Deutschlands ESC-Kandidaten: Kennen Sie noch... ?

Deutschlands ESC-Bilanz der vergangenen 20 Jahre ist durchwachsen. Von Lena Meyer-Landruts Höhenflug bis zur Null-Punkte-Schmach von Ann Sophie. Roman Lob, der am 2. Juli seinen 30. Geburtstag feiert, sortierte sich immerhin in den Top Ten ein. Erinnern Sie sich noch an ihn und all die anderen Kandidaten? © 1&1 Mail & Media/spot on news

Stefan Raab begeisterte das ESC-Publikum im Jahr 2000 mit seinem selbst geschriebenen und -komponierten Song "Wadde hadde dudde da?". Die Performance im schillernden Pailletten-Anzug brachte dem Entertainer am Ende in Schweden Platz fünf ein. In den deutschen Charts erreichte der Hit sogar Platz zwei.
Schlagersängerin Michelle gab 2001 die gefühlvolle Ballade "Wer Liebe lebt" zum Besten. In Dänemark landete sie damit auf Rang acht. Bis heute hat die Künstlerin 14 Studioalben veröffentlicht, unzählige Preise entgegen- sowie und unter anderem im Jurystuhl von "Deutschland sucht den Superstar" Platz genommen.
Deutlich schlechter lief es 2002 für Corinna May in Estland. Die blinde Sängerin erreichte mit ihrem Lied "I Can't Live Without Music" lediglich Platz 21. Schon 1999 und 2000 wollte sie Deutschland beim ESC vertreten. Erst im dritten Anlauf sollte es jedoch klappen.
Mit dem von Ralph Siegel komponierten Song "Let's Get Happy" sang sich Lou 2003 in Lettland auf Platz zwölf. Auch heute macht Marie-Luise Hoffner noch immer Musik. So veröffentliche sie etwa 2019 ihr Album "Blaue Nacht 2".
Max Mutzke hat in der Türkei 2004 den achten Platz für Deutschland eingefahren. Seinen Erfolg verdankt er vor allem Stefan Raab, aus dessen TV-Show SSDSGPS aka "Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star" er kurz zuvor als Sieger hervorgegangen war. Auch Mutzkes ESC-Lied "Can't Wait Until Tonight" stammt aus der Feder des Entertainers.
Rock- und Pop-Sängerin Gracia Baur konnte 2005 nicht überzeugen. Sie landete in der Ukraine mit "Run & Hide" und nur vier Punkten auf dem letzten Platz. Das war zuletzt dem deutschen Musik-Duo Stone & Stone im Jahr 1995 passiert.
Für Country-Stimmung auf der Bühne sorgte 2006 in Griechenland Texas Lightning. Die Hamburger Band, die sonst eher Cover-Versionen zum Besten gibt, erreichte mit "No No Never" Platz 15. In den deutschen Charts kletterte der Hit bis auf Rang eins empor.
Der 2016 verstorbene Roger Cicero war 2007 als Vertreter Deutschlands ebenfalls beim ESC dabei. Er performte in Finnland seinen Song "Frauen regier'n die Welt", konnte am Ende allerdings nur Rang 19 für sich beanspruchen.
Anfang der 2000er feierten die No Angels in Deutschland große Erfolge. Als Jessica Wahls, Sandy Mölling, Nadja Benaissa und Lucy Diakovska (v.l.) 2008 dann aber in Serbien mit dem Lied "Disappear" auftraten, folgte die Enttäuschung. Die Band sammelte mit den Beiträgen aus dem Vereinigten Königreich und Polen die wenigsten Punkte.
Der deutsche Musikproduzent Alex Christensen (li.) und der US-amerikanische Sänger Oscar Loya (re.) brachten 2009 eine besondere Show auf die Bühne. In Russland performten sie als Duo Alex Swings Oscar Sings! den Song "Miss Kiss Kiss Bang". New-Burlesque-Star Dita Von Teese (mi.) unterstützte die beiden, konnte am Ende aber nicht mehr als Platz 20 herausholen.
