• Schauspieler Ulrich Matthes hat sich in einem Interview über die ehemalige Kanzlerin Angela Merkel geäußert.
  • Er findet, dass sie Charisma habe - auf "pseudocharismatische Attitüden" aber verzichten würde und ein unprätentiöser Mensch sei.

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Schauspieler Ulrich Matthes (63) hat dafür plädiert, nochmal zu überdenken, was Charisma in der Politik bedeutet. Auch die frühere Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe seines Erachtens Charisma. "Auf ihre Weise. Weil sie auf pseudocharismatische Attitüden verzichtet", sagte er dem Magazin "Stern". Wenn es einen unprätentiösen Menschen gebe, dann Merkel. Schon vom Typ her strebe sie die Rolle der Elder Stateswoman gar nicht an.

"In den nächsten Jahren wird es von ihr eher eine andere Art von Präsenz geben und eine andere Art des Unterspielens dieser Rolle", sagte Matthes. Der Berliner gehört zum Ensemble des Deutschen Theaters und war zuletzt etwa im Thriller "München - im Angesicht des Krieges" zu sehen. Als er im Mai mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde, war auch Merkel unter den wenigen Gästen.

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In dem "Stern"-Interview ging es auch um den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Kanzler Olaf Scholz (SPD) habe von Zeitenwende gesprochen. Spüre er die auch? "Nein", sagte Matthes. "Ich weiß nur, dass es etwas ganz Einschneidendes für uns alle ist."

"Mich ärgert übrigens die 95-prozentige Übereinstimmung in der Öffentlichkeit, diejenigen so eindeutig zu verurteilen, die in den vergangenen Jahren in der Verantwortung waren", sagte Matthes. "Als hätten nicht wirklich alle mit diplomatischen Bemühungen versucht, diesen unsäglichen Putin einzuhegen. Ich finde es wohlfeil, jetzt zu sagen: Steinmeier hat es vergeigt. Oder Merkel hat es vergeigt."

Matthes: "Warte darauf, wie sie aus heutiger Sicht Dinge beurteilt"

Merkel hatte zuletzt wenige öffentliche Auftritte. Am Dienstag ist ein Gespräch im Berliner Ensemble geplant. Der Journalist Alexander Osang soll sie dort interviewen. Der Abend steht unter dem Titel "Was also ist mein Land?". Die Veranstaltung soll auch im Fernsehen bei Phoenix live übertragen werden, wie eine Sprecherin des Berliner Ensembles ankündigte. Die Karten sind ausverkauft.

Im "Stern"-Interview hieß es, seit gut einem halben Jahr sei es ruhig um Merkel geworden, viele meinten, seit Beginn des Krieges habe ihr Schweigen etwas Dröhnendes. "Ich ahne, dass sie nicht als eine Art von Nebenkanzlerin präsent sein will", sagte Matthes. "Aber Sie haben recht: Ich warte auch darauf, schon aus empathischem Interesse, wie sie aus heutiger Sicht die Dinge beurteilt." (dpa/dh)

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