrategie ging nicht auf – und so wurde auch finanziell ein Keil zwischen die Beatles getrieben, der das Fass schließlich zum Überlaufen gebracht haben dürfte.
Und so bleibt die Auflösung der Beatles auch 50 Jahre später eine Aneinanderreihung verschiedener Ereignisse, die die Gruppe entfremden ließ. Jegliche Hoffnung auf eine Wiedervereinigung wurde spätestens in der Nacht des 8. Dezembers 1980 begraben, als John Lennon von Mark David Chapman auf offener Straße vor dem Dakota Building in New York erschossen wurde. Die Beatles waren für immer Geschichte.