Am 29. Mai 2010 sollte deutsche ESC-Geschichte geschrieben werden. Lena Meyer-Landrut, ebenfalls eine Entdeckung Stefan Raabs, holte mit dem Ohrwurm "Satellite" in Norwegen den Sieg. Es ist bis heute der lediglich zweite ESC-Gewinn für Deutschland nach Nicoles Sieg mit "Ein bisschen Frieden" im Jahr 1982.
Was einmal funktioniert hat, funktioniert sicher noch ein zweites Mal. Deutschland schickte Lena Meyer-Landrut auch 2011 zum ESC im eigenen Land. Ihre Performance des Songs "Taken by a Stranger" wurde diesmal allerdings nur mit Rang zehn belohnt. Immerhin in den deutschen Charts konnte sich der Track damals Platz zwei sichern.
2012 ging Roman Lob als Sieger der Vorab-Castingshow "Unser Lied für Baku" an den Start. Mit seiner Pop-Ballade "Standing Still" sackte er in Aserbaidschan über 100 Punkte ein, die ihm schließlich auf Platz acht verhalfen. Seit 2014 ist der Echo-Preisträger Frontmann der Kölschrock-Band StadtRand.
Natalie Horler und ihre Band Cascada sangen sich 2013 in Schweden auf Platz 21. Ob wohl der viele Gegenwind den Musikern zu schaffen gemacht hatte? Kritiker behaupteten, ihr Song "Glorious" sei von "Euphoria", dem Titel der ESC-Vorjahressiegerin Loreen, abgekupfert. Ein von der ARD in Auftrag gegebenes Gutachten brachte jedoch das Ergebnis, dass die Songs "keine urheberrechtlich bedeutsamen Übereinstimmungen" besitzen würden.
Das Berliner Frauen-Trio Elaiza landete 2014 in Dänemark ebenfalls eher im unteren Abschlussfeld. 39 Punkte für ihren Song "Is It Right" bedeuteten für Yvonne Grünwald Elzbieta Steinmetz und Natalie Plöger (v.l.) am Ende Platz 18. Akkordeonistin Grünwald hat die Band 2016 verlassen. Sängerin Elzbieta Steinmetz hat sich mittlerweile eine Solokarriere unter dem Namen ela. aufgebaut. Im Februar 2020 erschien ihr Album "Liebe & Krieg".
Es folgte eine regelrechte ESC-Durststrecke für Deutschland. 2015 landete Ann Sophie in Österreich mit ihrem Song "Black Smoke" auf dem letzten Platz. Keinen einzigen Punkt konnte der Titel damals einheimsen. Ann Sophie war als Zweitplatzierte der TV-Show "Unser Song für Österreich" zur ESC-Ehre gekommen, nachdem Andreas Kümmert seinen Sieg bewusst nicht annehmen wollte.
Sie war bunt, quirlig und die Siegerin der fünften Staffel "The Voice of Germany": Dennoch konnte Jamie-Lee Kriewitz 2016 in Schweden nicht wirklich punkten. Auch sie landete mit ihrem Lied "Ghost" auf dem letzten Platz. Musik macht sie heute immer noch.
Levina ereilte 2017 in der Ukraine ein ähnliches Schicksal. Mit ihrem Song "Perfect Life" holte die Künstlerin, die in Berlin und London Musikmanagement studiert hat, insgesamt nur sechs Punkte. Am Ende musste sie sich mit dem vorletzten Platz zufriedengeben. Seither ist es um sie still geworden.
Für Jubelschreie sorgte Michael Schulte in Portugal. 2018 konnte sich der Drittplatzierte von "The Voice of Germany“ (Staffel 2011) mit seinem emotionalen Hit "You Let Me Walk Alone" bis auf Rang vier singen. Ein echtes Erfolgserlebnis für Deutschland. 2020 dominiert Schultes neuester Hit "Keep Me Up" das deutsche Radioprogramm.
Weniger gut lief es für das Musikduo S!sters. Carlotta Truman (re.) und Laura Kästel machten 2019 extra für den ESC in Israel gemeinsame Sache – belohnt wurden sie aber nicht. Ihre Performance des Songs "Sister" brachte den beiden den vorletzten Platz ein. Im Februar 2020 verkündeten sie, fortan wieder getrennte Wege zu gehen.