120. Geburtstag von Humphrey Bogart: Mit Trenchcoat und Zigarette zur Film-Ikone

Er jagte durch die dunklen Straßen des Film-noir-Kinos und sprach einige der legendärsten Sätze in der Geschichte des Films. Während der goldenen Ära von Hollywood mauserte sich Humphrey "Bogie" Bogart zu einer Ikone.

Humphrey DeForest Bogart wurde am Weihnachtstag (in den USA wird Weihnachten am 25.12. gefeiert) des Jahres 1899 in New York geboren. Über das genaue Geburtsdatum Bogarts herrschte allerdings lange Zeit Unklarheit. Schuld daran ist die in Hollywood früher gängige Praxis, biografische Details von Schauspielern aus Vermarktungsgründen zu verändern.
Warner Bros. soll demnach versucht haben, Bogarts Image aufzubessern, indem es seinen Geburtstag vom 23. Januar 1900 auf den 25.12.1899 umdatierte. Wie Buchautor Clifford McCarty schrieb, sei die Idee gewesen, "die Ansicht zu vermitteln, dass ein Mann, der an Weihnachten geboren wurde, nicht so bösartig sein kann, wie er auf der Leinwand wirkt". Diese Legende gilt heute aber als widerlegt. Bogart selbst wies seinen Geburtstag nämlich stets am 25.12. aus und auch offizielle Dokumente untermauern, dass er tatsächlich an Weihnachten geboren wurde.
Bogart war das erste von drei Kindern des Chirurgen Dr. Belmont DeForest Bogart und der Illustratorin Maude Cecil Humphrey. Über seine beiden Schwestern ist wenig bekannt. Er selbst beschrieb seine Kindheit einst als "unsentimental und geradlinig". Wie Bogart erklärte, hätten seine Eltern ein distanziertes Verhältnis zu ihren Kindern gehabt. "Ein Kuss war ein Ereignis in unserer Familie. […] Ich kann nicht sagen, dass ich meine Mutter geliebt habe, aber ich habe sie respektiert."
Nach dem Ende seiner schulischen Laufbahn heuerte Bogart 1918 bei der Navy an. Berichten zufolge soll er sich während seiner Zeit auf See die markante Narbe über seiner Oberlippe zugezogen haben. Diese soll, zumindest teilweise, auch für sein bekanntes Lispeln verantwortlich gewesen sein. Allerdings kursieren bezüglich der Entstehung der Narbe unterschiedliche Geschichten und ihr genauer Ursprung lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit bestimmen. Hier ist Bogart als Navy-Kommandant in "Die Caine war ihr Schicksal" zu sehen.
Nach seiner Zeit bei der Navy arbeitete Bogart in verschiedenen Positionen. Erste Schritte als Schauspieler machte er Anfang der 1920er Jahre als Broadway-Darsteller. 1926 heiratete er die Schauspielerin Helen Menken. Das Paar trennte sich aber bereits ein Jahr später. Vor der Kamera trat er der Filmdatenbank "IMDb" zufolge erstmals 1928 in dem Kurzfilm "The Dancing Town" auf. Im selben Jahr ging Bogart auch seine zweite Ehe mit Mary Philips ein.
Seine erste große Hauptrolle in einem Spielfilm übernahm er 1930 in dem Drama "Up the River" von John Ford. Darin spielte Bogart den Gefängnisinsassen "Steve Jordan", der sich in die im Frauengefängnis einsitzende "Judy Fields" (gespielt von Claire Luce) verliebt. Bis Bogies Schauspielkarriere wirklich in Fahrt kam, sollte es allerdings noch einige Jahre dauern.
Genau genommen bis 1936. In diesem Jahr spielte Bogart in "Der versteinerte Wald" den flüchtigen Gangster "Duke Mantee". Denselben Charakter hatte er auch schon in dem Broadway-Stück verkörpert, auf dem der Film basiert. Dass er ihn auf der großen Leinwand noch einmal spielen durfte, verdankte er Hauptdarsteller Leslie Howard. Der hatte zuvor gedroht, aus dem Projekt auszusteigen, sollte Bogart nicht als "Duke" besetzt werden.
"Der versteinerte Wald" wurde zu einem großen Erfolg an den Kinokassen. Obwohl Bogart nur eine Nebenrolle spielte, gilt der Film heute als sein Durchbruch, mit dem er sich als Schauspieler in Hollywood etablierte.
