Im TV war "Berlin, Berlin" mit Felicitas Woll in der Hauptrolle ein Riesenerfolg. Keine Überraschung also, dass die Geschichte nun auch noch ins Kino kommt. Gelungen ist das aber leider nicht: Die Handlung ist abstrus, die Dialoge platt und die Gags weder intelligent noch lustig.

Eine Kritik
von Susanne Gietl

Selten wurde Chaos so zelebriert wie in der Fernsehserie "Berlin, Berlin". Millionen von Zuschauern verfolgten in den 2000ern, wie das rothaarige Landei Lolle (Felicitas Woll) nach dem Abi liebeslaunig durch Berlin stolperte und mit voller Wucht ins WG-Leben mit Sven (Jan Sosniok), Hart (Matthias Klimsa) und Rosalie (Sandra Borgmann) sprang.

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Die On-Off-Liebesgeschichte von Lolle und Sven wurde legendär und die knalligen Zeichnungen von Lolles Gefühlszustand Kult. Nach 15 Jahren Serienpause meldet sich das emmyprämierte Erfolgsformat nun als Kinofilm (Kinostart: 19. März) zurück.

Jede noch so bizarre Idee hat es ins Drehbuch geschafft

Carlotta Holzmann alias Lolle (auch im Film dargestellt von Felicitas Woll) hat den perfekten Lebensplan. Erst will sie ihre hippe Animationsfirma verkaufen, die sie gemeinsam mit ihrem Verlobten Hart (Klimsa) leitet, dann kann sie beruhigt schwanger werden. Und zwischendurch wird schnell geheiratet.

Alles eingetütet, glaubt sie, doch bevor die mittlerweile 38-Jährige das Jawort sagen kann, sprengt ihre alte Liebe, "Superküsser" Sven (Sosniok) die Hochzeit. Mit Lolle gehen die Pferde durch und sie rast mit dem Hochzeitsmini davon. Auf ihrer "Flucht" begeht sie zahlreiche Verkehrsdelikte und landet noch im Hochzeitskleid vor dem Richter (Detlev Buck), der sie zu Sozialstunden in einer Schule verdonnert.

Dort läuft alles noch mehr aus dem Ruder. Ihre neue Kollegin Dana (Janina Uhse) betäubt sie in der Disco mit K.-o.-Tropfen und verschleppt sie mit einem geklauten Auto in den Harz. Auf der Flucht vor der Polizei geraten sie in allerlei skurrile Situationen.

Das Drehbuch, das vor allem auf dem Roadtrip von Lolle und Dana beruht, ist so unlustig wie unrealistisch. Es scheint, als hätte es jede noch so haarsträubende Idee ins Drehbuch geschafft.

Armin Rohde überzeugt zwar als Gangster, aber seine Rolle ist so bizarr wie überflüssig. Dass im Harz ein Bär lebt, ist ebenso an den Haaren herbeigezogen wie die Hippiekommune im Wald. Spätestens, als noch Handtücher einfach so an Bäumen hängen, weil sie jemand vergessen hat, ist klar, dass die Drehbuchschreiber sich einfach komplett austoben konnten.

Weniger liebevoll als die Serie

Fans werden im Film schmerzlich den Tagebuchcharakter der Serie durch Wolls Off-Stimme und charmante Comic-Sequenzen vermissen. Die von Uwe Heinelt liebevoll gezeichneten "Berlin, Berlin“-Comics erzählten den Inhalt der Serie, drei Comic-Bände waren anschließend sogar im Handel erhältlich. Im Film hingegen zeigen die (unnötigen) 3-D-Animationen Lolles Gefühlszustand nur selten.

Ein kleiner Trost: Schön sind die wenigen, aber sehr passenden Rückblicke, wenn "neue" Figuren im Film eingeführt werden. Auch funktioniert das Zusammenspiel der alten Riege nach wie vor. Jan Sosniok und Matthias Klimsa spielen sich die Bälle zu, sodass die alten Zeiten schnell wieder aufleben.

Auch Felicitas Woll überzeugt in ihrer Paraderolle. "In die Maske zu gehen und mir meinen Pony wieder zu richten und Sven und Hart neben mir sitzen zu haben, von dem Moment bis zum allerletzten, war das einfach nur eine Zeitreise und für mich zum Spielen einfach ein Geschenk," erklärt sie im Interview begeistert. "Nach vielen ernsthaften und dramatischen Rollen war das schön, mal wieder ein bisschen durchzudrehen und verrückt zu sein und mit den Jungs da abzuhängen und eine gute Zeit zu haben."

Janina Uhse fühlte sich ebenfalls pudelwohl mit der Serienfamilie: "Es war dieses Klassenfahrt-Feeling, wo man dann abends zusammensaß und morgens aufgestanden ist und den Tag gemeinsam gerockt hat mit den absurdesten Szenen."

Für die Darsteller war das Revival also ein großes Fest. Für die Fans hingegen, die 15 Jahre lang auf eine Fortsetzung gewartet hatten, dürfte der Kinofilm eine bittere Enttäuschung sein.

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