Filmschurken: Joker, Hannibal und Co. - wer ist der größte Bösewicht?

44 Fieslinge stellt Steffen Haubner in seinem Buch "Wecke den Joker in dir – Von den fiesesten Bösewichten der Filmgeschichte lernen" vor. Was macht ihr übles Charisma aus? Wie lauten ihre besten Sprüche und was ist ihr Erfolgsrezept? Hier zeigt der Autor eine kleine Auswahl aus seinem schillernden Schurken-Aufgebot.

Beverly Sutphin: Wer seinen Müll trennt und niemals ungeschminkt in die Öffentlichkeit geht, muss noch lange kein guter Mensch sein. Kathleen Turner findet als "Serial Mom" (1994) heraus, wie befreiend es sein kann, sich nervige Nachbarn auf unkonventionelle Weise vom Hals zu schaffen.
Colonel Walter E. Kurtz: Einer der tiefgründigsten Filmschurken ist der von Marlon Brando genial verkörperte Colonel Kurtz. In Franzis Ford Coppolas "Apokalypse Now" (1979) errichtet er mitten im Dschungel ein Totenreich.
Hans Gruber: Der Schurke aus "Die Hard" (1988), ist einer der ikonischsten Bösewichte und für die weihnachtliche Besinnlichkeit tödlicher als der Grinch. Die Deutschen nehmen in der Riege der Fieslinge eine besondere Rolle ein und sind ganz weit vorne, wenn es darum geht, ihre Untaten mit ein paar kultivierten Sprüchen auszuschmücken.
John Doe: So böse, dass er über weite Strecken von "Sieben" (1995) nicht einmal selbst in Erscheinung treten muss. In der Rolle des John Doe brilliert Kevin Spacey.
Annie Wilkes Liebe geht durch den Magen – und durch die Venen. Als "Fan Nummer 1" zeigt Kathy Bates in der Stephen-King-Verfilmung "Misery" aus dem Jahr 1990 ihre monströse Seite. Tja, mit Krankenschwestern hat eben nicht jeder nur gute Erfahrungen gemacht …
Der Joker: Seit 1939 spukt der Mann mit dem markanten Lachen und den grünen Haaren durch die Popkultur. In "The Dark Night“ (2008) wurde er von Heath Ledger verkörpert. Zwischen ihm …
… und Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) in „Joker“ (2019) liegen allerdings Welten. Wie das Buch zeigt, macht gerade das den Reiz der Figur aus.
Amy Dunne: Kann man so schön sein und doch so diabolisch? Rosamund Pike gelingt das in "Gone Girl – Das perfekte Opfer" (2014) spielend und mit einem Lächeln, das selbst Eiswürfeln eine Gänsehaut verpasst. Der Film zeigt, dass einfach nichts ist wie es scheint. Niemals.
John Kramer: Als "Jigsaw" spielt er in der umstrittenen "Saw"-Reihe den teuflischen Weltverbesserer, der seinem "Publikum" den eigenen moralischen Verfall vorführt. Darsteller Tobin Bell zeigt eindrucksvoll, wie man mit minimalistischen Mitteln am bedrohlichsten rüberkommt.
Tony Montana: Wenn ein Streifen die Bezeichnung "Kultfilm" verdient, dann ganz sicher Brian de Palmas "Scarface" aus dem Jahr 1983. Das liegt nicht zuletzt an für viele Lebenssituationen hilfreichen Weisheiten wie dieser: "Ich sage immer die Wahrheit – auch wenn ich lüge!"
Der Reverend: An dem Film "Brimstone: Erlöse uns von dem Bösen" (2016) scheiden sich die Geister. Rabenschwarz, nihilistisch und absolut gnadenlos lässt der mit dem "Reverend" einen der unheiligsten Prediger aller Zeiten auf die Menschheit los. Das hält nicht jeder Zuschauer aus.
Adrian Toomes (Der Geier): Warum wechselt ein fürsorglicher Familienvater auf die dunkle Seite? Der von Michael Keaton verkörperte genial-irre Techniker aus "Spider Man – Homecoming" (2017) ist ein Paradebeispiel für die hauchdünne Grenze zwischen Gut und Böse.
Mallory und Mickey Knox: Noch heute schockiert das Dream Team der Superbösewichte in Oliver Stones bahnbrechendem "Natural Born Killers" von 1994. Nach Bonnie und Clyde, Sailor und Lula ("Wild at Heart") sowie Clarance Worley und Alabama Whitman ("True Romance") die wohl mit Abstand kompromisslosesten und tödlichsten Turteltauben der Filmgeschichte.
Auf 192 Seiten schickt uns der Film- und Kulturjournalist Steffen Haubner auf einen unterhaltsamer Trip in die Abgründe der Filmgeschichte. Bilder gibt es in dem Werk zwar nicht, dafür aber spannende Hintergründe, die besten Sprüche der Kandidaten sowie jede Menge "Klugscheißer-Infos", mit denen man beim nächsten Filmabend glänzen kann. "Wecke den Joker in dir – Von den fiesesten Bösewichten der Filmgeschichte lernen" erschienen im riva Verlag, April 2020.