Vivienne Westwood wird 80: Ihr Leben, ihre Kreationen

Vivienne Westwood feiert am 8. April ihren 80. Geburtstag. Die britische Modeschöpferin gilt als Erfinderin der Punk-Mode. Ihr Debüt gab sie 1981 auf der Londoner Fashion Week unter anderem mit einer "Piraten"-Kollektion. Das sind Westwoods bemerkenswerteste Kreationen der vergangenen 40 Jahre. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Vivienne Isabel Westwood kam am 8. April 1941 als ältestes von drei Geschwistern in der englischen Kleinstadt Glossop zur Welt. Die Leidenschaft für Mode wurde ihr in die Wiege gelegt: Ihre Mutter war Weberin in einer Baumwollspinnerei, ihr Vater stammte aus einer Familie von Schuhmachern.
Zwar interessierte sich die Britin (hier bei "Wetten, dass..?" im Jahr 2000) schon früh für Mode und belegte während ihrer Schulzeit an der Harrow Art School Kurse in Kunst, Mode und Silberschmiedekunst; eine berufliche Zukunft in diesem Bereich erschien ihr als Arbeiterkind jedoch unrealistisch. Stattdessen machte sie eine Ausbildung zur Lehrerin und unterrichtete ab 1961 an einer Londoner Grundschule.
Ein Jahr später heiratete sie den Werkzeugmacher Derek Westwood, mit dem sie 1963 ihren ersten Sohn Ben Arthur bekam. Ihr Hochzeitskleid entwarf sie selbst. Doch die junge Frau war unglücklich in ihrer Ehe, ließ sich scheiden und flüchtete nach drei Jahren mit ihrem Sohn zu ihrer Tante nach Wales.
Dort angekommen, traf sie auf einen Freund ihres Bruders, den zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alten Malcolm McLaren (Bild, ca. Mitte der 80er-Jahre). Dieser war als Künstler und Designer aktiv. Die beiden verliebten sich, zogen nach Clapham im Süden Londons und bekam 1967 mit Joseph Corré einen Sohn.
Bis 1971 arbeitete Westwood weiterhin als Lehrerin. Zeitgleich gestaltete und designte sie aber schon Mode. Im November des Jahres 1971 übernahm das Paar in der Londoner King's Road eine Boutique, die es erst "Let it rock" und später "The World's End" nannte und in der neben Rock’n’Roll-Platten auch Second-Hand-Mode sowie von Westwood überarbeitete oder nachgefertigte Kleidung im Rock-Stil angeboten wurde.
Der Laden entwickelte sich zunehmend zur Anlaufstelle der Londoner Punk-Szene der 70er-Jahre. Musiker wie Sid Vicious (2.v.l.) von den Sex Pistols gehörten zu den Stammkunden. Als Malcolm McLaren Manager der Sex Pistols (Bild) und der New York Dolls wurde und die Bands die Designs des Paares bei Auftritten trugen, wurde die Mode auch der breiten Masse bekannt.
Ihre erste gemeinsame Modekollektion mit ihrem Ehemann präsentierte Vivienne Westwood 1981. Die Herbst/Winter-Kollektion, die sie selbst entworfen und geschneidert hatte, nannte sie "Pirates", da sie von deren wallenden Hemden und Hosen inspiriert worden war. Das Foto zeigt sie 1982 backstage bei einer Modenschau.
1982 folgte die Frühjahr/Sommer-Kollektion "Savages", geprägt von Motiven aus dem Wilden Westen und den Ureinwohnern Amerikas, sowie die Kollektion "Nostalgia of the Mud", die an Cowboys und den Landhaus-Stil erinnern sollte. Bestandteil waren unter anderem große Buffalo-Hüte - diesen Trend brachte Pharrell Williams (Bild) 2014 zurück, als er einen der Hüte bei den Grammys trug.
McLaren und Westwood trennten sich kurze Zeit später. Jahre nach seinem Tod erzählte die Modeschöpferin, dass die Beziehung toxisch und körperlich sowie psychisch gewaltsam gewesen sei. Die Scheidung stürzte Westwood in eine finanzielle Krise, die sie dazu zwang, den Laden "The World's End" über mehrere Jahre zu schließen.
Durch die Trennung änderte sich auch Westwoods Stil merklich. Sie orientierte sich weniger an der Punk-Szene, sondern an Mädchen, die mit ihrer Mode die Oberschicht parodierten. 1985 gelang ihr mit dem "Mini Crini" ein echter Hit. Der kurze, bauschige Reifrock sollte zu einem ihrer Markenzeichen werden.