Obwohl sich Bogie durch den Erfolg von "Der versteinerte Wald" einen Platz in Hollywood gesichert hatte, war er vom Ruhm eines Stars noch weit entfernt. In den folgenden Jahren trat er primär in Nebenrollen auf und verkörperte oft ähnlich gestrickte Rollen wie die des Gangsters "Duke Mantee". Oft wurde Bogart in seinen Filmen erschossen, ins Gefängnis gesteckt oder sogar hingerichtet.
Aus diesem Zirkel ewig gleicher Rollen konnte Bogie erst mit "Entscheidung in der Sierra" von 1941 ausbrechen. Auch darin spielte er mit der Figur des "Roy Earle" einen Straftäter. Allerdings weist der Charakter mehr Tiefe als seine vorherigen Rollen auf und bricht mit der klischeehaften Darstellung des ausschließlich bösen Gangsters.
Endgültig zum Filmstar wurde Bogart 1941 als Privatdetektiv "Samuel Spade" in "Die Spur des Falken". Die Leinwandadaption des Romans "Der Malteser Falke" gilt heute als Startschuss für das Genre des Film noir. Damit wird eine Reihe von Filmen bezeichnet, die die bis dahin in Hollywood übliche moralische Schwarz-Weiß-Zeichnung von Charakteren über den Haufen warfen.
In den Filmen der "Schwarzen Serie", wie der Film noir auch genannt wird, geht es um Mord, Verrat und Eifersucht. Dabei stehen Charaktere im Zentrum, deren Handeln sich nicht einwandfrei den klassischen Schemata von Gut und Böse zuordnen lässt. Bogarts Rolle als "Sam Spade" gilt als einer der Prototypen für diese Art von Figuren.
Denn der Privatermittler ist kein strahlender Held, sondern eine oft zutiefst unsympathische Figur. Er schreckt nicht vor Gewalt zurück, bewegt sich immer wieder am Rande der Legalität, wirkt oft kalt und abweisend und hat sogar ein Verhältnis mit der Frau seines ermordeten Partners. Dennoch ist Spade kein Bösewicht, sondern jemand, dessen moralische Prinzipien schlicht mehr Grauzonen aufweisen, als man es bis dato gewohnt war.
Auch in vielen anderen Filmen verkörperte Bogart ähnlich angelegte Charaktere. So wie hier in "Gangster vom Key Largo" von 1948.
Seiner Darstellung ist es maßgeblich zu verdanken, dass die Figur des Zynikers im Trenchcoat, der mit einer Zigarette im Mund die Straßen einer von Verbrechen geplagten Stadt durchstreift, Ikonen-Status in der Welt des Films genießt.
Sein wichtigster Film – neben "Die Spur des Falken" – kam 1942 raus. In dem Meisterwerk "Casablanca" von Regisseur Michael Curtiz spielte Bogie den zynischen Nachtclubbetreiber "Richard 'Rick' Blaine", dessen Bar während der frühen Phase des Zweiten Weltkriegs zu einer Anlaufstelle für Schutzsuchende avanciert.
Eines Tages taucht Ricks Ex-Geliebte Ilsa (Ingrid Bergmann) mit ihrem Mann Victor in dem Club auf. Die beiden sind auf der Flucht vor den Nazis und benötigen Visa, um aus der marokkanischen Stadt verschwinden zu können. Als sie Hilfe bei Rick suchen, wird dieser vor eine schwerwiegende Entscheidung gestellt.
"Casablanca" zählt heute zu den größten Klassikern in der Geschichte des Films. Bogart brachte er seine erste Oscar-Nominierung als "Bester Hauptdarsteller" ein.
Einige Sätze des Films werden auch heute noch zitiert. Der berühmteste davon dürfte wohl "Ich seh' dir in die Augen, Kleines" sein, den Rick jedes Mal sagt, wenn er Ilsa zuprostet. (In einer älteren Übersetzung sagt Rick "Schau' mir in die Augen, Kleines"). Interessanterweise handelt es sich dabei um einen Übersetzungsfehler. Im Original sagt Rick nämlich: "Here’s looking at you, kid". Das lässt sich eher als "auf dich" oder "hoch die Tassen" interpretieren und lässt Bogarts Charakter weit weniger romantisch erscheinen.
Bei den Dreharbeiten zum Film "Haben und Nichthaben" von 1944 lernte der damals 44-jährige Bogart die 19-jährige Lauren Bacall kennen. Obwohl Bogie zu diesem Zeitpunkt noch in dritter Ehe mit Mayo Methot verheiratet war (seine zweite Ehe war 1937 geschieden worden), verliebten sich die beiden. Nachdem sich Bogart erneut hatte scheiden lassen, heiratete das Paar 1945. Auch nach ihrer Ehe standen sie noch mehrfach gemeinsam vor der Kamera. So wie hier in "Tote schlafen fest" (1946).