"Avengers: Infinity War" ist bereits der 19. Film aus dem Hause Marvel - doch noch keiner hat uns mit einem so massiven Superhelden-Aufgebot verführen wollen. Ob Masse aber auch für Klasse steht - und ob sich der Weg ins Kino lohnt - verraten wir Ihnen hier. Garantiert ohne Spoiler!

Es ist kein Geheimnis: Bei Marvel sind nicht nur die Kinofilme sensationell erfolgreich, auch vom Marketing versteht man mehr als jeder andere in Hollywood. Selten zuvor war um einen Film so ein Geheimnis gemacht worden wie um "Avengers: Infinity War". Nicht einmal Journalisten wurden vorab mehr als 20 Minuten gezeigt.

Gründe für dieses Vorgehen gibt es meist nur zwei: entweder gibt es einen so unglaublich krassen Plot-Twist, dass schon die Andeutung einer Andeutung alles verderben würde. Oder aber: Der Film ist so schlecht, dass allein die künstliche Verknappung noch ein paar Zuschauer ins Kino lockt.

Keine Sorge: Letzteres trifft nicht zu. "Infinity War" ist ein echtes Highlight im Marvel Cinematic Universe - und definitiv besser gelungen als seine Avengers-Vorgänger. Der Film ist ein rasanter Ritt durch den bisherigen Output des MCU. Alle 15 Minuten wähnt man sich in einem anderen Film.

Den Regisseuren Job und Anthony Russo gelingt es dabei, das ganz besondere Gefühl der jeweiligen Settings einzufangen. Eben noch mit coolem Soundtrack und flapsigen Sprüchen im Cockpit bei den "Guardians of the Galaxy", dann schon zwischen Folklore und Hightech im Königreich Wakanda.

Worum geht's?

Space-Superschurke Thanos (Josh Brolin) ist auf der Suche nach den Infinity-Steinen. Hat er alle sechs beisammen, will er mit ihrer Hilfe das Universum zerstören. Zumindest das halbe.

Da sich einige der Steine nicht nur auf der Erde (wie wir wissen, der sicherste Ort im ganzen Universum *zwinker*) befinden, sondern sogar direkt im Besitz einiger Superhelden, dauert es nicht lange, bis die Avengers sich zusammenfinden und gegen Thanos losziehen.

Und dieser Kampf hat es in sich! Nie mussten die Avengers größere Opfer bringen. Das gilt nicht nur für das eigene Leben - auch die Beziehungen untereinander fordern einen geradezu unmenschlichen Tribut.

An dieser Stelle verraten wir natürlich nicht, wer vielleicht den Showdown nicht erleben wird. Und schon gar nicht, ob Thanos sein Ziel erreicht. Und was zur Hölle hat eigentlich Peter Dinklage damit zu tun? Wir - Sie ahnen es - verraten es nicht.

Die Superhelden

Dem Zuschauer ist die bunte Truppe in den letzten sage und schreibe zehn Jahren (da nämlich fast auf den Tag genau erschien "Iron Man") ans Herz gewachsen. Da vergisst man leicht, dass sich die Figuren untereinander teilweise noch nie begegnet sind.

Und so resultieren, ganz in der Tradition der Avengers-Filme, die witzigsten und besten Momente aus dem Clash der unterschiedlichen Charaktere.

Wenn man die Spannung zwischen dem geradlinigen Cap (Chris Evans) und Lebemann Tony Stark (Robert Downey jr.) kennt, braucht es nicht viel Fantasie, um sich das entnervte Augenrollen Starks vorzustellen, wenn er auf die geballte Naivität von Drax (Dave Bautista) und Mantis (Pom Klementiff) trifft.

Auch die Begegnung zwischen dem lässigen Peter Parker alias Spider-Man (Tom Holland) und dem ernsten Magier Dr. Strange (Benedict Cumberbatch) sorgte ja schon im Trailer für Lacher. Doch wenn erst Peter Quill (Chris Pratt) in Gegenwart des Donnergottes Thor (Chris Hemsworth) um seine Männlichkeit fürchtet, bleibt kein Auge trocken.

Aber wie es halt so ist im Leben: Wo es so viel Licht gibt, ist der Schatten nicht weit, und einige Charaktere verschwinden schier in der Masse. Wird dem Hulk / Bruce Banner (Mark Ruffalo) zumindest der Hauch einer Charakterentwicklung zugestanden, so ist Black Widow (Scarlett Johansson) - mal wieder - einfach nur irgendwie dabei.

Auch Black-Panther-Fanliebling Shuri (Letitia Wright) darf mit ihrem Witz und ihrem Könne glänzen - aber nur ganz kurz.

Der Bösewicht

Thanos (Josh Brolin) in den Mittelpunkt der Story zu rücken, ist ein unglaublich cleverer Schachzug der Russo-Brüder. Denn eines haben uns die vergangenen Kino-Jahre gelehrt: Jede Comic-Verfilmung ist nur so gut, wie der Endgegner überzeugend ist.

Auch ein nahezu perfekter Superheldenstreifen kann durch einen lächerlichen Schnauzbartträger am Schluss fast verdorben werden (ja, wir schauen Dich an, Wonder Woman!).

Und so ist Thanos nicht der übliche Verdächtige, der aus dem Off erscheint und Dinge kaputt machen will - nein, wir erleben hautnah, was ihn antreibt und welche Opfer er bereit ist zu bringen.

Dass er das halbe Universum auslöschen will, wissen wir bereits. Dass er das allerdings aus - aus seiner Sicht - gutem Grund macht und irgendwie auch vollkommen uneigennützig handelt, ist auf erschreckende Art nachvollziehbar.

Dazu kommt, dass trotz des (unglaublich guten) CGI Josh Brolins schauspielerische Extraklasse in jedem Moment durchscheint. Und so ist Thanos vielleicht nicht der große Sympathieträger - den Film allerdings trägt er fast ganz allein.

Muss man alle 18 bisherigen Filme aus dem MCU gesehen haben?

Nun, Vorkenntnis der Ereignisse ist natürlich immer sinnvoll. Vor allem die Storylines der zuletzt erschienenen Filme "Black Panther", "Guardians of the Galaxy Vol. 2" oder "Thor: Tag der Entscheidung" laufen hier direkt zusammen.

Auch auf die Ereignisse aus "Avengers: Civil War" wird immer wieder verwiesen.

Das Ende

Es wird heftig, vollkommen unerwartet und lässt den Zuschauer fassungslos und unbefriedigt zurück. Das klingt zu dramatisch? Ach, eigentlich ist es noch schlimmer.

Sitzenbleiben wird aber - wie immer bei Marvel - belohnt. Die Post-Credit-Scene ist kürzer denn je, wird aber für den einen oder anderen Jauchzer sorgen. Versprochen!

"Avengers: Infinity War" mit Robert Downey jr., Chris Evans, Chris Pratt, Scarlett Johansson, Benedict Cumberbatch und unglaublich vielen mehr startet am 26. April in den Kinos.
Teaserbild: © Marvel Studios 2018