Modegeschichte schrieb Vivienne Westwood auch mit ihrer Harris-Tweed-Kollektion aus dem Jahr 1987. Sie schaffte es darin nicht nur, den als altbacken geltenden Stoff neu, aufregend und elegant zu gestalten. Die Kollektion beinhaltete auch das berühmte Statue-of-Liberty-Korsett – erstmals wurde die traditionelle Unterbekleidung als Oberteil präsentiert. Bis heute ist das Korsett ein weiteres Markenzeichen Westwoods.
1989 ging Westwood für einige Zeit nach Wien, um an der Universität für angewandte Kunst zu lehren. Dort lernte sie den damals 22 Jahre alten Studenten Andreas Kronthaler kennen. Sie erkannte sein Talent und machte ihn zu ihrem persönlichen Assistenten. Aus der Arbeits- wurde innerhalb weniger Monate auch eine Liebesbeziehung, die bis heute hält. Das Paar heiratete 1992 und designt bis heute gemeinsam. (Foto: 2006)
Im Jahr 1990 präsentierte die Britin mit "Cut and Slash" in Florenz ihre erste komplette Herrenkollektion. Außerdem erhielt sie die größte Modeauszeichnung Großbritanniens: den "Designer of the Year"-Award.
Zwei Jahre später wurde Westwood eine noch größere Ehre zuteil: Sie erhielt von Queen Elizabeth II. den Order of the British Empire – und sorgte im Anschluss für einen Skandal. Bei einem Fototermin im Vorgarten des Buckingham-Palastes wurde sie von Fotografen gebeten, sich schwungvoll in ihrem Rock zu drehen. Dabei flog dieser in die Höhe und man sah auf den Fotos, dass Westwood keine Unterwäsche trug. Sie reagierte mit Humor: "Ich habe gehört, die Fotos haben der Queen Freude bereitet."
Ein weiterer modischer Meilenstein war 1995 Westwoods Kollektion "Vive la Cocotte". Elemente aus der sogenannten Halbwelt-Mode und des Nude-Looks wurden weitere Erkennungszeichen ihres Stils: Ihre Mode wurde weiblicher und verruchter. Den Nude-Look trägt Westwood auch gerne selbst, wie dieses Foto aus dem Jahr 2011 beweist.
1997 inszenierte sich die Modeschöpferin mit ihrer "Five Centuries Ago"-Kollektion als Elizabeth I. Westwood war schon immer fasziniert von den prunkvollen Elementen der Monarchie, wie auch der Reichsapfel in ihrem Logo beweist, und ließ sich regelmäßig von den opulenten Moden am Hof inspirieren. Das Foto zeigt ein Kleid aus der Kollektion.
Insgesamt wurde die Frauenmode der Britin Mitte der 1990er-Jahre mit hohen Absätzen, hochgeschnürten Dekolletés und betonten Hüften erotischer. Ihre Designs für Männer wurden androgyner. Die überspitzt feminine Mode führte 1993 zu einem weiteren unvergessenen Laufstegmoment, als Naomi Campbell mit diesen 30 Zentimeter hohen Schuhen stürzte.
Bis heute schafft es die Modedesignerin zu überraschen und sich trotzdem treu zu bleiben, wie dieser Look von einer Modenschau 2017 beweist. Der bunte Print-Mix erinnert an den unkonventionellen Punk-Look, das T-Shirt mit Brustprint ist ein Beispiel für Westwoods erotische Designs.
Dem Ganzen setzte die Designerin 2017 mit diesem Look die Krone auf: Ein bunter Farb- und Mustermix und ausschweifende Formen treffen auf verschiedene Materialien von Tüll bis Satin.
Westwood engagiert sich auch politisch. 2008 nannte sie ihre Kollektion "56" - als Protest gegen eine Initiative des damaligen Premierministers Gordon Brown. Dieser wollte die Dauer, die Verdächtige ohne Anklage inhaftiert werden können, auf 56 Tage erhöhen. Zusammen mit der britischen Bürgerrechtsorganisation Liberty hatte sie zudem bereits 2005 ein Shirt mit der Aufschrift "I am not a terrorist, please don't arrest me" (Dt.: "Ich bin kein Terrorist, bitte nehmt mich nicht fest") entworfen.