Wer denkt, dass Festivals nur aus Rausch, Freunde und guter Musik bestehen, der war vermutlich noch nie auf einem. Die folgenden Typen an Mitmenschen können einem die Festival-Erfahrung manchmal ganz schön schwer machen.

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Die angehende Influencerin

Die angehende Influencerin versteht nicht, wieso man von Erinnerungen im Kopf leben sollte, wenn man sie auf Instagram genauso gut in Likes und Kooperationen verwandeln kann. Sie betritt das Gelände mit Rollkoffer (!), hat jedes Outfit durchgeplant und kriegt einen Nervenzusammenbruch, wenn ihr Federschmuck fehlt.

Hat vor ihrem Zelt einen professionellen Schminkstand improvisiert, an dem sie sich jede Stunde für die nächste Insta-Story auffrischt. Schafft es mysteriöserweise auch, drei Tage lang kein Dixiklo zu betreten. Kreisch, xoxo!

Der "Discotierer"

Man steht gerade mitten auf der Tanzfläche, gedankenverloren durch die Musik treibend, Sorgen und Alltag meilenweit entfernt, der perfekte Festivalmoment – dann kommt er: "Was sagst du eigentlich zum Umgang der SPD mit Andrea Nahles nach der Europawahl?"

Der "Discotierer" kann einfach nicht aufhören, zu denken und anfangen, sich fallenzulassen, weshalb er auf der Tanzfläche Themen wie Klimawandel und Politik anspricht, um trotzdem Anschluss zu finden. Hat aber auch sein Gutes: Er zerstört der angehenden Influencerin jede Insta-Story mit seinen Kommentaren zum Thema kulturelle Aneignung.

Die Ausdruckstänzer

Die Ausdruckstänzer sind meistens auf elektronischen Festivals bei der Goa-Bühne zu finden. Sie kommen aus der Eso-Ecke, riechen nach Räucherstäbchen, tragen Tribal-Tattoos auf der Haut und Holzschmuck in den Ohren, sind braungebrannt vom letzten Yoga-Schamanen-Workshop in Thailand und finden im ekstatischen Barfuß-Tanz ihre Mitte.

Sie knallen dir lieber ihre Ellenbogen in die Rippen, als ihre Freiheit einzuschränken. Beliebtestes Hilfsmittel im Kampf für den eigenen Dancefloor: ein leuchtender Hula-Hoop-Reifen.

Hier kommen die Must-have-Produkte für Festival-Liebhaber, die sich nicht mit einem Müllbeutel als Regencape zufrieden geben.

Der Organisator

Er ist von außen nicht zu erkennen, aber jede Gruppe hat ihn: den Organisator. Wenn die Clique gerade im Begriff ist, sich zu trennen, weil die einen essen, die anderen tanzen und der Rest pinkeln muss, dann kommen seine Verlustängste hoch.

Er kann diese anarchischen Zustände nicht dulden, versucht Zeitpläne und Treffpunkte auszumachen und will die Gruppe um jeden Preis zusammenhalten. Auch wenn das bedeutet, dass sich die einen einpinkeln, während die anderen umkippen und allen die Laune vergeht.

Der Camper

Unerklärlich, aber meistens wahr: Fast jedes Camp hat einen Hausherren, der praktisch nie auf dem wirklichen Festival ist, sondern die gesamte Zeit auf dem Zeltplatz verbringt.

Er hat von Kühlschrank bis Laternen die komplette Profi-Ausrüstung dabei, hält den Platz in Schuss und ist die erste Anlaufstelle für den Organisator, wenn es darum geht, rauszubekommen, wo denn alle sind. Eigentlich ganz nett und superpraktisch - wirkt nur leider extrem demotivierend für den Rest der Gruppe, wenn die gerade versucht, sich verkatert und in der Mittagssonne zur Bühne zu schleppen.

Der Fan(atiker)

Im Grunde ähnliches Problem wie der Organisator und der Discotierer: Schafft es nicht, sich treiben zu lassen. Der Fan(atiker) ist meistens die einzige Person in der Gruppe, die wirklich wegen der Musik auf das Festival gefahren ist.

Er hat seinen Aufenthalt minutiös durchgeplant und Schlaf- und Wachzeiten auf die Auftritte der Bands und DJs abgestimmt. Bei circa 100 Künstlern in drei Tagen bedeutet das: kaum Schlaf, Stress pur. Bei ihm sollte man unbedingt die fünf besten Musiktipps erfragen, aber sich keinesfalls auf den Termindruck einlassen.

Der Biersoffene

Der Biersoffene ist der Neandertaler der Festivalsaison, mit vor Stolz geschwelltem Bierbauch und einer Dosen-Mützen-Konstruktion auf dem Kopf, die ihm permanente Druckbetankung ermöglicht.

Er nutzt das Festival nicht, um ein paar Tage in einer anderen Welt zu leben, sondern als würde es die Welt in ein paar Tagen nicht mehr geben. Er schmeißt seinen Müll überall hin, uriniert an das Nachbarszelt, wäscht sich konsequent nicht die Hände, schreit vorbeigehenden Frauen seine Bewertung auf einer Skala von 1 – 10 hinterher, schmeißt schon mal ein Dixiklo samt Mensch darin um und fackelt sein Zelt am Ende des Festivals trotz Waldbrandgefahr ab.

Wer neben dem Biersoffenen zeltet, sollte schnellstens flüchten, alleine schon um nicht das letzte Fünkchen Hoffnung an die Menschheit zu verlieren.

Der/Die Abenteuerlustige

Lebt auf Festivals nur nach einem Motto: "JA!" Geht sich "mal umgucken" sobald das Wurfzelt aufgebaut ist, kommt erst nach drei ekstatischen Tagen wieder zum Camp und kann sich an nichts mehr erinnern.

Der/Die Abenteuerlustige ist vor allem für die Angehörigen so anstrengend, weil sie sich drei Tage lang Sorgen gemacht haben und nie erfahren werden, ob es gerechtfertigt war oder nicht. (mia)  © spot on news

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